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Fokus Osteuropa

Ukraine: Abkühlung im Verhältnis zu Europa

Die meisten Ukrainer rechnen mit einer Verschlechterung der Beziehungen ihres Landes zur EU und zu Deutschland. Trotzdem sind sie weiterhin mehrheitlich für einen EU-Beitritt und teilen wichtige politische Ziele der EU.

Eine Fanhe der Europäischen Union hinter einer Deutschlandfahne (Foto: Arno Burgi dpa/lsn)

Symbolbild Deutschland Europa Flagge

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Kritik an den demokratischen und rechtsstaatlichen Defiziten in der Ukraine hat sich das Verhältnis zwischen Kiew und Brüssel auch aus Sicht der ukrainischen Bürger merklich abgekühlt. Das zeigt der aktuelle DW-Trend für die Ukraine im Monat Juni. Dafür hat das Meinungsforschungsinstitut IFAK Ukraine im Auftrag der Ukrainischen Redaktion der Deutschen Welle repräsentativ 1000 Personen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren in der gesamten Ukraine befragt.

So sank der Anteil der Ukrainer, die das Verhältnis zwischen ihrem Land und der Europäischen Union mit freundschaftlich oder partnerschaftlich bewerten, auf insgesamt nur noch 15 Prozent. Dies ist ein drastischer Rückgang um 32 Prozentpunkte gegenüber dem DW-Trend vom April 2011. Aktuell halten 37 Prozent die Beziehungen zur EU für angespannt oder gar verfeindet. Ein Drittel der Ukrainer bezeichnet sie als neutral.

Das Verhältnis zu Deutschland wird ebenfalls negativer gesehen. Während im April 2011 noch insgesamt 51 Prozent der Befragten die bilateralen Beziehungen als freundschaftlich oder partnerschaftlich bewerteten, fällen aktuell nur noch 24 Prozent ein positives Urteil. 43 Prozent bezeichnen die Beziehungen als neutral. Jeder Fünfte (22 Prozent) hält sie für angespannt oder verfeindet.

Die meisten ukrainischen Bürger erwarten auch nicht, dass sich unter Präsident Viktor Janukowitsch das Verhältnis zur EU beziehungsweise zu Deutschland verbessern wird. Sie rechnen vielmehr mit einer weiteren Verschlechterung. Nur jeder Zehnte glaubt, die Beziehungen der Ukraine zur EU (10 Prozent) und zu Deutschland (9 Prozent) würden unter Janukowitsch besser. Von einer Verschlechterung in Bezug auf die Europäische Union geht hingegen jeder Dritte der Befragten aus. Gut ein Viertel aller Befragten (27 Prozent) erwartet auch eine negative Entwicklung der Beziehungen mit Deutschland.

Die ukrainischen Bürger glauben außerdem, dass ihr Land kein gutes Image in Europa hat. Nur drei Prozent der Befragten meinen, die Ukraine werde in Europa als zuverlässiger und strategischer Partner angesehen. Dies ist ein Rückgang um 15 Prozentpunkte gegenüber April 2011. 36 Prozent glauben heute, dass die Ukraine international kaum eine Rolle spiele. 34 Prozent vermuten, ihr Land sei international lediglich als Lieferant für Rohstoffe und billige Arbeitskräfte bedeutsam.

Trotzdem sind die Ukrainer mit 54 Prozent weiter mehrheitlich für einen EU-Beitritt ihres Landes. Allerdings ist der Anteil der Gegner im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. 29 Prozent sagen inzwischen “Nein“ auf die Frage, ob die Ukraine Mitglied der EU werden soll. Das ist ein Zuwachs von elf Prozent gegenüber der Erhebung vom April 2011.

Die anhaltende Finanz- und Wirtschaftskrise in den EU-Ländern könnte dabei den EU-Skeptikern in der Ukraine Auftrieb gegeben haben. Nach wie vor wird die EU von den Ukrainern vor allem als Wirtschaftsgemeinschaft wahrgenommen. 69 Prozent der Befragten unterstützen das Ziel wirtschaftlichen Wachstums. Jeder Zweite (49 Prozent) meint, das sei auch mit Abstand das wichtigste Ziel der EU. Immerhin hält jeder vierte Ukrainer auch die Entwicklung gemeinsamer Werte, einschließlich Demokratie und Meinungsfreiheit für ein gemeinsames Anliegen mit der EU.

Das angekündigte Fernbleiben einiger EU-Politiker bei der Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine als Ausdruck des Protests gegen Menschenrechtsverletzungen wird nur von einer Minderheit der Ukrainer befürwortet (25 Prozent). Mehr als die Hälfte (54 Prozent) lehnt einen solchen politischen Boykott ab. Entsprechend stieße auch ein eventueller politischer Boykott der Olympischen Winterspiele im Jahr 2014 im russischen Sotschi auf nur geringe Unterstützung bei den Ukrainern.