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Deutschland

U-Bahn-Schläger wegen Mordversuchs verurteilt

Das Landgericht München hat gegen die beiden Angeklagten hohe Gefängnisstrafen verhängt. Sie hatten kurz vor Weihnachten in einer U-Bahnstation einen Rentner angegriffen und lebensgefährlich verletzt.

Die beiden Angeklagten, links und rechts, im Landgericht

Die beiden Angeklagten, links und rechts, im Landgericht

Das Landgericht München verurteilte die beiden jungen Männer am Dienstag (08.07.2008) wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Der 21-jährige Türke Serkan A. erhielt eine Haftstrafe von zwölf Jahren nach Erwachsenenstrafrecht und der 18-jährige Grieche Spyridon L., der zur Tatzeit noch 17 war, achteinhalb Jahre nach dem milderen Jugendstrafrecht. Die Verteidigung kündigte Revision an.

Das Gericht folgte mit dem Strafmaß der Forderung der Staatsanwaltschaft, blieb nur im Fall des 18-Jährigen ein halbes Jahr darunter. Die Verteidigung hatte auf eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung plädiert und für Serkan A. höchstens vier Jahre und für Spyridon L. eine "angemessene" Jugendstrafe verlangt.

Das Überfallopfer

Das Überfallopfer

Die beiden Verurteilten hatten vier Tage vor Weihnachten einen 76-jährigen ehemaligen Lehrer in einer Münchner U-Bahn-Station zusammengeschlagen und lebensgefährlich verletzt. Der Rentner hatte die beiden Männer, die in der U-Bahn rauchten, auf das Rauchverbot hingewiesen. Nach dem Aussteigen fielen sie ihr Opfer von hinten an. Das Verbrechen wurde von einer Überwachungskamera aufgezeichnet.

Angeklagten gestanden die Tat

Der Tatort in einer Münchner U-Bahnstation

Der Tatort in einer Münchner U-Bahn-Station

Vor Gericht wies das Opfer die Bitte der Täter um Entschuldigung zurück und bezweifelte deren Aufrichtigkeit. "Sie haben mit meinem Kopf Fußball gespielt", sagte der 76-Jährige. Gutachter bescheinigten beiden Tätern volle Schuldfähigkeit und hohes Aggressionspotenzial.

Verzögerungstaktik der Verteidigung

Kurz vor der Urteilsverkündung beantragten die Verteidiger von Serkan A., nochmals in die Beweisaufnahme einzutreten und Zeugen zu laden. Das Opfer des Überfalls könnte die Täter durch eine rassistische Äußerung provoziert haben, erklärte Rechtsanwalt Michael Gallus. Serkan hatte ausgesagt, nach der Beschimpfung des 76-Jährigen als "deutsches Schwein", habe der Renter beim Aussteigen aus der U-Bahn gesagt: "Ihr seid das Volk, das hier Probleme macht".

Ein ehemaliger Schüler könne möglicherweise bestätigen, dass der pensionierte Lehrer auch in der Schule eine rassistische Äußerung getätigt habe, meinte Verteidiger Gallus. Die Staatsanwaltschaft warf dem Anwalt daraufhin eine absolute Unverfrorenheit und eine "besonders niederträchtige Art der Verteidigung" vor. Das Gericht lehnte den Antrag ab.

Überfall löst bundesweite Debatte aus

Politiker aller Parteien diskutierten nach dem Angriff über eine Verschärfung des Jugendstrafrechts und über den Umgang mit kriminellen ausländischen Jugendlichen. Die Union bekräftigte ihre Forderung nach einem härteren Jugendstrafrecht und verabschiedete im März ein Papier, das mehr Prävention, aber auch härtere Strafen und neue Sanktionen vorsieht. Das Thema dominierte zudem den Landtagswahlkampf in Hessen, in dem CDU-Ministerpräsident Roland Koch mit Forderungen nach schärferen Gesetzen polarisierte.

Bayern will Verurteilte abschieben

Der bayerische Landesinnenminister Joachim Herrmann teilte mit, nach Strafverbüßung müssten die beiden Angeklagten das Land verlassen. Es würde niemand verstehen, wenn Ausländer, die eine derartige Brutalität an den Tag legten, weiter in Deutschland bleiben könnten. (se)

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