Ukip-Partei schon wieder ohne Chef | Aktuell Europa | DW | 17.02.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Grossbritannien

Ukip-Partei schon wieder ohne Chef

Die britische Ukip-Partei muss sich schon wieder einen neuen Chef suchen - den fünften innerhalb kurzer Zeit. Parteichef Henry Bolton wurde von einem Sonderparteitag abgesetzt.

Weniger als fünf Monate stand er an der Spitze der rechtspopulistischen Partei, jetzt muss der 54-jährige Bolton (Artikelbild) seinen Posten schon wieder räumen. Dass er nach so kurzer Zeit von einem Sonderparteitag abgesetzt wurde, lässt tief blicken: Auf den Ex-Parteichef und seine Arbeit, aber auch auf die Ukip-Partei selbst.

Führungsstil oder Freundin - was war das Problem?

Offizielle Begründung, warum Bolton abgesetzt wurde, ist sein Führungsstil, der bei vielen Parteimitgliedern für Kritik gesorgt hat. Eine große Rolle hat aber auch Boltons Umgang mit dem Verhalten seiner Ex-Freundin gespielt. Das fast 30 Jahre jüngere Model Jo Marney hatte in Textnachrichten an einen Bekannten die Verlobte von Prinz Harry, die US-Schauspielerin Meghan Markle, rassistisch beleidigt. Markle hat afroamerikanische Wurzeln.

Bolton trennte sich zwar daraufhin nach eigenen Angaben wieder von der Frau, schloss seinen Rücktritt aber strikt aus. Dies stieß auf großen Unmut in der Partei. Später erklärte der Familienvater, er habe noch "starke Gefühle" für Marney und verglich die Beobachtung seines Privatlebens mit dem, was Prinzessin Diana mit ihrem Geliebten Dodi Al Fayed erlebt habe.

Nach dem Weggang von Nigel Farage ging es bergab

Der Rücktritt von Bolton ist ein weiteres Zeichen für den Abstieg der Rechtspopulisten. Die europafeindliche Partei hatte sich 2016 im Rahmen des Brexit-Referendums für einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union starkgemacht.

Brüssel Nigel Farage (Reuters/F. Lenoir)

Unter Nigel Farage war die Welt für die Ukip noch in Ordnung - mittlerweile geben sich die Parteichefs die Klinke in die Hand

Nach dem Weggang des prominenten Brexit-Befürworters Nigel Farage, ebenfalls 2016, gaben sich seine Nachfolger schnell die Klinke in die Hand. Wie schnell es mit der Ukip abwärts ging, zeigt auch ein Blick auf die Ergebnisse der letzten Parlamentswahlen: Bei der Unterhaus-Wahl im Mai 2015 kam die Partei noch auf mehr als zwölf Prozent der Stimmen. Gut zwei Jahre später, im Juni 2017, stimmten nicht einmal mehr zwei Prozent der Wahlberechtigten für die Partei.

Ein Nachfolger für Bolton soll innerhalb der nächsten 90 Tage gewählt werden.

bru/qu (dpa/rtr)