1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Sprachbar

Uff! Booom! Zack! Peng! Zisch!

Comics haben ihre eigene Sprache, ihre eigenen Regeln und ihre eigene Symbolik. Wichtig ist auch, in welchem Land sie entstehen. Werfen wir einen Blick in die Welt von Sprechblasen, Onomatopoesie, Manga und mehr.

Audio anhören 07:31

Uff! Booom! Zack! Peng! Zisch! – die Folge als MP3

Comics und Cartoons begegnen uns fast täglich: in der Zeitung, in der Werbung und manchmal sogar in Bedienungsanleitungen. Comics sind sehr beliebt, und wir lesen und verstehen sie ganz selbstverständlich. Aber ist es wirklich so selbstverständlich, dass wir Comics ohne größere Probleme verstehen? Nicht unbedingt, denn die Kombination von Bildern und Worten ist oft komplex, und die Comicsprache hält einige Besonderheiten bereit.

Die Lücken schließen

Ein Mickey-Maus-Comicbuch, das aufgeblättert ist

Auch bei Donald Duck und Co. reiht sich ein Panel an das nächste

Ein Comic besteht aus einer Reihe von einzelnen Bildern. Diese werden auch Panels genannt. Wenn wir einen Comic lesen, betrachten wir die Panels nacheinander in einer bestimmten Reihenfolge. Wir beginnen links oben auf einer Seite und arbeiten uns Bild für Bild nach rechts unten vor. So erfassen wir die Geschichte, die der Comic erzählt.

Dabei zeigt jedes Bild immer nur einen Ausschnitt, genauer gesagt eine Momentaufnahme, ähnlich wie ein sogenanntes Standbild im Film. Wenn wir einen Comic lesen, verbinden wir diese einzelnen Momente der Handlung und ergänzen in unseren Gedanken das, was nicht in den Bildern zu sehen ist. Wenn im ersten Panel eine Figur im Profil zu sehen ist und uns dieselbe Figur im zweiten Panel direkt anschaut, dann nehmen wir an, dass sie den Kopf gedreht hat. Wir ergänzen also automatisch die fehlende Bewegung. Es geschieht unbewusst, ohne dass wir groß darüber nachdenken.

Die Sprechblase

Drei Sprechblasen in gezackter Form, als normale Sprechblase mit einer Spitze nach unten, eine quadratische Sprechblase

Die Form der Sprechblasen übermittelt auch Informationen

Aber jetzt kommen die Worte ins Spiel. Die finden sich meist in einer Sprechblase. Sie ist einer der wichtigsten Bestandteile der Comicsprache, denn durch sie werden die Figuren zum Sprechen gebracht. Die Form der Blasen ist dabei wichtig, genauso wie die kleine Spitze, die auf die sprechende Figur deutet. So steht beispielsweise eine Wolke für die Gedanken einer Figur.

Die Sprechblase ist aber nicht einfach nur eine Umrandung, die den Text vom Bild trennt. Durch ihre Gestaltung können auch zusätzliche Informationen übermittelt werden, zum Beispiel die Laustärke des Gesagten. Flüstert eine Figur, ist die Umrandung der Blase meist durchbrochen. Ist eine Figur wütend und spricht besonders laut, kann der Rand der Sprechblase in gezackter Form erscheinen.

Stillschweigende Übereinkunft

Eine Comiczeichnung: Ein Mann sitzt in einem Düsenflugzeug. an den Seiten sind die Luftzüge des Düsentriebs gezeichnet

Die heiße Luft aus den Düsen ist beinahe fühlbar!

Dass wir diese Zeichen beim Lesen richtig interpretieren, hat zwei Gründe. Wenn wir häufiger Comics lesen, sind uns diese Symbole vermutlich bereits bekannt. Sie beruhen auf Konventionen. Mit diesem Begriff bezeichnet man eine Vielzahl von Regeln, die zwar nirgendwo festgeschrieben sind, über die sich eine bestimmte Gruppe von Menschen – in diesem Fall alle Zeichner und Leser von Comics – jedoch einmal verständigt hat.

Der zweite Grund ist, dass wir einen Zusammenhang herstellen zwischen dem, was wir sehen und etwas, das wir spüren können. Bei einer gezackten Sprechblase beispielsweise denken wir sofort, die Figur würde uns anbrüllen. Durch die Zacken scheint die Sprechblase zu vibrieren. So sieht es aus, als könnten wir die Schallwellen sehen.


Zack! Uff! Bam!

