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Europa

Ukraine auf dem Weg in NATO und EU

Die Ukraine marschiert stramm auf West-Kurs. In spätestens neun Jahren sieht ihr Außenminister Boris Tarasjuk das Land als Mitglied von NATO und Europäischer Union. Erste Schritte seien schon 2008 zu erwarten.

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Will bald ein Assoziierungsabkommen mit der EU unterschreiben: Boris Tarasjuk

DW-WORLD.DE: Herr Tarasjuk, die Ukraine möchte der Europäischen Union (EU) und der NATO beitreten. Wann kann man Sie dort als Mitglied begrüßen?

Boris Tarasjuk: Wenn sich die heutigen Tendenzen in der Allianz weiter entwickeln, dann kann ich prognostizieren, dass die Ukraine vielleicht schon im Jahr 2008 zu den Beitrittsverhandlungen mit der NATO eingeladen wird.

Während die NATO uns gegenüber immer schon die Politik "der offenen Türen" geführt hat, sieht es mit der EU ein bisschen anders aus. Keiner hat offiziell der Ukraine den Eintritt in die EU verweigert, aber keiner hat auch die Dinge bei ihrem rechten Namen genannt und gesagt: Ja, laut Amsterdam-Vertrag und wenn sie sich den Standards entsprechend anpasst, hat auch die Ukraine das Recht, ein EU-Mitglied zu werden.

Wir arbeiten aktiv an der Durchführung des Aktionsplanes "EU – Ukraine", der für drei Jahre entwickelt wurde. Die letzten Verhandlungen über diesen Plan fanden am 1. Dezember in Kiew statt und haben gezeigt, dass unsere Partner in der Europäischen Union den Fortschritt bei der Durchführung dieses Planes sehr positiv einschätzen.

Ich glaube, bis zum Jahr 2008 sollten wir ein Assoziierungsabkommen mit der Mitgliedschafts-Perspektive unterschreiben. Wenn es tatsächlich so läuft, dann denke ich, kann die Ukraine bis Mitte 2015 mit dem EU-Beitritt rechnen.

Kann die Ukraine der Europäischen Union Initiativen im Energie-Bereich anbieten?

In jüngster Zeit wird immer wieder vergessen, dass mehr als 80 Prozent der Russischen Gas-Exporte in die EU-Länder über das ukrainische Territorium laufen. Auch wenn man den Bau der Nordeuropäischen Gaspipeline (NEGP) berücksichtigt, wird die Ukraine trotzdem ein Monopolist bleiben. Die NEGP wird in der Lage sein, 25, höchstens 27 Milliarden Kubikmeter Gas liefern, dabei steigt der Gas-Bedarf der EU jährlich um 20 Milliarden Kubikmeter. Die Ukraine ist deshalb als Bestandteil eines einheitlichen Energiesystems der EU nicht wegzudenkenden.

Am 1. Dezember wurde hier, in Kiew, eine Absichtserklärung für die Kooperation in der Energiepolitik unterschrieben. Wir befinden uns im Moment in der Realisierungsphase von verschiedenen Projekten. So bietet die Ukraine zum Beispiel eine alternative Strecke für die Öllieferung aus der kaspischen Region durch die von uns gebaute Pipeline "Odessa-Brody" an. Und die EU scheint ein großes Interesse daran zu haben. Auch für die Gas-Lieferungen aus Zentralasien über eine alternative Strecke ist die Ukraine bereit zusammen zu arbeiten.

Je mehr alternative Energiequellen verfügbar sind, desto sicherer kann Europa sein, was die Energiesicherheit angeht. Der Januar 2006 (der Streit über Öllieferungen zwischen Russland und der Ukraine, Anm. d. Red. / s. Link unten) hat uns allen gezeigt, dass man im Energie-Bereich nicht abhängig sein darf.

Wie sehen Sie die geopolitische Rolle der Ukraine?

Die "orangene Revolution" hat eine starke Anregung zu einer innenpolitischen Umwandlung und einer qualitativen Änderung der bürgerlichen Gesellschaft in unserem Land gegeben. Es hat gereicht, einige Korrekturen in dem außenpolitischen Kurs der alten Regierung vorzunehmen, Europa und der Welt als ganz anderer Partner zu erscheinen. Die Ukraine hat sich nach und nach zum regionalen Führer mit einer klaren und aktiven Außenpolitik entwickelt. Eines der Ergebnisse dieser Politik ist die erfolgreiche Durchführung des Forums "Gemeinschaft der demokratischen Wahlen", sowohl auch die Belebung und die Transformation von GUAM (Sicherheitsallianz der vier GUS-Staaten Georgien, Ukraine, Aserbaidschan und Moldawien, Anm. d. Red). Diese wird während des Gipfel-Treffens in Kiew am 22. und 23. Mai in eine vollwertige internationale Regionalorganisation umgewandelt.

Das Interview führte für DW-WORLD.DE Sergej Morozow, Chefredakteur der Presseagentur "Natsionalnyje Interesy".

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