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Filme

Tykwer: Tom Hanks ist meine Idealbesetzung

Der neue Film des deutschen Regisseurs Tom Tykwer, "Ein Hologramm für den König", startet an diesem Donnerstag in den bundesdeutschen Kinos. In der Hauptrolle: Hollywoodstar Tom Hanks.

Tom Tykwers neuer Film "Ein Hologramm für den König" erzählt von einem abgehalfterten amerikanischen Geschäftsmann, der sich von einem IT-Konzern als Vertreter in die Wüste Saudi-Arabiens schicken lässt. Der Mann, gespielt von Tom Hanks, der zuvor Stahl verkaufte, nach einer Firmeninsolvenz jedoch seinen Job verlor, durchleidet noch immer eine massive Lebenskrise. Der Mittfünfziger möchte im Wüstenstaat nun seine letzte berufliche Chance nutzen. Er findet dort nicht nur jede Menge Sand, sondern auch so manche Erkenntnis.

DW: Herr Tykwer, ich habe beim Film eigentlich mehr gelacht als bei der Lektüre des Buches, das deutlich melancholischer ist. Was hat Sie bewogen, die komödiantischen Aspekte herauszuarbeiten?

Tykwer: Das hat sich irgendwie so ergeben. Irgendwann haben mich die absurden Elemente, diese Figur, die da im Nichts rumsteht und eigentlich gar nicht weiß, warum sie überhaupt noch da ist, angezogen. Das ist irgendwie beklemmend, aber das hat ja auch immer eine Absurdität. Und die Absurdität hat mich beim Lesen des Buches sehr zum Lachen gebracht. Ich fand das Buch schon auch komisch. Filme haben ein bisschen so den ökonomischen Druck und dann muss man sich entscheiden. Und ich habe gedacht, ich entscheide mich für diesen Aspekt des Komödiantischen. Dadurch wird der Film auch einen starken, einen deutlichen Unterschied zum Buch markieren. Man will ja nicht einfach das Buch verfilmen. Deswegen habe ich gesagt: Lasst uns die Komödie stark machen. Tom Hanks in der Hauptrolle macht den entscheiden Punkt dabei aus.

Bleiben wir bei der Dramaturgie. Sie haben ja den Schluss des Films ziemlich anders gestaltet, viel positiver als das Buch. Warum?

Ich finde, das Buch hat grundsätzlich einen sehr hoffnungsvollen Ansatz, denn es zeigt Leute, die eigentlich feststecken in ihren Systemen und Kulturen, die aber als Personen gar nicht diese Grenzen in sich tragen, die wirken letztlich von außen übergestülpt. Die haben zwar das Spiel eine lange Zeit mitgemacht, sind jetzt aber schon längst da herausgewachsen. Der Film erzählt von einem Mann, der mit Masken, mit seinen ganzen Manierismen, in das arabische Land fährt. Er denkt, er kann das dort so rocken, hält sich für einen coolen amerikanischen Businessman – aber es funktioniert gar nichts.

Szene mit Tom Hanks in der Wüste Foto: X Verleih

Tom Hanks während der Wüstenwanderung

Er muss erst mal diese ganze Rüstung wegschmeißen. Erst danach entdeckt er sich wieder und plötzlich kann er mit den Leuten richtig Kontakt aufnehmen und das ist eine sehr schöne Idee des Buches, das sagt: Die Systeme wollen uns alle auseinander halten. Auch die politischen und religiösen Systeme halten die Menschen auf Abstand – wir selber sind uns aber schon viel näher, als man glaubt. Es wäre bizarr, dieses Thema zu öffnen und dann nicht zu einem hoffnungsvollen Schluss zu kommen, weil der Mann sich verliebt. Eine saudische Frau und ein amerikanischer Businessman verlieben sich ineinander. Das klingt utopisch, ist aber absolut möglich. Diese Figur der Ärztin ist auch nicht konstruiert. Solche Figuren gibt es. Warum sollte dieses Verhältnis nicht auch wirklich eine Chance kriegen? Ich wüsste nicht, warum ich da jetzt die Depression wieder hätte breit machen sollen.

Tom Hanks als Hauptdarsteller - ist er die perfekte Besetzung für die Rolle des Alan Clay?

Ich glaube zumindest, dass ich den Film nur mit ihm gemacht hätte. Ich hab' das von Anfang an so empfunden und mich bereits seiner vergewissert, bevor ich ernsthaft in die Vorproduktion, in die Vorbereitung, gegangen bin. Ich habe noch nicht mal richtig das Drehbuch zu Ende schreiben wollen, bevor ich mir einigermaßen sicher sein konnte, dass er mitspielt. Und dann habe ich die Rolle für ihn geschrieben. Das merkt man dem Film auch an. Die Rolle ist wirklich maßgeschneidert für ihn. Tom Hanks hat sich da auch wahnsinnig wohl drin gefühlt, hat unheimlich viel riskiert und eigentümliche oder peinliche und seltsame Momente einfach irre gern gespielt, weil er wusste, das stimmt für ihn als Schauspieler hundertprozentig. Das wollte ich auch erreichen.

