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Europa/Zentralasien

Ukraine: Kick-Off für Medienschule im Netz

Der Countdown läuft: Am 20. Februar starten die ersten Journalisten an der Ukrainian Media E-School ihre Seminare. DW Akademie-Projektmanagerin Olena Ponomarenko hat das Schulkonzept mitentwickelt.

Olena Ponomarenko, Projektmanagerin für die Ukraine der DW Akademie (Foto: Elena Singer)

Olena Ponomarenko, Projektmanagerin für die Ukraine der DW Akademie

Die künftige Ukrainian Media E-School bietet berufstätigen Journalisten und Medienmanagern in den Regionen außerhalb der großen Städte ein umfangreiches Weiterbildungskonzept. Die Ausbildung ist unterteilt in zwei fünfmonatige Programme zu Journalismus und Medienmanagement. Jedes Programm besteht aus mehreren thematischen Modulen - beispielsweise Investigativer Journalismus, Social Media oder Datenjournalismus -, die in einer Kombination aus Online- und Präsenzunterricht vermittelt werden.

Warum braucht die Ukraine eine Media E-School?
Olena Ponomarenko: Für Medienschaffende gibt es kaum Möglichkeiten, sich neben dem Beruf weiterzubilden. Nahezu jede ukrainische Universität hat eine journalistische Fakultät, aber die Qualität der Ausbildung lässt zu wünschen übrig. In den Redaktionen arbeiten sehr viele junge Leute, allerdings sind fast 70 Prozent Quereinsteiger. Es gibt zwar kurze Trainings für Journalisten, die von internationalen Organisationen durchgeführt werden. Aber sie sind oft punktuell und berücksichtigen kaum die Bedürfnisse dieser Gruppe. Die bisher einzige systematische und recht angesehene Fortbildung für Journalisten, die vom ukrainischen Oligarchen Rinat Achmetow finanziert wurde, hat ihre Arbeit aus finanziellen Gründen eingestellt.

Wie sehen die Seminare der Media E-School konkret aus?
Das Konzept baut auf einer Kombination von Online- und Präsenzunterricht auf, dem sogenannten "Blended Learning". Das ist zeitlich flexibel, kostengünstig und ermöglicht effektives Lernen. Ungefähr 80 Prozent des Angebots wird über Distanzunterricht realisiert. Zu Beginn gibt es zweitägige Workshops in Kiew, anschließend gehen die Journalisten mit Aufgaben zurück in ihre Heimatstädte. Jede Woche gibt es Webinare, Tests und Video-Lektionen. Zu bestimmten Zeiten sind die anderen Studenten online und es kann ein direkter Austausch über den Chat erfolgen. Außerdem geben alle Dozenten zu den erledigten Aufgaben intensives Feedback per E-Mail.

Wer sind die Dozenten?
Von Anfang an war für den Projektträger, den ukrainischen Medienverband Independent Association of Broadcasters (IAB), und für uns klar, dass wir mit lokalen ukrainischen Trainern arbeiten müssen, um die E-School zu verwurzeln und sie nachhaltig zu machen, aber auch um sicherzustellen, dass wir nicht an den Bedürfnissen der regionalen Medienschaffenden vorbei arbeiten. So hat IAB für das Journalismus-Programm vier ukrainische Dozenten ausgewählt. Sie alle bringen viel Erfahrung in der Arbeit mit regionalen Medien mit, sie sind jung und unglaublich motiviert. Zum Beispiel Denis Bigus. Er ist Sonderkorrespondent und Moderator der sehr erfolgreichen investigativen Sendung "Naschi Hroschi" ("Unser Geld"). Er wird das Modul Investigativer Journalismus übernehmen. Ein anderer Trainer, Myhailo Koltsov, arbeitet für die Initiative "stopfake", die sich für die Enttarnung falscher Informationen und Propaganda rund um den Ukraine-Konflikt einsetzt.

Welches Ziel verfolgt die DW Akademie mit der E-School?
Das Ziel dieses Projektes besteht darin, durch Professionalisierung der Medienschaffenden das Informationsangebot für die ukrainische Bevölkerung außerhalb der Hauptstadt und anderer Großstädte zu verbessern. Abgesehen vom Krieg im Osten der Ukraine steckt das Land in einem tiefen und höchst komplizierten Reform- und Modernisierungsprozess. Um weitere gravierende gesellschaftliche und politische Spannungen zu vermeiden, muss dieser Prozess transparent und unter Beteiligung der Öffentlichkeit stattfinden. Den Medien kommt dabei eine entscheidende Rolle zu: Sie sollen objektive und vielfältige Informationen liefern und ihre Rolle als Mittler zwischen Staat und Menschen erfüllen sowie eine Plattform für gesellschaftlichen Dialog bieten. Nur so kann die Teilhabe der Bevölkerung am politischen Prozess sichergestellt werden. Die E-School soll durch die Stärkung des lokalen unabhängigen Journalismus einen Beitrag dazu leisten.

Was bedroht den freien Journalismus in der Ukraine momentan am meisten?
Ich sehe hier drei wichtige Faktoren: erstens die physische Sicherheit von Journalisten. Im vergangenen Jahr wurden sechs ukrainische Journalisten während der Maidan-Geschehnisse und während des Krieges im Osten der Ukraine getötet. Zweitens wurden weder die ukrainischen Journalisten noch der ukrainische Staat auf den Informationskrieg mit Russland vorbereitet. Dies hat zur Folge, dass das Selbstverständnis von Journalisten in Frage gestellt wird und grundlegende journalistische Standards nicht eingehalten werden. Aus Patriotismus oder aufgrund der eigenen gesellschaftlichen Position neigen viele Journalisten dazu, wichtige Informationen, die gegen die eigene Position sprechen, zu verschweigen. Der dritte Faktor ist die aktuelle wirtschaftliche Krise, die zur Schließung vieler unabhängiger Medien und zur Abhängigkeit von "potenten Geldgebern" führen kann.

Wie sieht die Mediennutzung in der Ukraine derzeit aus?
Tendenziell nimmt der Einfluss des Internets, auch in den ländlichen Regionen der Ukraine, als wichtige Informationsquelle zu. Das ist sicherlich ein Verdienst des Maidan. Denn im Zuge dieser Entwicklungen hat sich eine deutliche Nachfrage nach glaubwürdigem und kritischem Journalismus in der Gesellschaft entwickelt. Nichtsdestotrotz bleibt Fernsehen das Leitmedium und die wichtigste Informationsquelle für mehr als 90 Prozent der Bevölkerung. Radio fungiert leider als reines Unterhaltungsmedium.

Mit welchen Herausforderungen für die Ukrainian Media E-School rechnet die DW Akademie?
Wir sind gespannt, wie das E-Learning als Unterrichtsform ankommt, ob die Teilnehmer und Teilnehmerinnen dran bleiben. Außerdem hat sich die wirtschaftliche Situation in der Ukraine gerade in den letzten Monaten drastisch verschlechtert - wenn Medienhäuser aus finanziellen Gründen dicht machen, haben sie natürlich kein Interesse an Fortbildungsmaßnahmen. Wir sind aber dennoch optimistisch, denn auch in der Ukraine gibt es immer mehr Blogger und erfolgreiche selbstständige Journalisten, für die die Angebote der E-School perfekt passen.

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01_02_2012 Themenbild für Newsletter Ansprechpartner für weitere Verwendungszwecke: Sabrina.Tost@dw-world.de

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