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Deutschland

Uli Hoeneß - das gescheiterte Vorbild

Ein Fußballmanager hinterzieht Steuern in Millionenhöhe und Politiker aller Parteien diskutieren über den Fall. Sein Fall bestimmte sogar den Bundestagswahlkampf 2013. Jetzt muss sich Hoeneß vor Gericht verantworten.

Uli Hoeneß zeigte sich im Januar 2013 selbst an, weil er mithilfe eines Kontos in der Schweiz

jahrelang im großen Stil Steuern hinterzogen

hatte. Nach Bekanntwerden des Falls war von 3,5 Millionen Euro die Rede, die Hoeneß dem Fiskus vorenthalten haben soll. Mit dem Prozessbeginn an diesem Montag vor dem Landgericht München steht der Fall Hoeneß jetzt wieder im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses - zumal Hoeneß gleich zum Auftakt einräumte, 18,5 Millionen Euro Steuern hinterzogen zu haben: deutlich mehr, als die Anklage ihm vorwirft.

Uli Hoeneß ist ehemaliger Fußballnationalspieler und als Präsident des FC Bayern München nicht irgendein Sportfunktionär. Der 62-jährige gebürtige Ulmer hat den deutschen Fußball geprägt wie kaum ein anderer. Den FC Bayern hat Hoeneß zu einem weltberühmten und finanzstarken Fußballklub gemacht, sein Lebenswerk, wie er sagt. Und der Verein steht derzeit besser da als je zuvor. Die Mannschaft gewinnt ein Spiel nach dem anderen, was der Klub verdient, macht viele neidisch. Von 431 Millionen Euro Umsatz können andere Vereine nur träumen.

Plakat, das von Hoeneß Fans zu seinem 60. Geburtstag im Fußballstadion hochgehalten wird (Foto: GettyImages)

Hoeneß-Anhänger im Stadion: Ein Mann mit vielen Fans

Gute Taten und Politikernähe

Außerdem galt Hoeneß als Klartext-Redner und Wohltäter. Er spendete persönlich Millionen für soziale Einrichtungen und hat dafür gesorgt, dass andere es auch taten. Hoeneß hat sogar Konkurrenz-Vereinen wie dem FC St. Pauli, Borussia Dortmund und Alemannia Aachen mit Benefizspielen aus der Finanzklemme geholfen. Persönlich stand er Fußballprofis bei ihren Problemen zur Seite, wie dem alkoholkranken Gerd Müller und Sebastian Deisler, der unter Depressionen litt. "Hoeneß war für viele ein Vorbild und ein interessanter Gesprächspartner", sagt die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, Dagmar Freitag. Politiker hätten sich gerne mit ihm sehen lassen und er sei gerne mit ihnen von der Öffentlichkeit wahrgenommen worden, schildert die SPD-Abgeordnete im Gespräch mit der Deutschen Welle.

Hoeneß bekam für sein Engagement reichlich öffentliche Anerkennung. Neben wichtigen Sportauszeichnungen erhielt er 2010 den Zivilcouragepreis der Stiftung "Bündnis für Kinder", im Herbst 2012 wurde ihm die bayerische Staatsmedaille für soziale Verdienste verliehen.

Der Präsident des Fußball-Bundesligisten FC Bayern München, Uli Hoeneß, steht neben Horst Seehofer, (Foto: dpa)

Bayerns Ministerpräsident Seehofer (CSU) und Hoeneß: Besonders Unionspolitiker zeigten sich gerne mit ihm

Hoeneß' öffentliche Präsenz wuchs, er wurde oft zu Vorträgen und in Talkshows eingeladen. Zum Bild des ehrbaren Mannes trug bei, dass er selber vielfach seinen Charakter als ehrlicher Geschäftsmann betonte. "Ich weiß, dass das doof ist. Aber ich zahle volle Steuern", sagte Hoeneß 2005 in einem Interview des Boulevard-Blattes "Bild". Und vor zwei Jahren verkündete er im Wirtschaftsmagazin "Brandeins": "Natürlich will ich Erfolg, aber nicht um jeden Preis. Wenn es um Geld geht, muss man auch mal zufrieden sein." Außerdem hatte Hoeneß lautstark den Präsidenten des Fußball-Weltverbandes Fifa, Sepp Blatter, aufgefordert, gegen die Korruption in der Organisation vorzugehen.

