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Fußball

UEFA will Verschiebung der FIFA-Wahl

Die Europäische Fußball-Union fordert, die Wahl des FIFA Präsidenten wegen des neuen Skandals zu verschieben. Der Weltverband selbst sperrte elf seiner Funktionäre vorläufig für sämtliche Fußball-Aktivitäten.

Die Forderung nach einer Verschiebung fasste das Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union (UEFA) auf seinem Treffen vor dem Europa-League-Finale in Warschau. "Die UEFA ist der Meinung, dass der Kongress verschoben und die Wahl des Präsidenten innerhalb der nächsten sechs Monate stattfinden sollte", sagte UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino nach dem Treffen.

Nach Ansicht der UEFA droht der Kongress zu einer "Farce" zu verkommen, die europäischen Verbände müssten sich genau überlegen, ob sie an der Veranstaltung teilnehmen. Sollte das System nicht gestoppt werden, "wird es den Fußball endgültig töten". Noch vor Beginn des FIFA-Kongresses am Donnerstag wollen sich die europäischen Verbände zusammensetzen und die weitere Vorgehensweise "zum Schutze des Fußballs" beraten.

Wird es nun eng für Blatter?

Bislang steht die Präsidentenwahl der FIFA, bei der Amtsinhaber Joseph S. Blatter in seine fünfte Amtszeit bestätigt werden möchte, für Freitag auf der Agenda. Die FIFA wollte bisher an der Wahl festhalten, bei der die Bestätigung Blatters im Amt als sicher gilt.

Der FIFA-Präsident selbst äußerte sich bislang nicht zu einer möglichen Verschiebung der Wahl. In einer ersten Stellungnahme ließ er lediglich mitteilen, dies sei "eine schwierige Zeit für den Fußball". Sein Verband werde mit den Behörden weiterhin zusammenarbeiten.

Organisiertes Verbrechen, Korruption und Geldwäsche

Am Mittwochmorgen hatte die Schweizer Polizei in Zürich sieben FIFA-Funktionäre festgenommen, darunter sind mit Jeffrey Webb von den Kaiman-Inseln und dem Uruguayer Eugenio Figueredo auch zwei von acht FIFA-Vizepräsidenten.

FIFA-Vizepräsident Jeffrey Webb. Foto: Getty Images

FIFA-Vize Jeffrey Webb gehört zu den Festgenommenen

Die Staatsanwaltschaft New York hatte die Schweizer Behörden ersucht, die FIFA-Vertreter festzunehmen und an die USA auszuliefern. Sechs von ihnen gaben an, sich mit rechtlichen Mitteln gegen die Überstellung an die US-Justiz wehren zu wollen.

Das US-Justizministerium beschuldigt insgesamt 14 Personen, darunter neun Fußball-Funktionäre, des organisierten Verbrechens und der Korruption. Die Funktionäre sollen in den vergangenen mehr als 20 Jahren Sportmedien und -sponsoren Übertragungs- und Vermarktungsrechte an Fußballturnieren in Nord-, Mittel- und Südamerika zugeschustert und dafür insgesamt rund 150 Millionen US-Dollar Schmiergelder kassiert haben. Die Schweizer Behörden sperrten mehrere Konten von Verdächtigen bei eidgenössischen Banken und beschlagnahmten Kontoauszüge.

WM -Vergabe an Russland und Katar im Visier

"Genug ist genug", sagte der zuständige US Staatsanwalt Kelly T. Currie: "Der organisierte internationale Fußball braucht einen neuen Start - eine neue Chance für die Institutionen, um eine ehrliche Aufsicht und Unterstützung für einen Sport herzustellen, der auf der ganzen Welt geliebt wird. Und lassen sie mich eines klarstellen: Das ist nicht das letzte Kapitel unserer Untersuchung."

Davon unabhängig ist die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 an Russland und 2022 an Katar ins Visier der Schweizer Bundesanwaltschaft geraten. Die Behörde beschlagnahmte im FIFA-Hauptquartier mehrere Dokumente, um dem Verdacht auf Geldwäsche und Schmiergeldzahlungen nachzugehen. Die FIFA habe die Untersuchungen im vergangenen November mit einer Strafanzeige gegen Unbekannt selbst in Gang gesetzt, sagte FIFA-Mediendirektor de Gregorio. "Das ist gut für uns." Als Reaktion hat der Weltverband die Festgenommenen und weitere viere Funktionäre mittlerweile für sämtliche Fußball-Aktivitäten gesperrt.

Theo Zwanziger: "Großer Sumpf"

"Es ist schockierend und schädlich für den gesamten Fußball, was sich in Zürich abspielt", sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Sein Vorgänger Theo Zwanziger, der beim FIFA-Kongress aus dem Exekutivkomitee des Weltverbands ausscheidet, wurde noch deutlicher: "Das ist ein großer Sumpf. Das Problem ist nicht damit erledigt, dass man Sepp Blatter als Präsident verhindert. Der Fehler liegt im System der FIFA. Es können sich zu viele bedienen."

Theo Zwanziger bei einer FIFA-Pressekonferenz. Foto: dpa-pa

Erst FIFA-Funktionär, jetzt Kritiker: Theo Zwanziger

Liga-Präsident Reinhard Rauball sagte, man könne beim FIFA-Kongress nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. "Sollten sich die Vorwürfe als richtig herausstellen, würde dies die FIFA und den gesamten Weltfußball in den Grundfesten erschüttern", so Rauball. "Sepp Blatter - obgleich offensichtlich persönlich nicht betroffen - sollte dem Fußball einen großen Dienst erweisen. So kann es nicht weitergehen.“

"Trauriger Tag für den Fußball"

Bundesjustizminister Heiko Maas forderte, den Skandal umfassend aufzuklären. "Korruption darf im Fußball keinen Platz haben", sagte der SPD-Politiker.

Von einem "traurigen Tag für den Fußball" sprach der jordanische Prinz Ali bin Al Hussein. Der 39-Jährige ist der einzige Herausforderer Blatters bei der Wahl am Freitag. Die Vertreter des afrikanischen Fußball-Dachverbands CAF zeigten sich von den turbulenten Ereignissen vor dem FIFA-Kongress unbeeindruckt. Das CAF-Exekutivkomitee sprach sich noch einmal für eine fünfte Amtszeit Blatters aus.

sn/jhr/cw (sid, dpa)