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Fokus Osteuropa

Ukrainer bezweifeln Nutzen der EM

Trotz der Vorfreude auf den Fußball: Die Ukrainer sind skeptisch, dass die Europameisterschaft ihnen politisch und wirtschaftlich einen großen Nutzen bringt. Das zeigt der DW-Trend für die Ukraine.

Vor dem Olympiastadion Kiew ist ein übergroßer Fußball mit dem Logo der UEFA Euro 2012 aufgestellt (Foto: Jens Kalaene)

Vor dem Olympiastadion Kiew ist ein übergroßer Fußball mit dem Logo der UEFA Euro 2012 in Kiew in der Ukraine aufgestellt

Die Hälfte der Ukrainer (50 Prozent) freut sich auf die anstehende Fußball-Europameisterschaft im eigenen Land. Allerdings ist der Anteil derer, die der EM kritisch gegenüber stehen mit 32 Prozent relativ hoch. Die Ukrainer haben vor allem Zweifel am wirtschaftlichen Nutzen des sportlichen Großereignisses. Dies zeigt der aktuelle DW-Trend für die Ukraine. Dafür hat das ukrainische Büro des Meinungsforschungsinstituts IFAK repräsentativ 1.000 Personen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren in der Ukraine interviewt. Die Umfrage wurde in der zweiten Hälfte des Monats April durchgeführt.

Besonders groß ist die Vorfreude auf die EM unter den 18- bis 29-Jährigen. In dieser Altersgruppe geben 60 Prozent an, dass sie sich freuen. Am stärksten ausgeprägt ist die Vorfreude im Westen, an der Grenze zum Mitveranstalterland Polen, und im Zentrum der Ukraine (60 Prozent). Im Osten und Südosten der Ukraine sagen nur 44 Prozent, sie freuten sich auf die EM.

Weniger als die Hälfte der Ukrainer gehen davon aus, dass die Bevölkerung oder das Land insgesamt langfristig von dem Großereignis profitieren wird. Das betrifft insbesondere das Image der Ukraine in Europa. Zwar meinen 39 Prozent, dass sich das Image ihres Landes in Europa durch die EM verbessern werde. 31 Prozent glauben das hingegen nicht. Weitere 19 Prozent sagen, die EM habe gar keinen Einfluss auf das Ansehen der Ukraine. Stärker ist der Optimismus lediglich bei den 18- bis 29-Jährigen ausgeprägt. 51 Prozent der jungen Leute glauben, dass die Europameisterschaft positive Impulse für das Image der Ukraine bringen wird.

Große Hoffnung setzen die Ukrainer in die neu gebauten modernen Stadien und Flughäfen. Deren hohe Qualität werde sich positiv auf das Image auswirken, meinen 49 Prozent. Darüber hinaus hoffen viele Ukrainer, die europäischen Fußballfans für die ukrainische Kultur begeistern zu können. Dazu gehören Gastfreundschaft und Lebensfreude (30 Prozent) ebenso wie historische und kulturelle Sehenswürdigkeiten (29 Prozent).

Einen Imageschaden befürchten die Ukrainer vor allem durch zu hohe Preise und eine mangelhafte Qualität der Unterkünfte für die Fußballfans. Darüber wurde auch in europäischen Medien in den vergangenen Monaten viel berichtet. Im aktuellen DW-Trend sehen zwei Drittel der Befragten (65) Prozent in der Preistreiberei im ukrainischen Gaststättengewerbe mit weitem Abstand das größte Problem. Auch die Nutzerunfreundlichkeit öffentlicher Verkehrsmittel bereitet Sorge (32 Prozent). Immerhin jeder fünfte Ukrainer (22 Prozent) meint, die weitverbreitete Korruption im alltäglichen Leben könne dem Image des Landes schaden.

Die autoritären politischen Zustände im Land sehen nur wenige (7 Prozent) als eine Gefahr für das Image der Ukraine. Der niedrige Wert könnte darauf zurückzuführen seien, dass den Ukrainern bei der Befragung im April nicht bewusst war, wie sehr die politische Führung der Ukraine inzwischen in Europa wegen der einseitigen juristischen Verfolgung von Mitgliedern der früheren Regierung in der Kritik steht. Inzwischen sprechen sich viele europäische Länder sogar für einen politischen Boykott der EM aus, um gegen Menschenrechtsverletzungen in der Ukraine zu protestieren.

Nachhaltige wirtschaftliche Impulse, die dem Land auch langfristig zu Gute kommen könnten, erwarten die Ukrainer von der Europameisterschaft nicht. Mit 34 Prozent meint nur eine Minderheit der Befragten, dass die EM einen Modernisierungsschub im Land auslösen werde. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) glaubt das nicht. Fast Dreiviertel der Befragten (72 Prozent) glaubt auch nicht, dass sie persönlich einen Nutzen aus der EM ziehen werden. Lediglich 24 Prozent können der Veranstaltung einen persönlichen Nutzen abgewinnen.

Diese negative Einschätzung bezieht sich nicht nur auf das persönliche Lebensumfeld der Ukrainer. Lediglich elf Prozent meinen, die Wirtschaft des Landes werde von der EM profitieren. 13 Prozent glauben, dass die EM der ukrainischen Bevölkerung zu Gute kommt. Gewinner der EM wird aus Sicht der Ukrainer mit deutlichem Abstand die Politik sein: 47 Prozent sagen, dass die ukrainischen Politiker den wahren Nutzen aus der europäischen Großveranstaltung ziehen könnten.