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Afrika

Uhuru Kenyatta: Kenias umstrittener Präsident

Die zweite Kandidatur für das Präsidentenamt war erfolgreich. Nun muss der wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagte Kenyatta Führungstalent beweisen. Porträt eines streitbaren Politikers.

"Heute feiern wir den Sieg der Demokratie und des Friedens", so begrüßte Uhuru Muigai Kenyatta die Menge, nachdem die Wahlkommission ihn am Samstag (09.03.2013) zum Präsidenten ernannt hatte. "Wir haben ein Maß an politischer Reife bewiesen, das alle Erwartungen übertrifft." An der Spitze des Landes steht damit der Spross einer großen Politikerfamilie. Geboren wurde der Sohn des ersten Präsidenten des unabhängigen Kenia am 26. Oktober 1961. Den Namen "Uhuru" - Kisuaheli für "Freiheit" - bekam er, weil die Befreiungskämpfe der Kenianer gegen die britische Kolonialherrschaft zu der Zeit ihren Höhepunkt erreicht hatten.

Kenyatta erfreute sich einer guten Bildung. Dem Schulabschluss in Nairobi folgte ein Studium der Wirtschafts- und Politikwissenschaften im US-amerikanischen Amherst. Er war überzeugter Anhänger der Partei für einen Afrikanischen Nationalismus in Kenia (KANU), die rund vierzig Jahre das Land regierte - nach dem Tod seines Vaters Jomo Kenyatta weitergeführt durch Präsident Daniel Arap Moi. Diesem hat er viel zu verdanken: 2001 sicherte Moi Kenyatta einen Sitz im Parlament und vertraute ihm das Ministerium für Provinzangelegenheiten an.

Mois Schützling

Wahlplakat des Präsidentschaftskandidaten Uhuru Kenyatta im Dezember 2002 (Foto: picture-alliance/dpa).

2002 schaffte es der damals 41-Jährige nicht an die Spitze

Kenyattas Karriere kam ins Rollen, als sich Moi vor seinem Ruhestand entschied, ihn als Kandidaten der KANU in die Präsidentschaftswahl 2002 zu schicken. Doch statt des politischen Neulings Kenyatta schaffte es der Kandidat der Opposition, Mwai Kibaki, mit seiner Nationalen Regenbogenkoalition (NRC). Als Staatschef versuchte Kibaki, eine Verfassung zu beschließen, die die Rechte des Präsidenten weiter gestärkt hätte. Zusammen mit Raila Odinga stellte sich Kenyatta damals gegen die Pläne Kibakis. Die Bürger gaben ihnen Recht: In einem Referendum stimmte eine Mehrheit gegen den Verfassungsentwurf.

Im Vorfeld der Wahlen 2007 trennten sich die Wege von Odinga und Kenyatta. Nach Meinungsverschiedenheiten schloss sich Kenyatta der Partei für Nationale Einheit (PNU) an, die in der Zentralprovinz eine große Anhängerschaft hatte. Bei der Präsidentschaftswahl trat er als Unterstützer Kibakis auf. Immerhin gehören beide zu Kenias größter Volksgruppe der Kikuyu, die im Zentrum des Landes beheimatet ist. "Die Menschen in der Zentralprovinz betrachten Kenyatta als Erben Kibakis", sagt die kenianische Journalistin Munira Mohammed.

Kenyattas Verwicklungen bei den Unruhen

Kenias Finanzminister Uhuru Kenyatta verlässt im April 2012 den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag (Foto: File/AP/dapd).

Als Finanzminister trat Kenyatta 2012 zurück

Es wurde ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Kibaki und Odinga. Die Nachricht vom Sieg Kibakis stürzte das Land in ethnische Konflikte, bei denen mindestens 1200 Menschen ums Leben kamen. Kenyatta, der als einer der reichsten Männer Kenias gilt, wurde verdächtigt, eine Gruppe gewaltbereiter Kikuyu finanziert und zu Morden und Vertreibungen angestiftet zu haben. Kenia bat den Internationalen Strafgerichtshof, die Gewalt nach den Wahlen zu untersuchen. Als einer von vier Kenianern muss sich Kenyatta nun in Den Haag den Vorwürfen stellen.

Nach Abschluss der Friedensverhandlungen wurde Kenyatta zum stellvertretenden Premierminister ernannt. Vom Amt des Finanzministers trat er zurück, nachdem der Strafgerichtshof im Januar 2012 entschied, Ermittlungen gegen ihn einzuleiten.

Durch Taktieren an die Spitze

Uhuru Kenyatta (rechts) und sein Bündnispartner William Ruto (links) unterhalten sich während einer Wahlveranstaltung (Foto: Simon Maina/AFP/Getty Images

Ein seltsames Team: Kenyatta (rechts) und William Ruto im Wahlkampf

Im gleichen Jahr verließ Kenyatta die KANU und gründete die Nationale Allianz (TNA). Diese Partei machte sich schnell einen Namen. Für Aufsehen sorgte seine Entscheidung, ein Wahlbündnis mit der Vereinten Republikanischen Partei (URP) einzugehen. Ihr Anführer: William Ruto, nach dem Wahldebakel von 2007 noch entschiedener Gegner Kenyattas. Beide eint nun, dass sie sich vor dem Strafgerichtshof für ihre Beteiligung an den Unruhen verantworten müssen. "Das Verfahren läuft, und wir wissen, es wird vorübergehen", sagte Ruto im Wahlkampf. Den Gefallen, deshalb von der Kandidatur zurückzutreten, wollten sie ihren Gegnern aber nicht machen.

Die Aussicht, Kenia könnte von einem mutmaßlichen Verbrecher gegen die Menschlichkeit regiert werden, weckte auf internationaler Ebene kritische Reaktionen. Unter seinem neuen Präsidenten muss sich Kenia auf Sanktionen gefasst machen. Aber auch die Innenpolitik wird erschwert werden, schätzt der kenianische Jurist Yusuf Abubakar: "Bei manchen politischen Entscheidungen ist die Unterschrift des Präsidenten erforderlich", meint er. "In seiner Abwesenheit kann der Stellvertreter einspringen. Doch auch er wird oft in Den Haag sein."

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Kenia: knapper Wahlsieg für Kenyatta

Schon vor den Wahlen zeichnete sich ein knappes Ergebnis zwischen Kenyattas Koalition und dem Parteienbündnis von Premierminister Raila Odinga ab. Beide Seiten sprachen sich für friedliche und faire Wahlen aus. "Das Jahr 2007 liegt hinter uns", sagte Kenyatta kurz vor Beginn der Abstimmungen. Im Falle einer Niederlage sei er der erste, der dem Sieger gratulieren würde. Ob er sich daran gehalten hätte - nach Bekanntgabe seines Sieges am Samstag wird sich das nicht mehr klären lassen.

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