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Aktuell Europa

Ukrainische Artillerie feuert weiter auf Donezk

Ein Separatistenführer in Donezk drohte mit einem neuen "Stalingrad", die ukrainische Armee verlangt quasi die Kapitulation. So werden die Kämpfe erbittert fortgesetzt, die Menschen flüchten in Schutzräume.

Die prorussischen Separatisten hatten eine Waffenruhe angeboten, die ukrainische Armee setzte ihre Angriffe fort und zog den Belagerungsring um die Rebellenhochburg Donezk noch enger. Ein Kampf um jede Straße und jedes Haus der Großstadt bahnt sich an. Mit massivem Artilleriefeuer versuchte das Militär am Sonntag, eine strategisch wichtige Versorgungsroute der Aufständischen Richtung Russland abzuschneiden.

Für eine Feuerpause müssten die Rebellen zuerst die Waffen niederlegen, sagte ein Armeesprecher. Separatistenführer Alexander Sacharschenko drohte, sollte das Militär in Donezk einmarschieren, erlebe es dort sein "Stalingrad".

"Die Anti-Terror-Operation verläuft erfolgreich", die Stadt sei eingekesselt, sagte Andrej Lyssenko vom Sicherheitsrat in Kiew. Die Aufständischen hätten schwere Verluste erlitten. "Unter den Terroristen macht sich Panik breit. Wir hören von massiver Fahnenflucht - sie werfen die Waffen weg und wollen ihr nacktes Leben retten", behauptete er. Eine Feuerpause lehnte Lyssenko ab. Die Aufständischen würden keine praktischen Schritte unternehmen. "Das Hissen der weißen Fahne oder die Abgabe der Waffen: Das sind konkrete Handlungen", sagte er.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sprach angesichts rasant steigender Opferzahlen und einer zerstörten Infrastruktur von einer schwierigen humanitären Lage in den Separatistenhochburgen Donezk und Luhansk. Falls allerdings Russland wie beabsichtigt Hilfsgüter in das Konfliktgebiet schicken wolle, dürfe dies nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Ukraine geschehen, betonte er. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte, Moskau spreche mit der Ukraine und dem Internationalen Roten Kreuz über Lieferungen etwa von Medikamenten in das krisengeschüttelte Nachbarland. Die Führung in Kiew und der Westen verdächtigen Moskau, unter dem Deckmantel humanitärer Hilfe Soldaten zur Unterstützung der Aufständischen entsenden zu wollen.

Die Ukraine warnt seit Monaten vor angeblichen Einmarschplänen Russlands. Eine Kolonne von Armeefahrzeugen sei unter der Behauptung, humanitäre Güter zu transportieren, am Wochenende bis fast auf ukrainisches Gebiet vorgedrungen, hatte der Vizechef der Präsidialverwaltung in Kiew, Waleri Tschali, berichtet. "Sie wollten den totalen Konflikt provozieren", meinte er. Kremlsprecher Dmitri Peskow wies dies mit Nachdruck zurück.

US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel betonten, "dass jede russische Intervention, auch zu angeblichem humanitären Zweck, (...) zu zusätzlichen Konsequenzen führen würde". Das teilte das Weiße Haus in Washington nach einem Telefonat der beiden Politiker mit.

SC/ml (APE, dpa, afp)