1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Udo Jürgens - noch einmal im Rampenlicht

Kaum ist Udo Jürgens tot, da erscheint die erste postume Biographie über den österreichischen Schlagersänger - aus der Feder von Klatschreporter Paul Sahner.

Es menschelt in Sahners Udo-Biographie. Stellenweise lässt er es richtig krachen. Der Promi-Journalist, längst selbst ein Prominenter und mit ausladenden Homestories bedacht, pflegte ein freundschaftliches Verhältnis zu dem Verstorbenen, hat viele Gespräche mit ihm geführt. Aus seinen Sätzen sprechen Fürsorge, viel Sympathie - und der Stolz des Schreibers, der seinem Protagonisten so nahe kommen durfte wie sonst keiner. Jedenfalls liest sich das so.


22.11.2009 DW Typisch deutsch Paul Sahner. Foto: DW

Klatschreporter Paul Sahner huldigt seinem "Freund" Udo Jürgens.

Die Schönen und Reichen, die Berühmten, die Künstler, Produzenten und Manager des milliardenschweren Showgeschäfts – sie alle lässt Sahner aufmarschieren in Interviews, Nachrufen und Telefonaten. So entsteht ein facettenreiches Bild von Udo Jürgens, der aus Sicht des Klatschreporters vor allem eines war: der Womanizer, ein Kerl, dem die Frauen zu Füssen lagen. Udo Jürgens wusch die Hände dabei in Unschuld. "Einzig und allein die Frau entscheidet, mit welchem Mann sie sich einlässt. Ich bin nicht der große Nein-Sager", zitiert ihn Sahner.

Udo lagen die Frauen zu Füßen

Udo Jürgens hatte viele Frauengeschichten. Er umgab sich mit Menschen seines Schlags und seiner Berühmtheit. In seinem Buch läßt Sahner Prominente zu Wort kommen. Mario Adorf etwa zollt Udo Bewunderung, bedauert aber: "Wir haben nie eine kontinuierliche Freundschaft pflegen können, jeder ging seinen Weg." Fußballkaiser Franz Beckenbauer bilanziert: "Er war mutiger als ich. Er hat immer wieder zu politischen Themen, oder auch zu wirtschaftlichen, Stellung bezogen. Ich habe mir das abgewöhnt, mein Metier ist der Sport." Rennfahrer Niki Lauda mochte Udo, "weil er nie ein Blatt vor den Mund genommen hat, immer hart an der Wahrheit war. Er scherte sich um nichts." Modedesigner Wolfgang Joop dagegen hielt Udo Jürgens für überschätzt: "Die Heiligsprechung dieses Mannes finde ich ziemlich ruckartig."


Bildergalerie 80 Jahre Udo Jürgens. Foto: Wilhelm Bertram/dpa -

Udo Jürgens, schon früh ein Freund der Frauen.

Sie alle rücken den Kultsänger noch einmal ins Rampenlicht, als Mensch mit großer Ausstrahlung, dem Selbstzweifel nicht fremd waren. Paul Sahner, da staunt man, hat von allen Prominenten die Handynummer. An Eitelkeit steht er seinem Helden kaum nach. Doch Udo hatte Ehrgeiz. Er rang um das Lob der Feuilletons.

Udo - der liebenswerte Macho von nebenan

Im Plauderton erzählt der Autor von Gesprächen, die den Verstorbenen zwar als kirchenfernen, aber ethisch gefestigten Menschen zeichnen. "Ich bin evangelisch erzogen worden, mit einer gewissen Distanz zur Religion" vertraut ihm Udo an. "Ich glaube an die Macht des Guten im Menschen. Das ist meine Religion, wenn du so willst."

Bildergalerie 80 Jahre Udo Jürgens. Foto: dpa

Umjubelt: Der Schlagersänger Udo Jürgens.

Das Musikmachen war Udos Form des Betens: "Wenn ein Künstler musiziert, er mit seinem ganzen Herzen und tiefen Emotionen tausende Menschen berührt, ihnen Freude schenkt, ist das für mich ein nahezu religiöser Vorgang." Udo Jürgens hielt sich für einen "hochgradig anständigen" Menschen: "Wenn ich meine, Unrecht getan zu haben, dann lastet das schwer auf meiner Seele und gibt mir keine Ruhe, bis ich den Hörer aufhebe und sage, kann ich dich sprechen."


"Griechischer Wein", "17 Jahr, blondes Haar", "Merci Cherie" , "Ein ehrenwertes Haus" – Udos Lieder kennt eigentlich jeder. Mit ihnen hat sich Udo Jürgens, der Barde österreichischer Herkunft, tief in die Herzen der Deutschen gesungen. Dort bleibt er auch: Sein Tod am 21. Dezember 2014 im Alter von 80 Jahren kam überraschend und hat ihn erst recht unsterblich gemacht.


Es war das Herz, das bei einem Spaziergang am Bodensee plötzlich den Dienst versagte. Schon vier Wochen später huldigt Boulevard-Journalist Sahner dem Schlageridol. Und beschert Udos Fangemeinde die erste postume Biographie. Die gewogene Rundumbetrachtung, angefüllt mit persönlichen Erinnerungen und solchen vieler Zeitgenossen, erscheint im Freiburger Herder-Verlag, der zuletzt mit eher nüchterner Papst-Prosa aufwartete.


Deutschland Udo Jürgens mit Schimmel Klavier. Foto: dpa

Udo Jürgens 1991 bei einem Konzertl im Berliner Friedrichstadtpalast.

Auf 176 Seiten lesen wir viel Klatsch und Tratsch. Und so ganz nebenbei wird die öffentliche Person Udo Jürgens immer mehr zu "unser aller Udo", dem wertekonservativen, aufrechten, liebenswerten Macho von Nebenan. Zum Greifen nah, mit menschlichen Stärken und Schwächen, aber nicht wirklich polarisierend. Über den Tod hinaus wirkt sein Ruhm, den Sahners Buch geschickt konserviert. Die Plattenindustrie wird es freuen. Denn natürlich fehlt nicht dieses Zitat von Udo Jürgens, das noch einmal - ganz sacht – auf die Tränendrüse drückt: "Tot ist der Mensch erst dann, wenn der letzte Mensch stirbt, der sich seiner erinnert."

------------------

"Merci Udo!" , 174 Seiten, ist im Freiburger Herder-Verlag erschienen, zum Preis von € 16,99.