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Fokus Osteuropa

Ukraine: Ein Kandidat namens "Gegen alle"

Bei diesem Präsidentschaftskandidaten ist der Name Programm: Wasyl Protywsich, zu deutsch "Gegen alle", will neben 17 anderen zur Wahl antreten. Entgegen aller Prognosen glaubt er an einen Sieg.

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Wahlplakat "Gegen alle"

Wasyl Protywsich stammt aus dem Dorf Oleschkiw im Gebiet Iwano-Frankiwsk. Als unabhängiger Kandidat tritt er am 17. Januar 2009 an. Bis zur amtlichen Änderung seines Nachnamens in Protywsich, hieß er Humenjuk. Hintergrund des kuriosen Namens ist der ukrainische Wahlzettel. Auf diesem Dokument haben die Wähler die Möglichkeit, das Feld "Gegen alle" anzukreuzen. Darauf spielt Protywsich alias Humenjuk an. Derzeit leitet er in Iwano-Frankiwsk die Industrie- und Handelskammer, aber schon im nächsten Jahr will er ein viel höheres Amt bekleiden - das des Staatsoberhaupts.

Bei der Zentralen Wahlkommission reichte er alle dafür notwendigen Unterlagen ein. Die nötige Gebühr in Höhe von 2,5 Millionen Hrywnja, mehr als 200.000 Euro, hat er überwiesen. Nach einer genauen Prüfung durch die Wahlkommission erhielt er die Zulassung als Präsidentschaftskandidat. Und nun stürzt er sich in seinen Wahlkampf. "Mein Hauptmotto lautet: Ukraine ohne ‚Ja‘ und ‚Ju‘", erklärte Protywsich, und meint damit die Kandidaten Wiktor Janukowytsch und Julija Tymoschenko. Er sagte, er werde keinen Kandidaten in der Stichwahl unterstützen, weil er davon ausgehe, schon in der ersten Wahlrunde selbst zu siegen.

Der Präsidentschaftskandidat Protywsich verspricht, seiner Ansicht nach überflüssige Steuern abzuschaffen und die Ukraine in eine Schweiz Osteuropas zu verwandeln. Protywsich möchte soziale Projekte fördern – an oberster Stelle ein Programm zum Schutz des Lebens und der Umwelt.

Alles nur Wahlkampf-Taktik?

Den Sieg bei der Wahl soll ihm sein ungewöhnlicher Nachname "Gegen alle" verschaffen. Der Name spiegele die Stimmung der meisten Ukrainer wider, meint der Kandidat. Soziologen glauben allerdings, dass nur etwa zehn Prozent der Wähler "Gegen alle" stimmen wollen.

Der Vorsitzende der Nichtregierungsorganisation Wählerkomitee der Ukraine, Oleksandr Tschernenko, ist fest überzeugt, dass der Kandidat Protywsich keine Chance hat, ein respektables Wahlergebnis zu erzielen. Er vermutet hinter der kuriosen Kandidatur Wahlkampf-Strategen einen der etablierten politischen Kräfte. Aber Erfahrungen vergangener Wahlen hätten gezeigt, dass solche Tricks nicht funktionierten, so Tschernenko. Er rechnet damit, dass der Kandidat "Gegen alle" bestenfalls auf 0,1 Prozent der Stimmen kommt. Die Hoffnung der Strategen, dass die Wähler den Kandidatennamen Protywsich versehentlich ankreuzen, weil sie gegen alle stimmen wollen, sei vergeblich.

Favoriten distanzieren sich

Unterdessen streiten die Favoriten im Wahlkampf jegliche Beteiligung am "Projekt Protywsich" ab. Der Block Julija Tymoschenko teilte mit, die Vertreter des Parteienbündnisses in der Zentralen Wahlkommission hätten der Zulassung eines solchen Präsidentschaftskandidaten nicht zugestimmt. Bei der Partei der Regionen ist man der Meinung, dass die politischen Gegner den Fall Protywsich später dazu nutzen werden, das Wahlergebnis anfechten zu können.

Unterdessen zeigt sich Wasyl Protywsich siegessicher. Als sein politisches Vorbild betrachtet er den belarussischen Präsidenten Aleksandr Lukaschenko. Protywsich sagte, Lukaschenko habe man seinerzeit auch belächelt, als er kandidiert habe, aber er habe für Ordnung in seinem Land gesorgt.

Autorin: Lilija Rscheutska / Markian Ostaptschuk
Redaktion: Birgit Görtz

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