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Fokus Osteuropa

Ukrainischer Ex-Innenminister begeht Selbstmord

Jurij Krawtschenko wurde verdächtigt, an der Ermordung des Journalisten Georgij Gongadse beteiligt gewesen zu sein. Bevor er sich das Leben nahm, schrieb er einen Abschiedsbrief, in dem er Ex-Präsident Kutschma belastet.

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Gedenken an Krawtschenko in Kiew

Am Montag (7.3.) ist in Kiew der ehemalige ukrainische Innenminister Jurij Krawtschenko beigesetzt worden. Krawtschenko war am 4. März tot aufgefunden worden, nur wenige Stunden vor einer angesetzten Vernehmung durch die Generalstaatsanwaltschaft im Mordfall des Journalisten Georgij Gongadse. Offiziellen Mitteilungen zufolge nahm sich Krawtschenko selbst das Leben.

Weggefährten nehmen Abschied

Am Montagmorgen wurde der Sarg mit Krawtschenkos Leiche im Gebäude des Kiewer Musik-Theaters am Kontraktowa-Platz aufgebahrt. Abschied von Krawtschenko nahm der ehemalige ukrainische Präsident Leonid Kutschma, der seine Kur im tschechischen Karlsbad abbrach, um nach Kiew zurückzukehren. Zur weltlichen Trauerfeier erschien eine ganze Reihe von Personen, die in der Hierarchie des Kutschma-Regimes hochrangige Posten bekleideten. Unter ihnen befanden sich Kutschmas Schwiegersohn Wiktor Pintschuk, der Präsident des Fußballklubs Dynamo Kiew, Hryhorij Surkis, der ehemalige Chef des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates, Wolodymyr Horbulin, der ehemalige Leiter des Sicherheitsdienstes der Ukraine, Leonid Derkatsch, und der ehemalige Premierminister Walerij Pustowojtenko. Trotz der Tatsache, dass Selbstmörder von der orthodoxen Kirche nicht beigesetzt werden, fand zwischen der weltlichen Trauerfeier und der Beerdigung Krawtschenkos auf dem Kiewer Bajkowyj-Friedhof in einer zum Moskauer Patriarchat gehörenden Kirche in Kiew dessen Aussegnung statt.

Abschiedsbrief gefunden

Dem heutigen Innenminister der Ukraine, Jurij Luzenko, zufolge wurde in der Kleidung des Toten ein Blatt Papier gefunden, auf dem der ehemalige Innenminister folgende Worte handschriftlich festgehalten hatte: "Liebe Freunde, ich bin unschuldig. Verzeiht! Ich bin Opfer politischer Intrigen von Präsident Leonid Kutschma und dessen Umfeld geworden. Ich gehe von Euch mit reinem Gewissen. Lebt wohl!"

Kutschma: Krawtschenko unschuldig

Der ehemalige ukrainische Präsident Kutschma sagte nach der Trauerfeier im Kiewer Musik-Theater, er glaube nicht, dass Krawtschenko an der Ermordung des Journalisten Gongadse beteiligt gewesen sei. Kutschma betonte: "Er gab die Antwort selbst, dass er unschuldig ist. Ich bestätige dies. Ich glaube unter keinen Umständen, dass er einen solch verbrecherischen Befehl hat geben können." Kutschma unterstrich ferner, er könne die Frage nicht beantworten, ob er davon ausgehe, dass Krawtschenko Selbstmord begangen habe.

Braucht Kutschma nun verstärkten Schutz?

Der erste Präsident der Ukraine, Leonid Krawtschuk, sagte am Sonntag (6.3.) auf einer Pressekonferenz in Schytomyr, er sei nicht der Meinung, Ex-Präsident Kutschma brauche verstärkten Personenschutz. Krawtschuk betonte, wenn jemand heutzutage ermordet werden solle, dann werde auch zusätzlicher Personenschutz nicht helfen, da auch dieser gegen heutige Killer machtlos sei. Um die Sicherheit ukrainischer Politiker zu gewährleisten, müsse im Mordfall des Journalisten Gongadse ein Punkt gesetzt werden. "Solange der Fall auf der Tagesordnung steht, wird es Opfer und Schuldige geben", sagte Krawtschuk.

Aleksandr Sawizkij, Kiew
DW-RADIO/Russisch, 7.3.2005, Fokus Ost-Südost

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