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Fußball

Uli Hoeneß will DFL-Präsident werden

Bayern München ist der Ausnahmeclub der Fußball-Bundesliga und sein neuer Präsident, Uli Hoeneß, ist einer der wichtigsten Funktionäre im deutschen Fußball. Das aber reicht ihm nicht, er will noch mehr Macht.

Am 18. August tagt die Vollversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL). Lange sah es so aus, dass das Treffen der 36 Clubvertreter aus der 1. und 2. Bundesliga ruhig verlaufen und DFL-Präsident Reinhard Rauball problemlos im Amt bestätigt werden würde. Die Arbeit des Präsidenten von Borussia Dortmund wird geschätzt und anerkannt und nach seinen eigenen Worten ist der 63-Jährige Jurist von Vereinsvertretern sogar gebeten worden, noch drei weitere Jahre im Amt zu bleiben.

Doch nun hat sich die Situation drastisch geändert, hat doch der neue Präsident von Bayern München, Uli Hoeneß, eh schon einer der mächtigsten Funktionäre im deutschen Fußball, auch bei der DFL seinen Hut in den Ring geworfen. Er will gegen Reinhard Rauball antreten und DFL-Präsident werden.

Langeweile oder einfach nur mehr Macht?

Willi Lemke, ehemals Manager von Werder Bremen

Intimfeind von Uli Hoeneß - Willi Lemke

Die einen sagen, Uli Hoeneß wolle seine eh schon vorhandene Macht noch weiter ausbauen, andere vermuten, die Langeweile treibe ihn an. Letzteres scheint angesichts der Aktivitäten von Hoeneß allerdings kaum möglich zu sein. Mit 27 Jahren trat Hoeneß das Amt als Manager bei Bayern München an. Damals machte der Club gerade einmal sechs Millionen Euro Umsatz im Jahr und hatte 3,5 Millionen Schulden. In seinen dreißig Jahren als Vereinsmanager steigerte Hoeneß den Umsatz auf 300 Millionen und machte die Münchner Bayern zum wirtschaftlich gesündesten Top-Club Europas.

Zuletzt ließ er es zumindest im Verein etwas ruhiger angehen, löste Franz Beckenbauer auf dem Präsidentensessel ab. Im Privatleben hat der Vater von zwei Kindern aber immer noch genug zu tun. Er hält Vorträge vor Managern, engagiert sich in sozialen Projekten und führt so ganz nebenbei auch noch ein großes Unternehmen aus der Fleischwarenindustrie. Die Langeweile kann ihn also eigentlich nicht antreiben, es ist dann wohl doch eher die Macht, die ihn reizt. Und interessant wäre der Posten eines DFL-Präsidenten für ihn allemal, ist die DFL doch die Interessenvertretung der Clubs innerhalb des DFB, wo es nach Meinung von Hoeneß auch vieles zu verbessern gibt.

Hoeneß für viele die Reizfigur der Liga

Auch wenn alle wissen, dass Uli Hoeneß der Typ ist, für den Stillstand Rückschritt bedeutet, wundert viele sein geplantes Engagement in der DFL. Schließlich gab er sich immer wieder als Gegner der DFL-Politik. Besonders wenn es um die Verteilung der Gelder ging, sah Hoeneß seine Bayern als Zugpferd der Liga immer wieder benachteiligt. Er hatte wenig Verständnis für die Devise, zur Existenzsicherung die kleinen Clubs vielleicht sogar mehr als gerechtfertigt zu bedenken. Deshalb und weil er der Konkurrenz immer wieder Spieler wegkaufte, wurde er immer wieder von Ligakollegen angefeindet Für den langjährigen Manager von Werder Bremen, den jetzigen UNO-Sportbeauftragten Willi Lemke, war er sogar der Totengräber der Liga.

Wer kann die Mehrheit hinter sich versammeln?

Vier Wochen haben die beiden Kandidaten nun Zeit, die Mehrheit der Vereinsvertreter für sich einzunehmen. Selbst Hoeneß gab zu, dass Rauball bisher gute Arbeit geleistet habe. Der sieht die Steigerung der TV-Einnahmen, eine bessere Vertretung beim Weltverband FIFA und beim europäischen Verband UEFA und den intensiveren Dialog mit Fans, Politik und Gesellschaft als vordringliche Aufgaben. Ausgerechnet Hoeneß lockt nun die kleiner Clubs mit dem Versprechen, ihnen mehr Einnahmen zu verschaffen.

Noch geht es freundlich zwischen den beiden Kandidaten zu, es bleibt anzuwarten, ob das bis zum Schluss so bleibt. Reinhard Rauball hat jedenfalls unmissverständlich klar gemacht, dass er nicht freiwillig das Feld für Hoeneß räumen wird. Und auch eine Zusammenarbeit mit Hoeneß auf Kosten anderer kommt für den Dortmunder nicht in Frage. Als Hoeneß offensichtlich seine Bereitschaft erklärte, zunächst als Vize-Präsident zu beginnen, lehnte Rauball ab – er hätte dafür nämlich seinen vertrauten Stellvertreter Peter Peters von Schalke 04 opfern müssen.

Autor: Wolfgang van Kann (mit sid, dpa,ap)
Redaktion: Sarah Faupel