Sie haben ja schon öfter mit Tom Hanks zusammengearbeitet. Ist er ein Freund geworden?

Ja. Ich würde sagen, unser Verhältnis ist freundschaftlich, weil man so viel Zeit miteinander verbringt und sich manchmal einfach nur anruft, um zu erzählen, dass man einen guten Film gesehen hat. In unserem Fall ist es so, dass es ein Vertrauen und eine Instinktähnlichkeit gibt, die Schauspieler und Regisseure immer aneinander suchen. Man beschnüffelt sich eine lange Zeit und guckt, hat der andere dieselben Impulse. Der Schauspieler Clive Owen hat einmal gesagt: 'In Wahrheit schaut man einfach nur, ob der andere denselben Geschmack hat.' Auch wie etwas gespielt wird, ist oft Geschmacksache. Wir hatten wirklich von Anfang an den gleichen Geschmack.

Sie sind selbst nach Saudi Arabien gereist, um zu recherchieren. Was hat Sie denn am meisten beeindruckt oder auch irritiert?

Deutschland Hans Christoph von Bock, Tom Tykwer und Adrian Kennedy in Berlin Foto: DW

DW-Kino-Spezialisten Hans Christoph von Bock (l.) und Adrian Kennedy (r.) mit Tom Tykwer in Berlin

Die seltsamen Widersprüche des Landes sind mir gleich von Anfang an um die Ohren geflogen. Diese Widersprüche bestehen vor allem darin, dass das, was man als fremd erwartet, viel weniger fremd ist - und wo man Ähnlichkeiten erwartet, ist es genau umgekehrt. Also die ganzen Zuordnungen, die man so hat, die man medial auch eingespeist bekommen hat, die stimmen oder funktionieren alle nicht. Am Ende des Tages ist die hervorstechendste Eigenschaft der Begegnung mit Saudi Arabien die, dass man die Leute trifft und merkt, wir haben uns wirklich was zu sagen. Das ist - bei allen Fremdheits-Aspekten - eine viel vertrautere Form der Begegnung als man es sich überhaupt jemals hätte vorstellen können. Die Chance ist, dass tatsächlich eine Verbindung aufkommt. Man kann richtig in Verbindung zu den Menschen treten und tiefe Verhältnisse aufbauen, die so unerwartet kompatibel sind, wie mir das fast nirgendwo passiert ist.

Politisch steht Saudi Arabien ziemlich in der Kritik. Stichwort: Menschenrechte, IS-Unterstützung, Unterdrückung der Frauenrechte. Kann der Film da irgendwas geraderücken oder vermitteln?

Ich freue mich natürlich, wenn in dem Film etwas formuliert wird, das uns entspannter auf die Lage blicken lässt, nämlich die Tatsache, dass die Projektion des Fremden, die wir oft aus Angst, Unsicherheit oder Unwissenheit auf die sogenannten Anderen werfen, übertrieben ist. Die Menschen sind einander schon so viel näher gekommen durch die neuen Medien, durchs Internet und natürlich auch durch die Reisemöglichkeiten - aber jetzt auch im weiteren Sinne vor allem durch die Online-Communities. Wir ähneln wirklich einander auf eine Weise, die faszinierend ist. Die kulturellen Wurzeln sind natürlich alle noch sehr sichtbar, aber eine bestimmte Form von Offenheit im Diskurs, die ist viel breiter geworden."

In Saudi Arabien gibt es keine Kinos, also wird man den Film dort nicht sehen können. Planen Sie, ihn überhaupt in arabischen Ländern zu zeigen?

Der Film ist in den meisten arabischen Ländern bereits ganz gut verkauft worden. Die Saudis wissen schon, wie sie ihre Filme zu sehen kriegen. Also man kann davon fest ausgehen, dass spätestens in drei Wochen das gesamte Land diesen Film gesehen hat.

Das Gespräch führten Hans Christoph von Bock und Adrian Kennedy.

Tom Tykwer (51) gehört zu den gefragten deutschen Filmregisseuren und Drehbuchautoren. Bekannt wurde er mit Filmen wie "Lola rennt" oder "Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders". Internationale Anerkennung wurde ihm zuteil für die Filme "The International" oder "Cloud Atlas".

Mehr über Tom Tykwer und seinen neuen Film "Ein Hologramm für den König" erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe von KINO.

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