Zwei Personen betrachten ein Gemälde mit drei Einzelbildern, auf denen lautmalerische Worte gemalt sind

Ein wichtiger Bestandteil von Comics: die Onomatopoesie

So ähnlich funktioniert auch ein weiterer Bestandteil der Comicsprache: die Onomatopoesie. Der deutsche Ausdruck Lautmalerei für dieses Phänomen ist aber viel schöner, weil er schon eine Erklärung enthält. Zu Onomatopoetika gehören nämlich auch Wörter, die mit verschiedenen Lauten Geräusche nachbilden. „BOOOM!“ oder „WHAM!“ sind Beispiele, die vor allem aus Superheldencomics bekannt sind.

Viele Lautmalereien leiten sich aber auch aus einem Wort ab, meist aus dem Stamm eines Substantivs oder Verbs. „Klirr“, „Zisch“ oder „Knirsch“ lassen sich auf die Verben „klirren“, „zischen“ und „knirschen“ zurückführen. Hier besteht die Verbindung zu etwas, das wir hören können. „Zischen“ beispielsweise erinnert an das Geräusch, das man beim Öffnen einer Flasche Wasser hört, das Kohlensäure enthält.

Gezeichnete Redewendungen

Symbolbild: Drei Mädchen, bei dem einen ist eine Gedankenwolke über dem Kopf, bei dem zweiten eine Glühbirne, bei dem dritten der Buchstabe z in einer Kette geschrieben, als Ausdruck für Schlafen

Mal ist man nachdenklich, mal geht einem Licht auf, mal ist man müde ...

Natürlich kommt auch ein Comic nicht ganz ohne Emotionen aus. Auch hier gibt es bestimmte bildliche Zeichen, die die Gefühle einer Figur ausdrücken. So deutet zum Beispiel ein kleines Herz über dem Kopf an, dass eine Figur verliebt ist. Viele dieser Zeichen lassen sich auf Redewendungen zurückführen.

Geht jemandem ein Licht auf, dann platziert der Comiczeichner oft eine kleine Glühbirne über dem Kopf der Figur. Raucht jemandem vor Anstrengung der Kopf, dann ist die Rauchwolke auch im Bild zu sehen. Kennt man die jeweilige Redewendung, versteht man auch die bildliche Umsetzung im Comic. Auch hier sind es wieder Konventionen, die das Verstehen ermöglichen.

Kulturelle Unterschiede

Mangakunst in einem Treppenhaus

Manga sind eine besondere Art von Comics

Diese Konventionen sind jedoch nicht in allen Ländern und Kulturen gleich. Nehmen wir das Beispiel Japan. Hier lesen Comicfreunde Manga, so lautet der japanische Begriff für Comics. Sie sind inzwischen auch in Europa und den USA sehr beliebt. Doch wer zum ersten Mal einen Manga liest, versteht unter Umständen nicht alles auf Anhieb.

Der wichtigste Unterschied besteht in der Leserichtung: Manga werden von hinten nach vorne und die Bildfolge auf den jeweiligen Seiten von rechts nach links gelesen – auch in der Übersetzung ins Deutsche. Das sollte jemand wissen, bevor sie oder er einen Manga zur Hand nimmt. Aber auch bestimmte Symbole sind mitunter auf den ersten Blick verwirrend. Eine Blase, die einer Figur aus einem der Nasenlöcher steigt, symbolisiert zum Beispiel, dass diese Person schläft. Schweißtropfen auf der Stirn stehen in japanischen Comics für Verlegenheit, während sie in amerikanischen und europäischen eher für Angst stehen. Das muss man erst einmal wissen, um es beim Lesen zu verstehen.

Picassos Bedauern

Es gibt also viel, was außer der reinen Geschichte hinter einem Comic steckt. Man muss kein eingefleischter Comicleser sein, um es zu verstehen. Und der Comiczeichner hat sein Ziel erreicht, wenn das Gefühl entstanden ist, eine spannende, lustige – oder was auch immer – Geschichte „gelesen“ zu haben. Auch Pablo Picasso schien zu ahnen, was ihm da entgangen ist, als er einmal sagte: „Das Einzige, was ich in meinem Leben bedauere, ist, keine Comics gezeichnet zu haben.“






Arbeitsauftrag
Kennt ihr weitere Verben, aus denen sich Lautmalereien bilden lassen? Erstellt eine Liste und versucht, einen kurzen Comic selbst zu erstellen, in den ihr diese Verben dann einfügt.

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema

Downloads