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Aktuell Europa

Ukrainische Armee zieht Belagerungsring um Donezk enger

Die Lage für die Bevölkerung in den ostukrainischen Großstädten Luhansk und Donezk wird immer prekärer. Während die ukrainische Armee den Druck auf die Separatisten erhöht, verlassen immer mehr Einwohner Donezk.

Ein Armeesprecher in Kiew sagte, die Soldaten rückten auf die Außenbezirke von Donezk wie auch auf die Rebellenhochburg Luhansk vor. Das bedeute nicht, dass ein Angriff im Gang sei, sagte Andrii Lyssenko, Sprecher des nationalen Sicherheitsrats. Derzeit gehe es darum, "die Befreiung der Stadt vorzubereiten". Ein Reporter der Nachrichtenagentur afp berichtete von Kämpfen mit Aufständischen in der Nähe von Donezk. Aus Mariinka, einem südwestlichen Vorort von Donezk, waren regelmäßig Explosionen zu hören. Rauchsäulen stiegen auf. Das Bürgermeisteramt teilte mit, bei den nächtlichen Angriffen mit Mörsergranaten sei ein Elektrizitätswerk in der Nähe von Mariinka beschädigt worden. Etwa 50 Wohngebäude hatten dadurch keinen Strom mehr.

Die bisherige Strategie der Kiewer Führung besteht darin, die Separatisten in Donezk solange zu isolieren, bis ihre Ressourcen aufgebraucht sind. Außerdem sollen sie von der russischen Grenze abgeschnitten werden. Über diese gelangen nach Angaben der ukrainischen Behörden Waffen und Kämpfer zu den Aufständischen. Die ukrainische Armee versucht seit Wochen, die Rebellen aus ihren Hochburgen zu vertreiben. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden in dem Konflikt mehr als 1100 Menschen getötet und mehr als 3400 verletzt.

Kein Wasser in Luhansk

Für die Bewohner von Luhansk und Donezk verschlechtern sich die Lebensbedingungen. Nach wochenlangen Kämpfen seien in Luhansk etwa 250.000 Menschen ohne Wasser und Strom, teilten die örtlichen Behörden mit. Sie sprachen von einer "humanitären Katastrophe". Bei tagelanger Hitze habe auch die Müllabfuhr den Dienst eingestellt. Aus den beiden Rebellenhochburgen flohen nach UN-Angaben in den vergangenen zwei Wochen täglich 1200 Menschen vor den Gefechten.

Wegen der Kampfhandlungen verlassen immer mehr Menschen ihre Heimat und suchen Zuflucht in Russland. Seit Jahresbeginn sei ihre Zahl auf rund 730.000 gestiegen, teilten russische Behörden dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) mit. Hinzu kämen 117. 000 Menschen, die innerhalb der Ostukraine wegen der Kämpfe geflohen seien, sagte der Europa-Direktor des UNHCR, Vincent Chochetel, in Genf. Bei den russischen Einwanderungsbehörden hätten sich bislang 168.000 Ukrainer als Flüchtlinge registrieren lassen. Weit mehr würden sich offenbar dort aufhalten, ohne Flüchtlingsstatus zu beantragen. Unabhängige Möglichkeiten zur Überprüfung der russischen Angaben hat das UNHCR nach eigenen Angaben nicht.

Russischer Truppenaufmarsch

Russland stockt derweil seine Truppen an der Grenze zur Ukraine offenkundig weiter auf. Die "New York Times" berichtet unter Berufung auf westliche Regierungsvertreter, die Zahl der russischen Soldaten im Grenzgebiet habe sich fast verdoppelt. Demnach wurden in den vergangenen Wochen bis zu 17 Bataillone mit schätzungsweise 20.000 Soldaten im grenznahen Gebiet zusammengezogen. Die Zeitung spricht von einer "gefechtsbereiten Streitmacht" inklusive Infanterie, Artillerie und Luftabwehr.

Die russischen Einheiten könnten ohne weiteres und mit wenig Vorwarnung grenzüberschreitend aktiv werden. Die Ukraine sprach sogar von 45.000 russischen Soldaten an ihrer Grenze. Aus Moskau gab es dazu zunächst keinen Kommentar. Russland hatte zuletzt einen massiven Beschuss seiner Grenze von ukrainischem Territorium aus kritisiert. Dabei war mindestens ein Mensch getötet worden, mehrere Gebäude wurden zerstört.

NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen betonte die Geschlossenheit der westlichen Allianz. "Die NATO ist entschlossen, alle Verbündeten gegen jederlei Bedrohung zu verteidigen", sagte er im militärischen Hauptquartier der Allianz im belgischen Mons. Rasmussen verwies indirekt auf ein russisches Großmanöver, an dem sich bis zum 8. August zahlreiche Kampfjets und Hubschrauber beteiligen. Auch in NATO-Staaten hatte es im Zuge der Ukrainekrise Manöver gegeben.

kle/uh (afp, rtr, dpa)