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Bildung

"U-Multirank": Die beste Uni gibt es nicht

"U-Multirank", so heißt das neuartige globale Hochschulranking, das jetzt von der EU-Kommission vorgestellt wurde. Eine allgemeine Rangliste sucht man hier vergebens. Genau das ist die Absicht des neuen Online-Tools.

Zahlen sind sein Metier. Aber eine solche Menge an Daten hat auch Professor Frank Ziegele bisher noch nicht ausgewertet. Die Informationen zu mehr als 850 Hochschulen aus 74 Ländern, mehr als 1000 Fachbereichen und über 5000 Studiengängen, dazu Umfragen unter 60.000 Studierenden - all das ist in das neue internationale Hochschulranking

"U-Multirank"

der Europäischen Kommission eingeflossen. Fünf Jahre hat Ziegele mit seinen Kollegen vom

Centrum für Hochschulentwicklung (CHE)

in Gütersloh und dem "Center for Higher Education Policy Studies" (CHEPS) in den Niederlanden daran gearbeitet. Am Dienstag stellte er das neue multimediale Portal in Brüssel vor.

"Es ist das bislang größte und erste internationale Ranking, das alle Typen von Hochschulen berücksichtigt", sagt der Wissenschaftler im Gespräch mit der Deutschen Welle. Und eines, das ganz anders funktioniert als die üblichen internationalen Vergleichsportale wie das "Shanghai Ranking", das "Times Higher Education Ranking" oder das "QS-Ranking". Denn sie erfassen laut Ziegele nur einen einzelnen Typ von Hochschule, nämlich die international orientierte Forschungsvolluniversität, die gerade einmal drei bis fünf Prozent aller Unis weltweit ausmacht.

Wettbewerb der Verschiedenheit

EU-Kommissarin Androulla Vassiliou bei der Vorstellung des Hochschulrankings U-Multirank am 13.05.2014 in Brüssel (Foto: dpa)

EU-Kommissarin Androulla Vassiliou bei der Vorstellung des neuen Rankings in Brüsssel

Bei "U-Multirank" dagegen sollen Studenten, Uni-Rektoren, Wissenschaftler, aber auch Lehrer und Schüler die jeweiligen Hochschulen vergleichen können, die sie vorrangig interessieren. Studierende können etwa erfahren, ob sie an der Hochschule ihren Doktor machen können und wie erfolgreich die Absolventen dabei sind, wie viele Dozenten die Studenten betreuen oder wie groß die Seminare und Forschungsgruppen sind.

Die Europäische Kommission finanziert das aufwendige Projekt bis 2017 mit rund einer Million Euro pro Jahr. Dass bei "U-Multirank" die Vielfalt der Hochschullandschaft im Mittelpunkt steht, ist EU-Kommissarin Androulla Vassiliou besonders wichtig. "Wir sind stolz auf unsere exzellenten Universitäten", betont sie. "Aber wir brauchen viele verschiedene Arten von Hochschulen, die eine große Bandbreite von Bedürfnissen abdecken, das heißt, wir brauchen ausgesprochen technische und regionale Hochschulen genauso wie die Forschungsuniversitäten."

Der Fokus des neuen Portals liegt auf den europäischen Hochschulen. Unter den 63 deutschen Unis schnitten die Technische Universität München, die private Uni Witten/Herdecke und die Uni Erlangen in mehreren Bereichen besonders gut ab. Die Forscher nahmen aber auch zu gut einem Drittel Hochschulen aus Ländern außerhalb Europas unter die Lupe. Schließlich gebe es einen starken internationalen Austausch im Hochschulbereich und der müsse berücksichtigt werden, sagt der niederländische Wissenschaftler Frans van Vught vom CHEPS.

Stolz auf "Newcomer" im Ranking

Otto Beisheim School of Management (WHU)

Ein Newcomer aus Deutschland: die WHU - Otto-Beisheim School of Management in Koblenz-Vallendar

31 Indikatoren haben die Wissenschaftler untersucht, die sich in fünf verschiedenen Kategorien bündeln: das Renommee der Forschung, die Qualität von Lehre und Lernumfeld, die internationale Ausrichtung der Hochschule, der Wissenstransfer etwa im Hinblick auf die Wirtschaft sowie ihr regionales Engagement. Das Ranking startet mit den Fächern Maschinenbau, Elektro- und Informationstechnik, Betriebswirtschaftslehre und Physik, soll aber sukzessive auf andere Studienfächer ausgedehnt werden. 2015 kommen Psychologie, Informatik und Medizin hinzu.

Besonders stolz ist Frank Ziegele darauf, dass sich unter den mehr als 850 untersuchten Hochschulen rund 300 befinden, die bisher an noch keinem internationalen Vergleichsportal teilgenommen haben. "Viele von ihnen stehen den simplen internationalen Rankings genauso skeptisch gegenüber wie wir", sagt der Wissenschaftler. "Aber unsere anspruchsvolle Datenanalyse hat sie überzeugt, mitzumachen und den Vergleich auch als eine Chance zu sehen." Denn bei genauem Hinsehen zeige sich, dass viele der bislang nicht untersuchten Hochschulen in mindestens einer Kategorie Spitzenleistungen bringen.

Statistik berücksichtigt kulturelle Unterschiede

Der Campus der Harvard Universität (Foto: Getty Images)

Top bei der Anzahl der wissenschaftlichen Publikationen: die Harvard University in Cambridge

Jon File vom CHEPS nennt ein Beispiel: "Wenn es um die Anzahl der wissenschaftlichen Publikationen geht, ist Havard Spitze", erklärt der Forscher. "Aber wenn es um Wissenstransfer geht, gibt es viele gute europäische Hochschulen, die besser mit der Industrie zusammenarbeiten als die berühmten amerikanischen Unis." Den Vorwurf, dass sich die vielen unterschiedlichen Daten aus Forschungs-, Hochschul- und Studentensicht eigentlich kaum vergleichen lassen, weisen die Wissenschaftler zurück. "Wir haben da ganz klare empirische Methoden, die kulturelle Unterschiede und sogar die verschiedenen Erwartungshaltungen der Studierenden berücksichtigen", erklärt Ziegele.

So sei den Forschern durchaus bekannt, dass österreichische Studenten ihren Hochschulen besonders skeptisch gegenüberstehen oder albanische Studierende als völlig unkritisch gelten. Daher verwenden die Forscher nicht überall die gleichen Fragebögen. Viel Arbeit also steckt in dem neuen Ranking. Doch Ziegele ist fest davon überzeugt, dass sich der Aufwand gelohnt hat. Tag und Nacht habe er mit seinen Kollegen zum Schluss an dem Internetportal gearbeitet, erzählt der Wissenschaftler. "Als ich es dann endlich ausprobieren konnte, habe ich richtig Spaß daran gehabt."

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