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Fokus Osteuropa

Ukraine setzt auf Flüssiggas

Der Bau eines Terminals zum Import von Flüssiggas nahe Odessa hat begonnen. Kiew will so von russischen Gaslieferungen unabhängiger werden. Aber das Projekt allein sei kein Allheilmittel, meinen Experten.

Unterzeichnung des Abkommens mit den ausländischen Partnern in Kiew (26.11.2012) (Foto: DW)

Unterzeichnung des Abkommens mit den ausländischen Partnern in Kiew (26.11.2012)

Das künftige Flüssiggas-Terminal am Schwarzen Meer sei ein erster Schritt zur Energie-Unabhängigkeit des Landes. Das erklärte der ukrainische Premier Mykola Asarow am Montag (26.11 2012) anlässlich des Baubeginns in der Nähe der südukrainischen Stadt Odessa. Das LNG-Projekt (Liquid Natural Gas) werde es der Ukraine ermöglichen, ein unabhängiger Akteur auf dem Energiemarkt zu werden, glaubt Asarow.

Portrait von Mykola Asarow (Foto: REUTERS/Gleb Garanich)

Mykola Asarow spricht von einem ersten Schritt in Richtung Energie-Unabhängigkeit seines Landes

Über das Terminal will Kiew in Zukunft mit Tankern Flüssiggas auf dem Seeweg importieren. Umsetzen will die ukrainische Regierung das Projekt mit ausländischen Unternehmen. Unterzeichnet wurde ein Abkommen mit der amerikanischen Excelerate Energy LLC und der spanischen Gas Natural SDG, SA. Die Ukraine hält an dem Projekt einen Anteil von 25 Prozent plus eine Aktie. Die Baukosten belaufen sich auf insgesamt 846 Millionen Euro. Zeitgleich mit der Unterzeichnung des Abkommens mit den Partnern begann der Bau des ersten Teils des LNG-Projekts.

Diversifizierung der Gaslieferungen

Die erste Baustufe ist eine 65 Kilometer lange Pipeline. Sie wird das Flüssiggas-Terminal am Meer mit dem Gasleitungssystem der Ukraine verbinden. Danach wird eine schwimmende Plattform errichtet, auf der Flüssiggas in Gas umgewandelt werden soll. Deren Bau soll 2015 abgeschlossen sein. Die letzte Baustufe sieht ein Terminal an der Küste vor, wo große Tanker mit Flüssiggas entladen werden können. Das Terminal mit einer Kapazität von zehn Milliarden Kubikmetern pro Jahr soll 2018 in Betrieb gehen.

Das LNG-Projekt sei machbar und dessen Kosten vertretbar, meint Walerij Borowik. Er leitet die Lobbyorganisation "Allianz 'Neue Energie der Ukraine'". Die gesellschaftliche Initiative setzt sich für Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz ein. "Die Kapazitäten des Terminals werden es ermöglichen, die Gaslieferungen an die Ukraine zu diversifizieren und die Abhängigkeit vom russischen Monopol zu reduzieren", sagte der Energieexperte der DW. Kiew werde, so Borowik, über das künftige LNG-Terminal vor allem Flüssiggas aus Aserbaidschan importieren. Zudem plane die ukrainische Regierung Einkäufe auf Spotmärkten in Ägypten, Algerien, Nigeria, Katar und Turkmenistan.

Neuer Streit mit Moskau befürchtet

Logos des Projekts zum Bau des LNG-Terminals in der Ukraine (Foto: DW)

Beobachtern zufolge könnten ukrainische Oligarchen das Flüssiggas-Projekts noch stoppen

Ganz in trockenen Tüchern sei das LNG-Projekt noch nicht, glaubt Oleksandr Todijtschuk, Leiter des Kiewer "Q-Clubs". Dieser Plattform gehören ukrainische und ausländische Energie-Experten sowie Unternehmer an. Todijtschuk meint, die Führung in Kiew könnte das Projekt sogar noch stoppen. Er schließt nicht aus, dass Moskau mit Importbeschränkungen auf ukrainische Erzeugnisse auf den Bau des Flüssiggas-Terminals reagieren könnte. Die betroffenen ukrainischen Unternehmer könnten dann die Regierung in Kiew dazu drängen, das Terminal zum Gegenstand von Verhandlungen mit Russland zu machen. "Die Oligarchen wollen keinen Streit mit Moskau. Sie werden drohende Beschränkungen auf Exporte nach Russland verhindern wollen", sagte der Experte der DW.

Todijtschuk wirft der ukrainischen Regierung vor, sich bis vor kurzem nicht wirklich um eine Überwindung der Energieabhängigkeit von Russland gekümmert zu haben. "Erst nach dem Scheitern der Verhandlungen um eine Reduzierung des bestehenden Gaspreises hat die Regierung begonnen, die inländische Gasförderung zu erhöhen und sogar Gas aus Westeuropa zu importieren", so der Experte. Die Bemühungen, Gas durch inländische Kohle zu ersetzen, hätten nur teilweise Erfolg gehabt. Verstärkt unterstützt werden sollten deshalb Projekte zur Nutzung der Schiefergasvorkommen in der Ukraine. Zudem rät Todijtschuk der ukrainischen Regierung, noch viel stärker auf Energieeinsparungen zu setzen.

Experten: Kiew muss konsequent bleiben

"Die Bemühungen um eine Diversifizierung der Energiequellen kommen zehn bis 15 Jahre zu spät", beklagt Walerij Borowik. Weder die "orangenen" Regierungen noch die Regierungen unter Wiktor Janukowitsch hätten strategisch gehandelt. "Sie alle haben auf Almosen aus Russland gesetzt und versucht, sich in den undurchsichtigen Gasgeschäften zu bereichern", so der Experte.

Wenn die Ukraine von nun an aber tatsächlich ihre Energiequellen umfassend diversifizieren würde, könnte Russland zu Zugeständnissen beim Gaspreis bewegt werden, glauben die Energie-Experten Borowik und Todijtschuk. Die Ukraine müsste dann aber in ihrer Energiepolitik konsequent bleiben.

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