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Typisch deutsch

Typisch deutsch

Die politische Laufbahn des 78-Jährigen Otto Schily ist so spannend und wechselhaft wie wenige in der deutschen Nachkriegsgeschichte.

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Beiträge zu diesen Themen bieten Diskussionsstoff und ergänzen das Gespräch bei „typisch deutsch“. So befragt Hajo Schumacher Otto Schily zu seiner wechselvollen beruflichen Karriere als Anwalt, politischer Aktivist und deutscher Innenminister und zu der neu entfachten Lust der Deutschen am protestieren und demonstrieren, wie die Proteste gegen Atomkraft oder Stuttgart 21 zeigen. Außerdem sprechen beide über seinen anthroposophischen Hintergrund, seine Leidenschaft für die Landwirtschaft, das Klavier- und Skatspielen, und seinen Traum einmal die Philharmonie der Nationen zu dirigieren.

Die politische Laufbahn des 79-Jährigen Otto Schily ist so spannend und wechselhaft wie wenige in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Er verteidigte als Anwalt linke Terroristen vor Gericht, war Mitbegründer der Partei die Grünen und Bundesinnenminister für die SPD.

Kurzbiographie

Otto Georg Schily wird am 20. Juli 1932 in Bochum geboren. Sein Vater ist dort Direktor eines Stahlunternehmens. Die Eltern sind Anthroposophen. 1941 lassen die Nationalsozialisten deshalb Bücher im Haus der Familie beschlagnahmen - eine prägende Erfahrung, die sein späteres politisches Denken und Handeln bestimmen. Früh muss er auch schwere Schicksalsschläge hinnehmen. Seine Eltern sterben beide bei einem Verkehrsunfall, da ist er 23 Jahre alt. Zwei seiner drei Brüder sterben kurz nacheinander bei Klettertouren in den Bergen. In den 60er Jahren studiert Otto Schily Jura und sympathisiert offen mit der linken Studentenbewegung. In jener Zeit bezeichnet er sich selbst als liberalen Kommunisten. Er lässt sich als Anwalt in Berlin nieder und verteidigt schon bald einige der Galionsfiguren des Links-Terrorismus wie Horst Mahler und Gudrun Ensslin. Kurz darauf zieht es ihn in die aktive Politik. 1980 wird er Mitbegründer der Partei „Die Grünen“. Doch als Anhänger des realpolitischen Flügels um den späteren Außenminister Joschka Fischer entfremdet er sich zunehmend von der Partei, die damals noch vom starken Fundamentalistischen Flügel dominiert wird. Er tritt über zu den Sozialdemokraten und erwirbt schnell den Ruf als rhetorisch gefürchteter Tribun in diversen Untersuchungsausschüssen. Den Höhepunkt seiner beruflichen Laufbahn erreicht er schließlich 1998. Im Rentenreifen Alter von 66 Jahren wird er Innenminister der ersten rot-grünen Koalition auf Bundesebene. Mit seiner Amtszeit verbunden sind sowohl seine Bemühungen um ein liberales Zuwanderungsrecht, aber auch verschärfte Sicherheitsmaßnahmen, in Folge der Anschläge des 11.September 2001. Seine Antiterrorpakete und die harte Linie bei Abschiebungen bringen ihm den Ruf als „Roter Sheriff“ ein. Er rechtfertigt dies als konsequentes Eintreten für den Schutz der Demokratie und des Rechtsstaates. Seit dem vorzeitigen Ende der Koalition 2005 bleibt Schily zunächst einfacher Abgeordneter des Bundestages. 2009 folgt der vollständige Rückzug aus der Politik. Seither hat er mehr Zeit für sein Landgut in der Toskana und seine Hobbys wie das Klavier, Schach und Skat spielen. Otto Schily ist in zweiter Ehe verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter.