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Porträts Lehrerverbände

Ukrainischer Hochschulgermanistenverband (UHSchGV)

Seit Beginn der Krim-Krise hat sich die Mitgliederzahl des Ukrainischen Hochschulgermanistenverbands halbiert. Eine traurige Nachricht für die Lehrenden. Doch der Verband setzt weiter auf ein reges Miteinander.

Ella Bondarenko sitzt auf gepackten Koffern: In wenigen Tagen fliegt sie nach Deutschland, wo sie zahlreiche andere Deutschlehrer treffen wird. Während eines Arbeitstreffens des Internationalen Deutschlehrerverbands vertritt sie ihre nationale Vereinigung. Da kommt es ihr entgegen, dass in der Ukraine die Sommerferien ganze zwei Monate dauern.

Deutsche Welle: Frau Bondarenko, Sie haben einen Doktor im Fach Deutsch und unterrichten seit Jahren Deutsch als Fremdsprache. Würden Sie da nicht manchmal am liebsten etwas an der deutschen Grammatik verändern?

Also, an der Sprache würde ich nichts ändern. Nur an unserer Situation: Leider mangelt es uns oft an Unterrichtsstunden. Die werden jedes Jahr vom Bildungsministerium reduziert, und das ist das Schlimmste an unserer Arbeit. Ansonsten macht der Deutschunterricht sehr viel Spaß, also beiderseitig, sowohl den Studenten als auch den Lehrpersonen.

Deutsch unterscheidet sich ja nicht nur in der Grammatik stark vom Ukrainischen, sondern hat auch noch ein komplett anderes Alphabet. Fällt es den ukrainischen Studenten da nicht doppelt schwer, Deutsch zu lernen?

Der Vorstand des ukrainischen Hochschulgermanistenverbands (UHSchGV)

Der Vorstand des UHSchGV (von links): S. Ogirok, O. Steriopolo, O. Sintschenko, M. Gawrisch, O. Franko, E. Bondarenko, M. Gamsjuk

Das lateinische Alphabet ist nicht das größte Problem, denn unsere Schüler lernen es schon, wenn sie andere germanische Sprachen erlernen, zum Beispiel Englisch. Gerade die grammatischen Rahmenkonstruktionen, die es in den slawischen Sprachen gar nicht gibt, sind am schwierigsten für unsere Schüler. Aber natürlich auch die Aussprache. Doch dazu gibt es sehr gute Lehrwerke mit CDs mit multimedialen Inhalten. Da kann man an der Aussprache gut arbeiten.

Warum wollen junge Ukrainer Deutsch lernen?

Es gibt verschiedene Motivationen. Erstens lernt man in der Schule schon Deutsch. Es gibt viele Schulen mit erweitertem Deutschunterricht, wo Deutsch ab der ersten Klasse unterrichtet wird. Und die Schüler, die dort lernen, interessieren sich für die deutsche Sprache. Dann möchten sie die Sprache weiter erlernen oder Deutsch als Fach wählen.

Und dann gibt es noch einen Grund, warum das Interesse an der deutschen Sprache von Jahr zu Jahr wächst. Die Jugend geht davon aus, dass sie irgendwann in der EU landet, und Deutschland ist ein wichtiger Partner in der EU, da muss man die deutsche Sprache beherrschen. Sie verbinden auch ein bisschen Zukunftsträume damit.

Derzeit ist die Ukraine ja leider immer wieder in den Nachrichten aufgrund der Ereignisse auf der Krim. Wir wirkt sich diese politische Situation auf Ihre Arbeit im Verband aus?

Audio anhören 00:19

Hören Sie rein: So sieht Ella Bondarenko Deutschland und die deutsche Sprache

Natürlich erlebt unser Verband gerade schwierige Zeiten wie das ganze Land. Und durch die Ereignisse in der Ostukraine ist unsere Mitgliederzahl sehr geschrumpft. Es sind momentan noch 150 Mitglieder, und als der Verband 2004 gegründet wurde, betrug die Mitgliederzahl über 300 Personen. Zu vielen Universitäten haben wir schlicht keinen Kontakt mehr. Sie sagen, dass sie Russland näherstehen als der Ukraine. Das ist sehr traurig, weil es unsere Kolleginnen und Kollegen sind.

Worauf legen Sie in Ihrem Verband besonderen Wert?

Unser Ziel ist es, ein gemeinsames Podium für alle Deutschlehrenden in der Ukraine zu bieten und die deutsche Sprache zu verbreiten. Besonders wichtig ist uns, dass sich die Arbeit im Verband nicht auf ein paar wissenschaftliche Kolloquien oder Konferenzen beschränkt, sondern ein Treffpunkt für die einzelnen Mitglieder ist. Mittlerweile hat sich bei uns ein richtiges Netzwerk entwickelt. Die Leute kontaktieren sich und unterstützen sich mit Ratschlägen. Wir haben nicht nur einen fachlichen, sondern vor allem auch einen kulturellen Austausch. Das macht uns allen sehr viel Spaß und wir entwickeln uns als Persönlichkeiten.


Die wichtigsten Infos in Kürze:
Der Ukrainische Hochschulgermanistenverband (UHSchGV) wurde 2004 gegründet und hat rund 150 Mitglieder. Der Verband organisiert zahlreiche wissenschaftliche Konferenzen sowie Jahrestagungen.

Vorstandsmitglieder:
• Prof. O. Steriopolo (Präsidentin)
• Dr. M.Gawrisch (Vize-Präsidentin)
• Dr. S. Ogirok (Vorstandsmitglied)
• Prof. M. Gansjuk (Vorstandsmitglied)
• Dr. O. Franko (Sekretärin des Vorstands)
• Dr. O. Sintschenko (Redakteurin des Informationsblattes)
• Dr. E. Bondarenko (Redakteurin der Fachzeitschrift "Germanistik in der Ukraine")

IDV-Kontaktperson:
Olena Steriopolo, esteriopolo[at]mail.ru

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