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Fokus Osteuropa

Ukraine/Polen: Aussöhnung und gemeinsame Ziele

Die Präsidenten Polens und der Ukraine haben im polnischen Pawlokoma eine Gedenkstätte für im Zweiten Weltkrieg getötete Ukrainer eingeweiht. Die Aussöhnung ist Voraussetzung für die heutige strategische Partnerschaft.

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Friedliche Verständigung zwischen Polen und Ukrainern

60 Jahre sind seit dem Konflikt zwischen Polen und Ukrainern im Westen der Ukraine und im Osten Polens vergangen, trotzdem ist dies auch heute noch ein empfindliches Thema. Das Dorf Pawlokoma nahe Przemysl ist ein Symbol für diesen Konflikt. Dort wurden während des Zweiten Weltkriegs hunderte Ukrainer getötet. Deren Gräber dienten noch vor zehn Jahren den Einwohnern des Dorfes als Müllhalde. Jetzt besteht die Chance, dass Pawlokoma zum Symbol der Aussöhnung zwischen beiden Völkern wird, denn die Präsidenten der Ukraine und Polens, Wiktor Juschtschenko und Lech Kaczynski, weihten dort eine Gedenkstätte für die getöteten Ukrainer ein.

Breite Unterstützung für Aussöhnung

Die meisten Bürger Polens unterstützen die ukrainisch-polnische Aussöhnung. Laut einer von der Gazeta Wyborcza in Auftrag gegebenen Umfrage sehen 74 Prozent der Polen den Akt der Aussöhnung in Pawkoloma positiv, anderer Meinung sind 14 Prozent. Vor allem polnische Nationalisten sind dagegen, dass Präsident Kaczynski den getöteten Ukrainern gedenkt. Der polnische Publizist Anatol Arciuch sagte in diesem Zusammenhang in einem Gespräch mit der Deutschen Welle: "Präsident Kaczynski ist als ehemaliges Mitglied der Liga Polnischer Familien in einer ungünstigen Lage. Diese Partei tritt offen gegen die polnisch-ukrainische Aussöhnung ein." Arciuch zufolge ist die Liga Polnischer Familien überzeugt, dass die ukrainische Seite sich dafür entschuldigen müsse, was zwischen Ukrainern und Polen während des Zweiten Weltkriegs geschah.

Gemeinsame außenpolitische Prioritäten

Zu den Beziehungen zwischen beiden Völkern sagte der Deutschen Welle der Leiter des ukrainischen Zentrums für Frieden, Konversion und Außenpolitik, Oleksandr Suschko: "Manchmal vernehmen wir noch heute das Echo jener Epoche und spüren die Notwendigkeit, eine friedliche Verständigung über jene historischen Ereignisse zu erreichen. Es ist klar, dass dies nicht der Hauptinhalt der bilateralen Beziehungen ist, aber wie auch schon unter den Vorgänger-Regierungen in der Ukraine und Polen, wird auch heute diesem Thema große Aufmerksamkeit gewidmet."

Hauptinhalt der ukrainisch-polnischen Beziehungen ist heute die strategische Partnerschaft, die auf gemeinsamen nationalen Interessen und Prioritäten in der Außenpolitik beider Staaten beruht. Einer der Hauptpunkte der gemeinsamen Interessen ist die Erweiterung der EU und NATO über die östlichen Grenzen Polens hinweg. Suschko sagte dazu: "Die Ukraine wird zum Hauptgegenstand einer solchen Politik Polens, eines Landes, das die Rolle einer regionalen Führungsmacht in Osteuropa übernimmt und den Inhalt der EU-Ostpolitik mitbestimmt. Kiew ist natürlich auch daran interessiert, auf seinem Weg zur EU- und NATO-Mitgliedschaft Polen einzubeziehen."

Polen als Anwalt der Ukraine

Der polnische Publizist Arciuch meint, man müsse den Einfluss Russlands in der Region berücksichtigen und beobachten, ob Polen tatsächlich Anwalt der Ukraine in ihrem Bemühen, EU- und NATO-Mitglied zu werden, sein könne. In seiner jüngsten Jahresansprache vor der Föderalen Versammlung Russlands habe Präsident Wladimir Putin zu verstehen gegeben, dass Moskau eine wichtige Macht in der internationalen Arena sein wolle und eine Einmischung in seine inneren Angelegenheiten nicht dulden werde. Dies könnte, so Arciuch, die Europäer abschrecken, wegen ihrer Abhängigkeit von russischen Energielieferungen. Er unterstrich: "Die Erklärungen Polens zugunsten eines EU-Beitritts der Ukraine waren nicht gerade laut. Ich denke, Warschau kann der Ukraine eher auf ihrem Weg in die NATO helfen, weil die USA daran interessiert sind, einen Verteidigungswall um Russland herum zu errichten. Polen wird in dieser Frage größeren Einfluss haben, weil dessen Stimme in der NATO größeres Gewicht hat als in der EU." Der ukrainische Experte Suschko meint, die Möglichkeiten Polens in der europäischen Arena seien mit denen Deutschlands, Frankreichs oder Großbritanniens nicht vergleichbar. Aber wie dem auch sei, Polen gehöre zu den sechs größten EU-Staaten und deswegen werde Warschaus Stimme auf jeden Fall gehört.

Chrystyna Ostaschewska, Wolodymyr Prjadko
DW-RADIO/Ukrainisch, 14.5.2006, Fokus Ost-Südost

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