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Ostmitteleuropa

Ukrainische Minderheit in Polen fordert Entschädigung und Wiedergutmachung

Warschau,10.2.2003, GAZETA WYBORCZA, poln.

Der polnische Ombudsmann, Professor Andrzej Zoll, hat an den Premierminister appelliert, Stellung zu den Forderungen der ukrainischen Minderheit in Polen zu nehmen. Die Mitglieder der ukrainischen Minderheit erwaten die Verabschiedung eines Reprivatisierungsgesetzes im Rahmen der Wiedergutmachung für die Aktion "Wisla" ("Weichsel"). Sie verlangen auch finanzielle Entschädigung für die ehemaligen Gefangenen des Arbeitslagers in Jaworzno.

Diese Forderungen wurden an den Ombudsmann, Professor Andrzej Zoll, vom Vorstand des Verbandes der Ukrainer in Polen herangetragen.

"Weil es an entsprechenden Gesetzen mangelt, wird das ukrainische Hab und Gut von der staatlichen Agentur für landwirtschaftliches Eigentum nach und nach verkauft. Offen bleibt auch die Frage der Entschädigung für eine Gruppe Ukrainer, die in den staatlichen landwirtschaftlichen Betrieben arbeiten mussten und kein Geld für ihre konfiszierten Güter bekamen. Diese Menschen leben jetzt in den Gebieten, die von einer hohen Arbeitslosigkeit heimgesucht werden. Diese Gruppe wird daher quasi zum zweiten Mal Opfer der politischen Veränderungen in Polen", schrieb der Ombudsmann an den Premierminister.

"Eine gesonderte Forderung ist mit einer finanziellen Entschädigung für etwa 160 Personen ukrainischer Nationalität verbunden, die ohne ein gerichtliches Urteil verhaftet und dann in dem Zentralen Arbeitslager in Jaworzno in den Jahren 1947-1949 inhaftiert wurden", teilte Professor Andrzej Zoll mit.

Der Verband der Ukrainer in Polen bat den Ombudsmann um Hilfe, weil die Regierung auf die Forderungen der ukrainischen Minderheit in Bezug auf die Wiedergutmachung für die Aktion "Wisla" nicht reagierte.

Professor Zoll betonte in seinem Brief an den Premierminister, dass sich das von Generation zu Generation übertragene tiefe Unrechtsgefühl der ukrainischen Minderheit auch auf die Bewertung der gesamten Politik des polnischen Staates gegenüber den nationalen Minderheiten auswirke.

Im Rahmen der Aktion "Wisla" wurden von den kommunistischen Behörden etwa 140 000 Ukrainer und Lemken aus den südwestlichen Gebieten in die westlichen sogenannten "wiedergewonnenen" Gebiete Polens zwangsweise umgesiedelt. In dem Arbeitslager in Jaworzno wurden fast 4 000 Personen inhaftiert, von denen viele ums Leben kamen. (Sta)

  • Datum 11.02.2003
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  • Permalink http://p.dw.com/p/3G41
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