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Welt

Uganda auf dem Weg ins All

Die Nachbarn halten ihn für verrückt. Aber der Ugander Chris Nsamba schraubt in seinem Garten an einem Raumgleiter, mit dem er in die obersten Erdatmosphären starten will. Der Beginn von Ugandas Raumfahrt?

Chris Nsamba vor seinem Raumgleiter Foto: DW/Simone Schlindwein

Chris Nsamba vor seinem Raumgleiter

Rund ein Dutzend Männer polieren mit Schmirgelpapier die Oberfläche eines Flugzeugs, um es lackieren zu können. Sie stehen im Hinterhof eines kleinen Backsteinhäuschens in Ugandas Hauptstadt Kampala. Der Flieger, an dem sie schmirgeln, ist ein Zweisitzer mit einer Spannweite von zehn Metern. Doch es ist nicht nur ein Flugzeug: Es soll bis in die Stratosphäre fliegen und dort Meteoriten vermessen, die in die Atmosphäre eindringen.

Langersehnter Kindheitstraum

Mitarbeiter des African Space Research Program beim Fenschliss am Flieger Foto: DW/Simone Schlindwein

Feinschliff am Flugobjekt

"Dieser Raumgleiter ist der Beginn des ugandischen Weltraumprogramms", erklärt Projektleiter Chris Nsamba. "Wir haben im vergangenen Mai einen Prototyp getestet. Damit bin ich bis an den Rand der Atmosphäre geflogen." Das habe ihm bestätigt, dass die Technologie funktioniert. Dieser Gleiter soll bis auf eine Höhe von 45.000 Fuß, fast 13 Kilometer, fliegen. Also bis in die Stratosphäre.

Noch in diesem Jahr will Nsamba starten. Gelingt dieser Testflug, plant er, ein weiteres Gefährt zu bauen, das letztlich auch das Weltall erreicht. In vier oder fünf Jahren, so sein Ziel, will er der erste Ugander im All sein. "Damit würde ein lang ersehnter Kindheitstraum in Erfüllung gehen", sagt Nsamba.

Erste Erfahrungen von der NASA gelernt

NASA-Raumschiff Orion im WeltallFoto: AP/Lockheed Martin)

"Die Erde hinter sich lassen"

Der 26-jährige Nsamba hat im amerikanischen Texas Flugingenieurstechnik studiert. Dort habe er die ersten Experimente mit Flugzeugen und Gleitern unternommen, erzählt er. "Schon mit 13 Jahren habe ich meine erste Rakete gebastelt."

In seiner Jugend wurde er von Bekannten unterrichtet, die bei der US-Raumfahrtbehörde NASA arbeiteten. Sie hätten ihm viel beigebracht, sagt Nsamba. Während seines Studiums leitete er ein Projekt, das als Ziel hatte, ein Flugzeug zu bauen. Nsamba hat diesen Flieger 2003 selbst getestet. "Damals dachte ich noch, ich würde nie wieder ein Flugzeug testfliegen. Doch acht Jahre später ist es nun wieder soweit", lacht er begeistert.

Hoch hinaus

Doch bis zum Testflug muss er noch viele Herausforderungen bewältigen. Das Antriebsaggregat und die Avionik, also alles elektronische Gerät, hat er in den USA bestellt. Jetzt wartet er auf die Lieferung. Er befürchtet, dass der Zoll Probleme machen wird, weil noch nie solche Bauteile nach Uganda importiert wurden. Auch eine Fluggenehmigung im ostafrikanischen Luftraum muss er beantragen und den Gleiter mit einem Hubschrauber aus dem Garten seines Elternhauses bis zum Flughafen schleppen lassen, um dort starten zu können. Doch immerhin: Nsamba hat mittlerweile Ugandas Präsident Yoweri Museveni von der Idee begeistert. Dieser habe ihn persönlich angerufen und Geld zugesichert.

Finanziert hat Nsamba das Projekt bislang über Mitgliedsbeiträge und Spenden seiner von ihm gegründeten ugandischen Raumfahrtagentur, dem African Space Research Program.

Ugandas Raumfahrtagentur – Erbe für die Nachfahren

Mutter von Chris Nsamba vor dem Raumschiff Foto: Simone Schlindwein

Skeptischer Blick: die Mutter von Chris Nsamba

Ein Mitglied der Raumfahrtagentur ist Nixon Lugenke, der Nsamba hilft, die Tragflächen zu schmirgeln. "Ich denke, das ist ein guter Ausgangspunkt für meine Karriere, denn seit meiner Kindheit bin ich fasziniert vom Weltall", schwärmt Lugenke. Jeden Tag komme er vorbei, wenn er nach der Arbeit noch etwas Zeit habe. Denn auch Lugenke hat einen Traum: "Auch wenn uns manche Leute für verrückt erklären, ich will Astronaut werden. Und hier lerne ich, wie das geht", sagt er und fügt hinzu: "Die Raumfahrtagentur kann ein gutes Erbe für unsere Nachfahren in Uganda sein".

Über 600 Mitglieder hat Nsambas Raumfahrtagentur bereits. Täglich werden es mehr. Mittlerweile erhält Nsamba auch Spenden von Weltraumbegeisterten aus den USA und Kenia, um sein Projekt voran zu bringen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis Chris Nsmaba die Erdatmosphäre hinter sich läßt.

Autorin: Simone Schlindwein
Redaktion: Stefanie Duckstein