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Aktuell Deutschland

UFO setzt der Lufthansa eine letzte Streikfrist

Lufthansa-Reisende müssen zu Beginn der Feriensaison mit Flugausfällen rechnen. Wenn der Konzern nicht bis zum 1. Juli einlenkt, will die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO ab 1. Juli zu Streiks aufrufen.

Flugbegleiter und Flugbegleiterinnen vor einer Lufthansa-Maschine (Foto: dpa)

Flugbegleiter und Flugbegleiterinnen vor einer Lufthansa-Maschine (Foto: dpa)

Von Juli bis September könnten viele Maschinen der Lufthansa am Boden bleiben - ausgerechnet in der Hauptreisezeit. Doch die Fluggesellschaft könnte dieses Szenario noch abwenden. Denn anstatt eines sofortigen Streiks hat die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO) dem Unternehmen im laufenden Tarifstreit eine letzte Frist gesetzt.

Streik-Termine im Vorfeld bekannt

UFO fordere die Lufthansa-Führung auf, bis 30. Juni ein substanzielles neues Angebot vorzulegen, sagte Gewerkschaftschef Nicoley Baublies. "Ansonsten wird am 1. Juli gestreikt." Gleichzeitig wolle UFO an dem Tag auch die gesamten Streiktermine für die nächsten Monate nennen. "Damit sollen Passagiere die Möglichkeit haben, frühzeitig auf andere Airlines auszuweichen."

Sorge um Arbeitsplatzverlagerungen ins Ausland

Baublies warf der Lufthansa erneut vor, den Einigungsprozess gezielt gesprengt zu haben. Der Konzern habe frühere Verhandlungsergebnisse aus dem Jahr 2014 nicht mehr als Grundlage für eine Schlichtung anerkennen wollen. Das Schlichtungsverfahren war am Wochende ergebnislos beendet worden.

Der Gewerkschaftschef befürchtet nach eigenen Angaben, dass die Lufthansa bis zu 80.000 Jobs ins Ausland verlegen will, wo Piloten und Flugbegleiter deutlich weniger verdienen würden. Die Lufthansa könne zu einer "leeren Holding ohne nenneswerte Arbeitspläze in Deutschland werden", so Baublies.

Alte Tarifverträge gekündigt

Die Fluggesellschaft reagierte mit einer Mitteilung auf die gesetzte Frist. Darin appelliert sie an die Gewerkschaft, die Zeit bis zum 1. Juli für einen "konstruktiven Weg" zu nutzen und in Gespräche einzusteigen. Das gemeinsame Ziel müsse es sein, Streiks unbedingt zu verhindern, hieß es weiter.

Es geht in dem Tarifkonflikt vor allem um die Altersversorgung der Flugbegleiter. Die entsprechenden Tarifverträge hatte die Lufthansa Ende 2013 gekündigt. UFO fordert nun, dass die Kontrakte weiter gelten, um den Streik noch abzuwenden. Zudem soll die Lufthansa ein in der vorhergehenden Schlichtung erarbeitetes Papier als Grundlage für weitere Gespräche akzeptieren. Darüber hinaus solle die Lufthansa ein substanzielles neues Angebot zur Altersversorgung vorlegen.

Streit um die Altersversorgung

UFO verhandelt seit April 2014 mit der Lufthansa über eine ganze Reihe von Themen. Neben der Forderung von acht Prozent mehr Lohn für zwei Jahre ist vor allem die Altersversorgung umstritten. Der Lufthansa zufolge ist das bisherige System wegen der niedrigen Zinsen an den Kapitalmärkten und längeren Rentenzeiten nicht mehr bezahlbar. Eingeführt werden soll deshalb eine Vorsorge, bei der die Mitarbeiter stärker in die Finanzierung eingebunden sind. Angestrebt ist zudem, dass Flugbegleiter, die bereits mit 55 Jahren in Vorruhestand gehen wollen, künftig weniger Geld erhalten.

Viele Tarifkonflikte bei der Lufthansa

UFO vertritt 19.000 Flugbegleiter bei der Lufthansa. Die Gewerkschaft könnte ihre Mitglieder auch umgehend zum Streik aufrufen, weil eine entsprechende Urabstimmung bereits Ende Januar mit einer Mehrheit von über 93 Prozent für Arbeitskämpfe zu Ende gegangen war. Im Sommer 2012 hatte die Gewerkschaft den ersten Flugbegleiterstreik in der Geschichte der Lufthansa organisiert und an drei Tagen zusammen rund 1500 Flüge ausfallen lassen.

Es ist nicht der einzige Tarifkonflikt der Airline. Auch mit den Piloten streitet die Lufthansa. Hier geht es ebenfalls um die Altersversorgung und um für die Piloten schlechtere Tarifbedingungen bei einer neu geplanten Billiglinie. Nach einem Schlichtungsvorschlag haben die Piloten ihre Streiks aber vorerst bis Ende Juli ausgesetzt.

cw/stu (dpa, rtr)