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Fokus Osteuropa

Ukraine: Donau-Schwarzmeer-Kanal weiter umstritten

Seit gut zwei Jahren verbindet ein umstrittener Kanal die Donau mit dem Schwarzen Meer – auf Kosten der Umwelt, sagen Naturschützer. Sie fürchten, dass das Donaudelta nun seinen Status als Naturdenkmal verlieren könnte.

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Der Kanal durch das Naturreservoir des Donaudeltas

Ökologen kämpfen schon lange in der Ukraine gegen den umstrittenen Donau-Schwarzmeer-Kanal, der auch Bystre-Kanal genannt wird. Er führt mitten durch das Naturreservoir des Donaudeltas. Biologen befürchten deshalb eine Senkung des Wasserspiegels und irreparable Schäden an der einzigartigen Flora und Fauna. Es gab zahlreiche Proteste von Seiten der rumänischen Regierung, der Europäischen Union, der USA sowie zahlreicher Umweltschutzorganisationen. Doch die ukrainische Regierung hielt an ihren Plänen fest, der Kanal wurde am 27. August 2004 eröffnet.

Befürchtungen bestätigt

Inzwischen haben sich die Befürchtungen ukrainischer und ausländischer Experten bestätigt. Der Direktor des Kiewer "Ökologie-Kulturzentrums", Borejko, sagte der Deutschen Welle, der Kanal habe tatsächlich zu großen Umweltschäden geführt. Er unterstrich ferner, dass sich die Strömung in der Mündung des Flusses Schwydka verändert habe. Brutplätze von Vögeln seien vernichtet worden wie auch der Lebensraum von Fischen. Außerdem habe die Schadstoff-Konzentration in der Donau zugenommen.

Neue Vorwürfe

Ukrainische Umweltschützer erklären nun, der vor drei Jahren gebaute erste Abschnitt des Donau-Schwarzmeer-Kanals sei wirtschaftlich unrentabel. Ihnen zufolge konnte der Kanal nicht einmal drei Jahre genutzt werden. Schon heute sei er wegen Verschlammung und Versandung für die Schifffahrt ungeeignet. Seit April diesen Jahres habe kein einziges Schiff den Donau-Schwarzmeer-Kanal passiert, betonte der Direktor des Kiewer "Ökologie-Kulturzentrums", Wolodymyr Borejko gegenüber der Deutschen Welle. Er sagte, für den Bau der Wasserstraße seien mehr als umgerechnet 15 Millionen Euro ausgegeben worden, während die Einnahmen durch die Nutzung des Kanals kaum eine Million Euro erreicht hätten.

Verstoß gegen Gesetze

Die Leiterin der Rechtsabteilung der Organisation "Ökologie-Recht-Mensch", Olha Melen, teilte mit, beim Bau des Kanals sei gegen mehrere Gesetze der Ukraine sowie gegen sieben internationale Konventionen verstoßen worden. Dies habe zur Folge, dass die UNESCO im Oktober möglicherweise dem Donau-Umweltschutzgebiet den Status eines Naturdenkmals aberkennen werde. "Es gibt Dokumente, aus denen hervorgeht, dass kein Business-Plan zu dem Projekt vorliegt. Das betont auch das Verkehrsministerium in seinen Briefen an uns. Also kann man davon ausgehen, dass niemand genau weiß, ob das Projekt überhaupt notwendig war", sagt Frau Melen.

Ukraine hält an Projekt fest

Noch Anfang dieses Sommers hatte der stellvertretende Umweltminister Anatolij Hryzenko erklärt, der Bau des Kanals werde fortgesetzt. Dies bedrohe keinesfalls die Naturschutzgebiete in Rumänien oder in anderen Nachbarländern. Auch auf das ukrainische Donau-Naturschutzgebiet werde sich der Weiterbau kaum auswirken. Hryzenko unterstrich, dass eine Kommission internationaler Experten diese Einschätzung teile: "Heute gibt es allen Grund, damit zu beginnen, das Kanalbau-Projekt umzusetzen. Es liegt ein staatliches Gutachten vor. Wenn die Laichzeit vorbei ist und die Mittel gewährt werden, wird das Verkehrsministerium sich dieser Frage annehmen."

Umweltschützer fordern Informationen

Um der seit Jahren dauernden Diskussion in der Ukraine und im Ausland ein Ende zu setzen, schlug der Aktivist der Koalition "Für wilde Natur", Oleh Lystopad, vor, die Positionen aller Seiten öffentlich zu machen. Dem Umweltschützer zufolge sind vor allem die heimlichen Beschlüsse und heimlichen Gutachten für den andauernden internationalen Skandal verantwortlich: "Es muss endlich die Wahrheit über den Kanal ans Licht kommen. Ich schlage Anhörungen zu diesem Problem vor, von Bürgern und im Parlament. Die Versuche, die Öffentlichkeit irrezuführen, müssen aufhören", so der Umweltaktivist.

Oleksandr Sawyzkyj, Kiew
DW-RADIO/Russisch, 13.9.2006, Fokus Ost-Südost