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Kultur

Tyrann und sympathischer Sonderling: ein Portrait über George W. Bush

Mit seinem neuen Film "W" provoziert Oliver Stone Amerika aufs Neue, denn er nimmt es mit dem amtierenden Präsidenten der USA auf. Ein gewisses Kalkül ist so kurz vor den US-Wahlen unverkennbar.

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Filmszene aus "W." von Oliver Stone, Josh Brolin als George W. Bush

Das mit Spannung erwartete neue Werk des amerikanischen Regisseurs Oliver Stone wird am Freitag (17.10.2008) zunächst nur in den USA in die Kinos kommen. Der Film "W" schildert das Leben und die Amtszeit des noch amtierenden US-Präsidenten George W. Bush, dessen Nachfolger am 4. November gewählt wird.

Hauptdarsteller ist Josh Brolin, der einen etwas unbeholfenen US-Präsidenten spielt. Brolin glänzte zuvor bereits im Film "No Country for Old Men" der Coen-Brüder neben Javier Bardem. Elisabeth Banks übernimmt die Rolle von Bushs Ehefrau Laura, der ehemalige US-Präsident Bush Senior wurde mit James Cromwell besetzt, dessen Frau Barbara mit der Schauspielerin Ellen Burstyn. Der Irak-Krieg-Kritiker Stone hatte jedoch lange Zeit Schwierigkeiten, die entscheidende Figur des Vize-Präsidenten Dick Cheney zu besetzen, da es anscheinend an bereitwilligen Interpreten mangelte.

Witzfigur Bush

Aber was erwartet den Zuschauer in diesem bereits vor dem Kinostart umstrittenen Film? "Ungeachtet seiner steilen und fast unlogischen Karriere und seines enormen Einflusses auf die Welt wissen wir wirklich nicht viel über Herrn Bush, als das, was wir in sorgfältig gesteuerten Fernsehbildern zu sehen bekommen", sagt Stone. Der Film sei ein "wahrheitsgemäßes Portrait eines Mannes".

Präsident George W. Bush trägt einen Cowboyhut

US Präsident Bush - wird im Film auch als Privatmann gezeigt

In Bushs Fall heiße das "vom Alkoholiker zu mächtigsten Mann der Welt", oder genauer gesagt, die Wandlung vom betrunkenen und verwöhnten Yale Studenten zum konservativen Politiker, der hauptsächlich durch Beziehungen ins Weiße Haus gelangt, und dort während seiner ersten Amtszeit eine Fehlentscheidung nach der anderen trifft.

Der Film ist eine Parodie auf den 43. Präsidenten der USA und dokumentiert auch peinliche Episoden aus seinem Leben. Auf tragisch-komische Weise wird die Geschichte von einem Typen erzählt, "der sehr beschränkte Talente hatte, außer der Fähigkeit, sich selbst zu verkaufen".

Neben den offensichtlich negativen Aspekten der politischen Karriere Bushs, wird auch die Privatperson Bush im Film portraitiert. Hier erleben Kinogänger Bush in einem Kontrast zu der tyrannischen öffentlichen Figur als sympathischen Sonderling. Langeweile kann zumindest bei einer derartigen Erscheinung gar nicht erst aufkommen, der Unterhaltungswert für das Publikum ist in jedem Fall garantiert.

Skandal - Regisseur

Aufsehen hat der Streifen zumindest schon seit Drehbeginn in Louisiana erregt, denn es handelt sich um einen Film, der in Amerika als besonders kontrovers bezeichnet wird. Bisher hat noch kein amerikanischer Regisseur es zuvor gewagt, einen derart kritischen Film über eine der mächtigsten und einflussreichsten Familien der USA zu drehen, und vor allen Dingen nicht über einen Präsidenten, der noch im Amt ist.

Regisseur Oliver Stone

Der U.S. Regisseur Oliver Stone - erneute Provokation mit seinem Film über Bush

Doch der Oskar-Preisträger Stone kennt sich mit Filmen über US-Präsidenten bestens aus. So drehte er 1995 einen Film über den republikanischen US-Präsidenten Richard Nixon, der wegen der Watergate-Affäre zurücktreten musste, 1991 folgte "JFK – Tatort Dallas", bei dem es um Verschwörungstheorien im Zusammenhang mit dem Attentat auf Präsident John F. Kennedy geht. Mit dem neuen Film möchte Stone wohl mehr bewegen als nur die Gemüter seiner Zuschauer. Sein, wie er selbst es sagt, "bisher schnellstes Projekt" kommt zielgesetzt genau drei Wochen vor den Präsidentschaftswahlen in die Kinosäle, um die Zuschauer und Wähler nochmals über die letzten acht Jahre der Bush-Regierung sowie die Zukunft Amerikas nachdenken zu lassen.

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