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Kultur

Twittern im Namen des Vaters

Papst Benedikt XVI. sitzt am Tisch, umringt von einigen seiner Kardinäle und Mitarbeiter. Von seinem Tablet aus sendet er seine erste Twitterbotschaft in die Welt. Jetzt sind er und Gott auch im Netz angekommen.

Mittwoch, 12.12.2012: Die Welt wartet gespannt darauf, welche ersten elektronischen Worte Papst Benedikt XVI. auf seinem Twitterkanal @pontifex veröffentlichen wird. Es rätselt und witzelt die Twittergemeinde, "spannend wie im Konklave", schreibt einer, so wie man auf den weißen Rauch warte, warte man nun auf den ersten Tweet.

Die Erwartungen waren unterschiedlich. Viele wünschten sich einen päpstlichen Appell für den Weltfrieden. Andere hätten es gerne gehabt, wenn Benedikt sämtliche Geburtstagskinder dieses Tages gesegnet hätte. Einer erwartete sogar, dass der Papst dem Treiben des nordkoreanischen Regierungschefs Kim Jong Un Einhalt gebieten sollte – der hatte in der Nacht zuvor einen seiner umstrittenen Raketentests gestartet.

Um 11:38 ist er dann einfach da, der erste päpstliche Tweet. Er poppt auf - und die Welt kann in acht Sprachen folgende Worte lesen: "Dear friends, I am pleased to get in touch with you through Twitter. Thank you for your generous response. I bless all of you from my heart."

Ein Screenshot vom 12.12.2012 zeigt die Twitterseite von Papst Benedikt. Der Papst hat am 12.12.2012 seinen ersten persönlichen Tweet verschickt. (Zu dpa: Zwitschernder Benedikt: Von Herzen segne ich euch) Foto: dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Die erste heilige Botschaft des Papstes

Ist das alles?

Aufruhr auf der ganzen Welt. In allen Sprachen hagelt es Kommentare. Von froh und dankbar bis hin zu Schmähbotschaften. Auch das gehört dazu. Die "Trolle" machen auch vor einem heiligen Twitterkanal nicht Halt. Im Vorfeld hatte der Vatikan auf Twitter dazu aufgerufen, dem Papst Fragen zu stellen. Man musste natürlich damit rechnen, dass jede Menge Nonsens eintreffen würde. Ebenso muss man damit rechnen, dass Benedikt XVI. seine Zeit nicht damit verbringt, dies alles auch zu lesen. Dafür hat er einen Social-Media-Menschen, Monsignore Tighe. Der sortiert alles schön und berät seinen Chef in sämtlichen Fragen der digitalen Kommunikation.

Monsignore Tighe ist es sicherlich auch zu verdanken, dass der zweite Tweet eine knappe Stunde nach dem ersten erscheint. Es ist eine Frage: "Wie können wir das Jahr des Glaubens im Alter besser leben?" Kurze Zeit später kommt die päpstliche Antwort: "Sprich mit Jesus im Gebet. Hör Jesus zu, der im Evangelium zu dir spricht. Finde Jesus in den Notleidenden."

Fragen, die die Welt bewegen

HANDOUT - Titelbild der Homepage-Startseite des Titanic Magazins auf der der Papst mit zwei riesigen Limonadenflaschen dargestellt ist, zur Verfügung gestellt vom Magazin Titanic am Mittwoch (11.07.2012). Foto: Titanic +++(c) dpa - Bildfunk+++

Häme sieht man nicht gerne in Rom. Kritik aber auch nicht.

Ich würde den Papst lieber etwas anderes fragen. Zum Beispiel nach seiner Auffassung von Moderne. Wie kann man einerseits mit iPads hantieren und lustig herumtwittern, während man andererseits diese unbewegliche Haltung zu den Themen Frauen, Verhütung, Homosexualität und Abtreibung bewahrt? Wie steht es mit dem Zölibat? Und der Ökumene?

Ob man auf Kritik eingehen wird, sich auf Diskussionen einlässt, oder ob die Twitterkanäle des Papstes reine Verkündigungsplattformen sind, das wird sich vermutlich schon bald herausstellen.

"Kann man Twitter mit einer digitalen Kanzel vergleichen, einem Ort zum Predigen?" fragte die Bloomberg Business Week kürzlich den Monsignore. Tighe antwortete: "Es ist fast so wie früher, als Jesus die Leute auf den Marktplätzen ansprach und erreichte. Genau dort müssen wir hin, mit all den Missverständnissen und Schwierigkeiten, die uns dort begegnen. Weil dies der Ort ist, wo wir die Leute erreichen."

Der Account @pontifex hat insgesamt acht Kanäle in allen wichtigen Sprachen. Latein fehlt leider dabei. Bis Mittwoch vormittag hatten alle Kanäle zusammen eine gute Million Follower. Innerhalb eines Tages hat @pontifex 700.000 weitere Jünger bekommen. Schaut man sich den Account genauer an, erkennt man, dass er selbst sieben Twitteraccounts folgt. Schaut man noch genauer hin, erkennt man: Es sind jeweils die sieben eigenen: Der Papst folgt sich selbst. In diesem Fall sind die Wege des Herrn nicht unergründlich.

https://twitter.com/Pontifex

Das ist @pontifex vor wenigen Tagen. Inzwischen hat der Kanal fast zwei Millionen Follower