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Fokus Osteuropa

Ukraine: Gedenken zum 65. Jahrestag von Babyn Jar

Um der Opfer zu gedenken, die vor 65 Jahren von den Nationalsozialisten in Babyn Jar ermordet wurden, kamen Delegationen aus 40 Ländern nach Kiew. Sie nahmen auch an dem Forum "Let my people live!" teil.

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Vor 65 Jahren, am 29. September 1941, dem jüdischen Festtag Jom Kippur, begannen die Nationalsozialisten im besetzen Kiew in der Schlucht Babyn Jar mit Massenerschießungen von Juden. In zwei Tagen wurden dort 33.770 Menschen erschossen. Mehr als zwei Jahre lang wurden in Babyn Jar Menschen erschossen. Opfer wurden neben Juden auch Zivilisten, Kriegsgefangene, Geiseln und ukrainische Nationalisten. Auf dem Friedhof liegen Schätzungen zufolge mehr als 150.000 der Ermordeten begraben.

Gebete aller Konfessionen

Am Mittwoch (27.9.) begann in der Kiewer Oper das internationale Forum "Let my people live!". Auf Einladung des ukrainischen Präsidenten Wiktor Juschtschenko nahmen an dem Forum die Präsidenten Israels, Kroatiens, Montenegros sowie die Parlamentspräsidenten Aserbaidschans und Russlands teil. Andere Länder waren mit Ministern oder Botschaftern vertreten.

Das Forum begann mit einer offiziellen Gedenkveranstaltung an dem noch zu Sowjetzeiten errichteten Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Babyn Jar. Zur Gedenkveranstaltung kamen auch der ehemalige ukrainische Präsident Leonid Kutschma, der russische Botschafter Wiktor Tschernomyrdin sowie das ehemalige polnische Staatsoberhaupt Aleksander Kwasniewski.

Juschtschenko selbst hielt bei der Zeremonie am Denkmal für die Opfer von Babyn Jar keine Ansprache. Gemeinsam mit den Gästen aus verschiedenen Ländern und der höchsten ukrainischen Staatsführung stellte er am Denkmal Kerzen auf. Danach erklangen in Babyn Jar Gebete aller Konfessionen in verschiedenen Sprachen.

Parallelen zwischen Holocaust und Holodomor

Bei der Eröffnung des Forums in der ukrainischen Nationaloper unterstrich Präsident Juschtschenko, Babyn Jar sei ein Ort, an dem die Faschisten mehr als 100.000 Menschen verschiedener Nationalität getötet hätten. Er bezeichnete die absolute Missachtung des menschlichen Lebens als ein Merkmal nicht nur des Nazi-Regimes, sondern des gesamten 20. Jahrhunderts, und zog Parallelen zwischen dem Holocaust der Juden im Zweiten Weltkrieg und dem Holodomor der Ukrainer, der vom Moskauer Regime auf dem Territorium der Ukraine organisiert worden sei.

Der israelische Präsident Mosche Katzav sagte in seiner Rede, man dürfe nicht vergessen und könne den Organisatoren und Helfern des Holocausts nicht verzeihen. Er hob die wichtige Rolle der Menschen hervor, die Juden vor der Ermordung in Babyn Jar gerettet hatten.

Neues Gedenk-Zentrum geplant

Vor fünf Jahren hatte Leonid Kutschma während des Gedenktages in Babyn Jar den Grundstein für das künftige Gedenk-Zentrum "Erbe" gelegt. In der Öffentlichkeit entbrannte daraufhin eine heftige Debatte, ob an jenem Ort überhaupt etwas gebaut werden sollte. Heute steht die Antwort fest: Aus einer Kiewer Bauruine soll nun

das Zentrum entstehen. Sponsoren erwarben die Bauruine für die jüdische Gemeinde, aber die Dokumente irren immer noch durch die Kiewer Amtsstuben.

Dies entmutigt die Enthusiasten aber nicht. Der oberste Rabbiner von Kiew und der Ukraine, Yaakov Dov Bleich, erklärte, es sei bereits eine Stiftung gegründet worden, die Geld für den Bau sammele: "Mit Gottes Hilfe werden wir hoffentlich in fünf Jahren, wenn wir 70 Jahre Babyn Jar begehen werden, oder in zwei bis drei Jahren dort ein Denkmal haben, um diesen Ort zu ehren."

Die Bemühungen der jüdischen Gemeinde werden von Präsident Juschtschenko unterstützt. Vor einem Jahr gab er in Auftrag, die Einrichtung eines staatlich geschützten Geschichts- und Kulturzentrums Babyn Jar zu prüfen.

Sachar Butyrskyj, Oleksandr Sawyzkyj, Kiew
DW-RADIO/Ukrainisch, DW-RADIO/Russisch, 27.9.2006, Fokus Ost-Südost