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Digitales Leben

U2 und Apple: Alles andere als unschuldig

Rund 170 Millionen Alben haben U2 bereits verkauft. Ihr neues wollen die Iren nun verschenken. Mit Apple. Es ist nicht die erste Kooperation der beiden. Ist das eine Revolution des Musikmarktes oder nur ein PR-Gag?

Als U2 1980 ihr Debütalbum veröffentlichten, war die Musikwelt noch analog und übersichtlich: Verschiedene Plattenfirmen beherrschten den Markt, darunter auch eine vergleichsweise kleine: Island Records. Unter ihrem bunten Palmenlabel erschien "Boy", mit dem die Erfolgsgeschichte der Band aus Dublin ihren Anfang nahm. Elf Studioalben sollten folgen, fast alle hielten sich über Wochen in den Charts, die meisten erreichten Nummer-eins-Platzierungen und verkauften sich über 170 Millionen Mal.

Die Band U2 bei einer Apple-Präsentation (Foto: Reuters)

U2 traten live auf, nachdem Apple am 09.09.2014 seine Uhr präsentiert und die Kooperation angekündigt hatte

U2 gehören bis heute zu den größten und erfolgreichsten Musikgruppen, sind Bewohner des berühmten Rock-Olymps - und noch immer hungrig. Potentiell eine halbe Milliarde Menschen könnten bald ihr lange erwartetes neues Album besitzen - und das, ohne nur einen müden Euro, Dollar oder welche Währung auch immer dafür auszugegeben. Denn U2 verschenken "Songs of Innocence". Die "Lieder der Unschuld" können in den kommenden Wochen rund 500 Millionen Menschen kostenlos über die Apple-Plattform iTunes herunterladen.

Kampf um Aufmerksamkeit

Ist die Kooperation mehr als ein unschuldiges Präsent? Gar eine Revolution des kränkelnden Musikmarktes? Nach dem Motto: Wenn sich Tonträger nicht mehr verkaufen, verschenken wir sie und setzen nur noch auf Tournee- und Werbeeinnahmen? Oder doch nur eine geheime Botschaft, wie schon Twitter-Nutzer unterstellen?

Seitdem die Musikwelt digital und unübersichtlich für die Konzerne wurde, sinken die Plattenverkäufe. Für eine Goldene Schallplatte müssen sich heute nur noch 100.000 Einheiten verkaufen, bis zur Jahrtausendwende waren es noch eine viertel Million. Umsatz machen die wenigen verbliebenen Plattenfirmen vor allem mit ihren Stars - und den Wiederauflagen von deren alten Platten.

Im Kampf um den Absatz heißen die ärgsten Konkurrenten von Universal, Warner und Sony heute Spotify, Deezer und Simfy. Die Streamingdienste bieten Zugriff auf zig Millionen Musiktitel, die die Nutzer für 10 Euro monatlich auch offline, beispielsweise auf ihren Smartphones, hören können. Immer mehr Musikliebhaber greifen auf diese Angebote zurück. Ein Trend, der auch Apple bedroht. Der Konzern ist mit iTunes noch Marktführer beim Verkauf von MP3s. Mit der Kostenlos-Aktion hofft Apple wohl auf neue Kunden für seinen Dienst. Und Universal Music, U2s aktuelle Plattenfirma, dürfte neben einem Deal mit dem Technikunternehmen auch den Verkauf älterer Alben der Band im Blick haben. Denn der Werbe-Effekt der kostenlosen Albumabgabe ist nicht neu.

Lange Liaison

Pop-Superstar Madonna bei ihrer Tour 2012 in Abu Dhabi (Foto: Reuters)

Pop-Superstar Madonna bei ihrer Tour 2012 in Abu Dhabi

Radiohead bot schon 2007 auf seiner Homepage "In Rainbows" an und ließ seine Fans selbst entscheiden, was sie zahlen wollten - und das taten sie ordentlich. Der "Rolling Stone" durfte 2010 exklusiv "20Ten" von Prince mit der August-Ausgabe seiner Zeitschrift verkaufen - so viele Alben hatte der ehemalige Superstar schon lange nicht mehr unter die Leute gebracht. Madonna legte 2012 jedem verkauften Konzertticket ihr "MDNA"-Album bei - und toppte so die US-Charts.

Die aktuelle Zusammenarbeit ist übrigens nicht die erste der Musik- und Technik-Giganten: U2 galten als eine der Lieblingsbands von Steve Jobs. Vor genau zehn Jahren, im Oktober 2004, stellte der Apple-Gründer den U2-iPod vor. Die Sonderedition dieses 350 Euro teuren MP3-Players enthielt die Unterschriften von Sänger Bono, Gitarrist The Edge, Schlagzeuger Larry Mullen und Bassist Adam Clayton. Für das wenig später erschienene elfte Studioalbum der Band, "How to Dismantle an Atomic Bomb", mussten die Fans damals dennoch zahlen. The Times They Are a-Changin'!

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