Ukrainische Polizei verkündet Festnahme im Mordfall Nosdrowska | Aktuell Europa | DW | 09.01.2018
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Mordfall offenbar aufgeklärt

Ukrainische Polizei verkündet Festnahme im Mordfall Nosdrowska

Die Ermordung der ukrainischen Menschenrechtsanwältin Irina Nosdrowska bei Kiew hat eine Welle der Empörung ausgelöst. Jetzt meldet die Polizei einen Ermittlungserfolg: Der Tatverdächtige sei gefasst und geständig.

Neun Tage nachdem die Leiche der prominenten ukrainischen Juristin und Menschenrechtsaktivistin erstochen in einem Fluss bei Kiew gefunden wurde, hat die Polizei den Mörder offenbar gefasst. "Dank der gesammelten Masse an Beweisgegenständen haben wir den Tatverdächtigen festgenommen", teilte der Chef der Kriminalpolizei, Wjatscheslaw Abroskin, auf Facebook mit. Dieser habe die Tat gestanden, zeige jedoch keine Reue. Zur Identität des Verdächtigen wurden keine Angaben gemacht.

Die Ermordung der 38-jährigen Juristin hatte in der Ukraine Empörung ausgelöst. Außenminister Pawlo Klimkin schrieb im Kurzbotschaftendienst Twitter, der gewaltsame Tod von Irina Nosdrowska sei eine "Herausforderung für den Staat und ein Test für die Fähigkeit der Gesellschaft", ihre engagierten Frauen und das Recht zu schützen. Vor dem Sitz der Polizei in Kiew protestierten am 2. Januar rund 200 Menschen mit Bildern der Ermordeten (Artikelbild). Sie riefen "Schande" und forderten Gerechtigkeit. Der Polizei warfen die Demonstranten Untätigkeit vor und forderten eine Aufklärung der Tat. Die Leiche der seit dem 29. Dezember Vermissten war an Neujahrstag in einem Fluss bei Kiew gefunden worden.

Morddrohungen in die Tat umgesetzt?

In einem ihrer Fälle war die Anwältin auch persönlich stark betroffen. Nach dem Tod ihrer 26-jährigen Schwester im Jahr 2015 bei einem Verkehrsunfall war Nosdrowska juristisch gegen den Fahrer des Unfallwagens vorgegangen. Der Fahrer wurde in erster Instanz zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt, obwohl einflussreiche Verwandte dies zu verhindern versuchten. Nach dem Urteil erhielt Nosdrowska zahlreiche Morddrohungen von Seiten des Angeklagten und seiner Familie. Auch der Vater des Verurteilten bedrohte sie.

Zuletzt hatte sich Nosdrowska dafür eingesetzt, die Begnadigung des Unfallverursachers zu verhindern. Der gut vernetzte Neffe eines Richters war im vergangenen Juni zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt worden und hatte gute Chancen, freigelassen zu werden. Am vergangenen Mittwoch lehnte ein Gericht in Kiew seine Berufung allerdings ab.

Laut Menschenrechtsgruppen war dies dem Einsatz der Anwältin zu verdanken. In anderen Fällen würden Angehörige von Politikern oder ranghohen Persönlichkeiten häufig freigesprochen.

qu/sti (dpa, APE, afp)

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