Deshalb sei die Enttäuschung bei Bekanntwerden der Steueraffäre umso größer gewesen, sagt Politikerin Freitag. Als sie im April 2013 hörte, dass der Fußballmanager Steuern in Millionenhöhe hinterzogen hat, habe sie wie viele andere gedacht: "Ich hätte das bei jedem erwartet, nur nicht von Uli Hoeneß".

Der Fall Hoeneß puschte den Wahlkampf

Gerade weil Uli Hoeneß in der Politik so beliebt war, forderte er mit seiner Steuerhinterziehung heraus, dass sich viele von ihm abgrenzten. Vor allem aber hatte er den Sozialdemokraten (SPD) und Grünen in der Opposition Stoff für den Wahlkampf im vergangenen Jahr geliefert und den Streit über den Umgang mit Steuersündern befeuert.

Denn der Präsident des FC Bayern hat in seinem Schuldbekenntnis, das das Nachrichtenmagazin "Focus" veröffentlichte, auch zugegeben, er habe die "Angelegenheit ursprünglich" mithilfe des von der Bundesregierung geplanten

deutsch-schweizerischen Steuerabkommens

regeln wollen. Doch das war im Dezember 2012 wegen des Widerstandes von SPD und Grünen nicht zustande gekommen. Die beiden Parteien saßen im Bundestag zwar damals auf den Oppositionsbänken, hatten aber zwischenzeitlich im Bundesrat, der zweiten Parlamentskammer, die Mehrheit. Das gescheiterte Abkommen hatte vorgesehen, Schwarzgelder deutscher Anleger auf Schweizer Konten rückwirkend zu versteuern. Die Steuerflüchtlinge wären dabei nicht nur straffrei, sondern auch anonym geblieben. SPD und Grüne hatten das Vorhaben mit der Begründung gekippt, damit würde Steuerbetrug im Nachhinein legalisiert.

"Steuersünder darf man nicht laufen lassen"

Zahlreiche Vertreter der damaligen Opposition warfen der alten Bundesregierung aus der konservativen CDU/CSU und der liberalen FDP vor, sie wolle Steuerbetrüger schützen. Die Regierungsparteien ihrerseits sahen die Kritik als wahltaktisches Manöver. Die CSU-Landesgruppen-Vorsitzende im Bundestag, Gerda Hasselfeldt, sagte im Ersten Deutschen Fernsehen, Steuerhinterziehung sei zwar kein Kavaliersdelikt, aber: "Wenn den Sozialdemokraten nichts anderes einfällt in diesem Wahlkampf, als ein persönliches Vergehen zum Anlass zu nehmen, auf die CSU loszugehen, dann ist das ein Armutszeugnis."

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Uli Hoeneß (Foto dpa)

Bundeskanzlerin Merkel: von Hoeneß "enttäuscht"

Die alte Regierung verteidigte das Steuerabkommen damit, dass dadurch eine weitaus größere Zahl von Steuersündern erfasst werde, als durch die Aufdeckung von Einzeltätern. Das bezweifelt die ehemalige Opposition. Für die SPD-Abgeordnete Dagmar Freitag ist klar, Steuersünder dürfe man nicht laufen lassen. Wäre das Abkommen zustande gekommen, hätte Uli Hoeneß sein Ansehen als moralische Instanz behalten, weil sein Vergehen geheim geblieben wäre. "Doch jemand, der erkennbar sein Land um Geld betrogen hat, kann kein Vorbild mehr sein."

Ein besonderer Imageschaden trifft Bundeskanzlerin Angela Merkel von der CDU und die bayrische Schwesterpartei CSU. Merkel hatte sich gern mit Uli Hoeneß gezeigt. Unter anderem traf sie 2012 mit ihm zusammen, als Schirmherrin der Aktion "Geh Deinen Weg", mit der an einem Bundesliga-Spieltag für Integration geworben wurde. Hoeneß und der FC Bayern hatten die Veranstaltung unterstützt. Und die CSU muss schauen, wie sie mit einem ihrer prominentesten Unterstützer umgeht. Der Fußballmanager hatte seine Sympathie für die Christsozialen immer deutlich gezeigt.

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