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Aktuell Welt

Ukrainische Soldaten rücken vor

Im Osten der Ukraine gehen die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten weiter. Russlands Präsident Putin schlug vor, das umstrittene Referendum über eine Abspaltung der Ostukraine zu verschieben.

In der ostukrainischen Stadt Slowjansk sind die Regierungstruppen nach Angaben prorussischer Kräfte wieder zum Angriff übergegangen. Am Stadtrand habe es zwei schwere Explosionen gegeben, meldete die russische Agentur Ria Nowosti unter Berufung auf die Gegner der prowestlichen Regierung in Kiew. Anwohner berichteten von Sturmgeläut als Aufforderung, sich in Sicherheit zu bringen. Über mögliche Tote oder Verletzte ist bislang nichts bekannt.

Tote auf beiden Seiten

In der 120.000-Einwohner-Stadt Slowjansk im Raum Donezk sowie in mehreren anderen Städten der Ostukraine haben prorussische Milizen die Kontrolle übernommen. Truppen der Kiewer Regierung gehen seit Tagen mit Panzerfahrzeugen und Kampfhubschraubern gegen die Separatisten vor (Artikelbild). Bei der von der Regierung als "Anti-Terror-Operation" bezeichneten Offensive wurden nach Informationen beider Seiten bislang zahlreiche Menschen getötet.

In der Hafenstadt Mariupol am Asowschen Meer eroberte die ukrainische Nationalgarde nach heftigen Kämpfen mit Separatisten das Rathaus zurück. Die moskautreuen Kämpfer hätten die Hauptdurchgangsstraße der Stadt mit brennenden Reifen und einem angezündeten Bus blockiert, nachdem sie aus dem Gebäude gedrängt worden seien, berichtete ein ukrainischer Fernsehsender. Eine offizielle Bestätigung für diese Angaben gibt es bislang nicht.

Prorussische Kämpfer in der Nähe von Donezk (Foto: Reuters)

Prorussische Kämpfer in der Nähe von Donezk

Die prorussischen Aktivisten wollen am 11. Mai in Teilen der Ostukraine ein Referendum über die mögliche Unabhängigkeit des Gebiets abhalten. Dies wird sowohl von der Regierung in Kiew als auch von den westlichen Staaten abgelehnt. US-Außenminister John Kerry nannte die für Sonntag angesetzte Abstimmung über die Selbstständigkeit der fiktiven "Volksrepublik Donezk" erfunden, gefälscht und rechtswidrig. "Wir lehnen dieses illegale Bestreben, die Ukraine weiter zu spalten, entschieden ab", sagte der US-Chefdiplomat nach einem Treffen mit der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton in Washington. "Keine zivilisierte Nation wird die Ergebnisse eines solch betrügerischen Bemühens anerkennen."

Kremlchef Wladimir Putin forderte inzwischen eine Verschiebung des umstrittenen Referendums in der Ostukraine über eine Unabhängigkeit, das für diesen Sonntag geplant ist. Es müssten erst die Bedingungen dafür geschaffen werden. Das sagte der russische Präsident der Nachrichtenagentur Interfax zufolge in Moskau nach einem Treffen mit dem derzeitigen OSZE-Präsidenten Didier Burkhalter. Putin forderte zudem die Entwaffnung extremistischer regierungstreuer Gruppierungen sowie ein Ende der Gewalt. Er rief besonders die Führung in Kiew auf, umgehend ihre "Anti-Terror-Operation" im Osten einzustellen.

3,2 Milliarden Dollar vom IWF

Die ukrainische Übergangsregierung erhielt unterdessen eine erste Geldspritze vom Internationalen Währungsfonds (IWF). Eine Tranche in Höhe von 3,2 Milliarden Dollar sei auf den Konten eingegangen, teilte die Zentralbank in Kiew mit. Gut eine Milliarde Dollar legt die Zentralbank nach Angaben eines Sprechers als Währungsreserve zurück. Der Rest fließe in den Staatshaushalt. Der IWF hat der Ukraine insgesamt 17 Milliarden Dollar über einen Zeitraum von zwei Jahren zugesagt. Auch die Europäische Union greift der vom Staatsbankrott bedrohten Ex-Sowjetrepublik finanziell unter die Arme.

wl/sti (dpa, rtr, afp)