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Lehrerverbände weltweit

Tyskforum

In Norwegen sank die Zahl der Deutschlernenden lange Zeit. Das ändert sich mittlerweile. Damit der Trend anhält, engagiert sich der Deutschlehrerverband auf allen Ebenen und steckt viel Arbeit in die Jahrestagung.

Jan Paul Pietzuch ist seit November 2014 Vorsitzender des norwegischen Deutschlehrerverbandes. Erst wenige Jahre vorher ist der Deutsche mit seiner Familie in das skandinavische Land gezogen. In Oslo angekommen, rannten er und seine Frau offene Türen beim Tyskforum ein. Dem Verband fehlten Mitarbeiter. Hauptberuflich arbeitet Pietzuch für das norwegische Außenministerium und bereitet Diplomaten auf ihre Auslandseinsätze vor.

Deutsche Welle: Herr Pietzuch, Sie sind vor vier Jahren mit Ihrer Familie nach Norwegen gezogen. Leben Sie jetzt den Bullerbü-Traum vieler Deutscher?

Jan Paul Pietzuch: Bullerbü passt ja eher zu Schweden. Aber Norwegen ist natürlich auch ein Traum. Ich sage immer gerne, wir leben dort, wo andere Urlaub machen.

Audio anhören 00:38

Hören Sie rein: Paul Pietzuch erzählt, was er an der deutschen Sprache so mag

Was schätzen Sie denn besonders an Ihrer neuen Heimat?

Die Gesellschaft ist sehr kinderfreundlich. Hier stimmt vor allem die Work-Life-Balance, wie man so schön sagt. Außerdem gibt es eine recht klare Trennung von Freizeit und Arbeit, was für Familien ein deutlicher Vorteil ist. Zum Beispiel ist es überhaupt kein Problem, wenn man morgens die Kinder in den Kindergarten oder in die Schule bringen muss und nie vor halb neun auf der Arbeit sein kann – auch als Mann nicht. Dafür haben die Chefin und auch alle anderen Verständnis.

Sie haben ja ganz außergewöhnliche Schüler, Sie bringen norwegischen Diplomaten Deutsch bei. Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?

Ich habe tatsächlich sehr großes Glück. Ich gebe vorwiegend Einzelunterricht und arbeite mit Menschen, die fachlich sehr gut Bescheid wissen, über Politik, Wirtschaft und so weiter. Das sind natürlich alles sehr motivierte Menschen, die ganz genau wissen, wozu sie Deutsch brauchen. Ich muss ihnen quasi nur helfen, ihre Positionen und Meinungen auf Deutsch zu vertreten.

Aber gerade vor diesem Hintergrund bin ich auch sehr froh über die andere Seite, die ich über den Deutschlehrerverband erfahre. Dort leisten wir ganz praktische Arbeit und kümmern uns vorwiegend um Schulen.

Um den Deutschunterricht war es ja lange Zeit nicht sehr gut bestellt in Norwegen. Die Schülerzahlen sanken kontinuierlich.

Das kann man inzwischen gar nicht mehr so sagen. Es gab eine gewisse Phase, in der man viele Klagen hörte. Das Bild hat sich aber seit drei, vier Jahren geändert. Die Studierendenzahlen an den Hochschulen steigen wieder leicht, und ähnlich sieht es auch an den Schulen aus.

Wie kommt es dazu?

Das ist eine gute Frage. Darüber machen sich das Goethe-Institut und die Akteure hier im Land auch ihre Gedanken. Ich glaube es liegt vor allem am Imagegewinn Deutschlands und der Stellung Deutschlands in Europa. Aber es liegt auch an Berlin, der hippen Metropole. Gleichzeitig findet ein Generationswechsel an den Schulen statt. Viele ältere Deutschlehrende verabschieden sich aus dem Schuldienst, und einige neue Deutschlehrende kommen.

Deutschlehrerverband Norwegen | Tagung (privat)

Konzentrierte Arbeit bei der Deutschlehrertagung des Tyskforums

Das klingt, als könnten Sie sich im Verband eine ruhige Zeit machen.

Das wäre ein möglicher Schluss, aber nicht der beste. So gut sieht es dann natürlich doch wieder nicht aus. Eine Herausforderung ist, dass Deutsch- und andere Fremdsprachenlehrer mitunter eingesetzt werden, obwohl sie nicht die formellen Qualifikationen haben, auf dieser Stelle Deutsch zu unterrichten. An verschiedenen Hochschulen hier im Lande bemüht man sich derzeit, die Lehrerstudiengänge zu modernisieren und auszubauen. Ich denke, da können wir unseren Beitrag leisten als Deutschlehrerverband. Über Fortbildungsangebote, Deutschlehrertage oder aber auch über kleinere Workshops und Seminare.

Die Deutschlehrertage sind, wie bei vielen Verbänden, auch bei Ihnen der Jahreshöhepunkt, wie gestalten Sie die Jahrestagung?

Die Tage finden einmal im Jahr statt – entweder in Oslo oder einer anderen größeren Stadt im Lande. Das ist natürlich in Norwegen durch die Geografie bedingt immer eine Herausforderung. Meistens dauert die Veranstaltung zwei bis drei Tage, an denen sich 40 bis 50 Deutschlehrer aus dem ganzen Land treffen und an Workshops teilnehmen. Es ist eine gute Möglichkeit für die Deutschlehrer, sich zu treffen, auszutauschen und zu vernetzen.

Die Organisation der Treffen nimmt dabei immer relativ viel Zeit in Anspruch. Und unser Verband trägt sich ja ausschließlich über Ehrenamtliche. Alle lehren an weiterführenden Schulen oder den sogenannten Jugendschulen in Norwegen. Unser Verband basiert auf Engagement und Idealismus, sodass so eine Tagung tatsächlich auch einen Großteil unserer Zeit einnimmt und viel Arbeit kostet.


Die wichtigsten Infos in Kürze:
Der norwegische Deutschlehrerverband (Tyskforum) hat rund 260 Mitglieder und wurde in seiner jetzigen Form im Jahr 2001 gegründet. Das Mitgliedermagazin erscheint zweimal jährlich und ist auch online verfügbar. Daneben tauschen sich die Mitglieder auf der Homepage und auf der Facebookseite aus.

Vorstandsgremium:
• Jan Paul Pietzuch (Verbandsvorsitzender)
• Andrea Vaske (Stellvertretende Vorsitzende)
• Hannes Draude (Sekretär)
• Jutta Birnbickel (Kassenwartin)
• Anja Pietzuch (Redaktionsleitung aktuelles)
• Kristin Akre (Veranstaltungen)

IDV-Kontakt: Jan Paul Pietzuch; styreleder [at] tyskforum.no

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