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Aktuell Europa

Ukraine dreht den Aufständischen in Luhansk den Strom ab

Der Gashahn ist schon seit 2015 zu, nun hat Ukrenergo auch die Stromversorgung der Rebellenstadt im Donbass unterbrochen. Doch die Aufständischen konnten die Energielücke offenbar mit Hilfe Russlands schließen.

Der Eingang des E-Werks in der Stadt Schtschastja, das große Teile von Luhansk mit Strom versorgt (Foto: picture alliance/dpa/J.A.Nicolas)

Der Eingang des E-Werks in der Stadt Schtschastja, das große Teile von Luhansk mit Strom versorgt

Die Ukraine hat die Stromversorgung der von Rebellen kontrollierten Gebiete in der östlichen Provinz Luhansk vollständig eingestellt. Die Belieferung der "zeitweise unkontrollierten Teile von Luhansk" sei in der Nacht zum Dienstag beendet worden, teilte der Chef des Staatsunternehmens Ukrenergo, Wsewolod Kowaltschuk, im Online-Netzwerk Facebook mit. Kiew wirft den prorussischen Aufständischen dort vor, Energielieferungen im Wert von umgerechnet 90 Millionen Euro nicht bezahlt zu haben. Die Gasversorgung von Luhansk durch die Ukraine war bereits 2015 unter Hinweis auf unbezahlte Rechnungen gekappt worden.

Die Rebellen hoben hervor, der Lieferstopp wirke sich praktisch kaum aus, weil es sofort Energielieferungen aus Russland gegeben habe. Der Katastrophenschutzminister der selbsternannten Rebellen-Regierung in Luhansk, Sergej Iwanuschkin, erklärte, in den größten Städten der Provinz sei der Stromausfall bereits nach weniger als 40 Minuten beendet worden, weil die Rebellen auf "eigene Ressourcen" zurückgegriffen hätten. Moskau bestätigte, dass es mit Energielieferungen ausgeholfen habe. Der Kreml warf Kiew vor, alles zu tun, "um sein Territorium loszuwerden".

"Das beweist ein Mal mehr, dass wir nicht ein Volk sind"

Rebellenführer Igor Plotnizki erklärte, der Energie-Lieferstopp habe die letzten Verbindungen zwischen den Rebellengebieten in Luhansk und dem Rest der Ukraine gekappt. "Das war die letzte Nabelschnur, die uns mit ihrem Territorium verband", sagte er laut einer Nachrichten-Website der Rebellen. "Das beweist ein Mal mehr, dass wir nicht ein Volk sind."

2014 hatten die prorussischen Aufständischen weite Teile von Luhansk und der größeren Nachbarprovinz Donezk besetzt. In beiden Regionen leben insgesamt knapp vier Millionen Menschen, also etwa ein Zehntel der ukrainischen Bevölkerung. Die Ukraine verhängte im Gegenzug schon mehrfach wirtschaftliche Blockaden der Separatistengebiete.

Lamberto Zannier, der Generalsekretär der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, in Moskau (Foto: picture alliance/abaca)

Lamberto Zannier, der Generalsekretär der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, in Moskau

OSZE: Tod des Beobachters aus den USA schnell aufklären  

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) forderte unterdessen nach dem Tod eines Mitglieds der Beobachtermission in der Ostukraine eine vollständige Aufklärung. "Wir wollen schnell Klarheit darüber haben und die Schuldigen zur Verantwortung ziehen", sagte OSZE-Generalsekretär Lamberto Zannier in Moskau der Agentur Interfax zufolge. Ursprünglich war geplant, dass Zannier drei Tage in der russischen Hauptstadt bleibt. Wegen des Vorfalls werde er jedoch seine Reise "auf ein Minimum" verkürzen, sagte der OSZE-Generalsekretär. Der russische Außenminister Sergej Lawrow betonte, Moskau werde auf einer transparenten und objektiven Untersuchung bestehen. Die Sicherheitsmaßnahmen für OSZE-Mitarbeiter sollten verstärkt werden.

Erstmals war am Sonntag ein OSZE-Mitarbeiter beim Einsatz in einem von prorussischen Separatisten kontrollierten Gebiet getötet worden. Das Auto der Beobachter war im Gebiet Luhansk auf eine Mine gefahren und vollständig zerstört worden. Ein Amerikaner wurde getötet, eine Deutsche und ein Tscheche erlitten Verletzungen. Daraufhin war die Beobachtermission vorübergehend ausgesetzt worden, am Dienstag sollte sie teilweise wieder aufgenommen werden.

sti/kle (afp, dpa, rtr)