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Afrika

Ugandas Filmindustrie greift nach den Sternen

Ugandas internationales Filmfestival Amakula erfindet sich nach dem Beinahe-Aus vor drei Jahren jetzt neu. Neben Auto- und Freilicht-Kino bietet es eine Plattform für junge Kreative.

Szene aus dem ugandischen Film Bala Bala Sese

Ugandischer Liebesfilm: Bala Bala Sese

Unter dem Sternenhimmel auf einem der zahlreichen Hügel von Ugandas Hauptstadt Kampala: Ein paar Dutzend Menschen sitzen auf Decken im Gras, einige hocken in ihren Autos dahinter. Sie alle tragen Kopfhörer und vorfolgen auf der riesigen Leinwand gebannt den Eröffnungsfilm Bala Bala Sese, ein ugandisches Liebesdrama.

Nach mehr als drei Jahren Pause und dem Beinahe-Aus nach dem Wegzug der dänischen Initiatoren aus dem Land startet Ugandas Internationales Filmfestival Amakula dieser Tage in eine neue Ära: Dieses Mal ganz unter ugandischer Regie und mit neuen Ideen und Konzepten, erklärt Faisal Kiwewa, der Direktor der ugandischen Kulturstiftung Bayimba, die das Festival jetzt zum ersten Mal ausrichtet. "Die Aufgabe des Festivals war ein riesiger Verlust für Ugandas Filmbranche, denn alle Filmemacher wurden davon inspiriert." Deswegen habe er zwei Jahre lang mit den Initiatoren verhandelt und schließlich vergangenes Jahr eine Einigung erzielt, das Festival übernehmen zu können, erzählt Kiwewa. Für den Neustart hat der 32-Jährige das Konzept umgekrempelt und dem Festival eine neue Ausrichtung verpasst. Jetzt findet es unter freiem Himmel statt, das verleiht ihm ein ganz neues Ambiente.

Autokino in Kampala Copyright: Simone Schlindwein

Autokino in Kampala

In den 1960er und 1970er Jahre gab es in Uganda schon einmal ein Freilichtkino, aber das ist schon lange geschlossen, erinnert sich Kiwewa: "Wir wollen das zurück bringen und die Leute neugierig machen. Sie können sich in den Garten auf eine Decke setzen oder wie in einem Autokino vom Parkplatz aus gucken."

Eine Hochschule für Ugandas Nachwuchs-Filmemacher

Ugandas Filmszene ist noch sehr jung und überschaubar. Es gibt eine Handvoll kleiner Produktionsfirmen. Doch selbst Kiwewa gibt zu, dass es vielen Filmemachern noch an professionellen Techniken und Know-how fehlt, um die Produktionen auch jenseits der Landesgrenzen erfolgreich zu machen. Daher organisiert er im Rahmen des Festivals zahlreiche Workshops, zum Beispiel über die Filmgeschichte Ostafrikas.

Einen davon leitet Arlen Dilsizian. Er ist der Direktor der ugandischen Filmhochschule, die 2010 gegründet wurde. "Die Idee dahinter war, dass es keine Schule gab, an der Studenten zwei Jahre lang wirklich die Kunst des Filmemachens und auch etwas über afrikanische Filmgeschichte lernen", so Dilsizain. Jedes Jahr bewerben sich rund 100 Interessenten, die besten 25 werden ausgewählt. "Wir sind mittlerweile beim Bildungsministerium akkreditiert", sagt Dilsizain erleichtert. "Das war gar nicht so einfach, denn im Ministerium gab es niemand, der sich mit Film auskennt und das Curriculum prüfen konnte."

Kinder-Cartoons: eine ganz neue Sparte

Ähnliche Erfahrungen hat auch David Musanso gemacht. Der Gründer der Produktionsfirma CROSSROADS hat in London an der Filmschule studiert und kam dann nach Uganda zurück. Im Gepäck hatte eine einen für ugandische Verhältnisse revolutionären Traum: Er wollte Animationsfilme machen, Cartoons für Kinder. Doch zunächst fand er niemanden in Ugandas kleiner Filmszene, der ihn bei der Umsetzung unterstützen konnte.

Uganda, Schulkinder auf dem Schulweg: Copyright: imago/Xinhua

Neue Zielgruppe: ugandische Grundschüler

Bevor er also richtig loslegen konnte, musste er erst einmal ein ganzes Team ausbilden, erzählt er. "So haben auch Pixar und Walt Disney einmal angefangen. Auch sie mussten Leute anlernen, um ein Team aufzubauen", sagt Musanso optimistisch. "Wir haben gerade eine Comic-Serie für Kindergartenkinder und Grundschüler entwickelt, die lehrt, wie man Probleme löst." Die Serie wurde von einem Lehrer entwickelt. Musanso will sie im Fernsehen und auf DVD vertreiben. "In Uganda gab es noch nie Cartoons für Kinder, das ist neu", sagt er.

Denn Kinder sind eine ganz neue Zielgruppe: Die Mittelschicht wächst rasant und damit die Anzahl von Fernsehern in den Wohnzimmern. Die Hauptkonsumenten von TV-Programmen sind in der Regel Kinder, doch die lokalen Sender zeigen kaum Kinderprogramme. Mit seinen Cartoon-Serien hat Musanso eine Marktlücke entdeckt und gleichzeitig mehr als 30 Arbeitsplätze in einer ganz neuen Branche geschaffen.

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