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Politik & Gesellschaft

Twittern bis das Smartphone qualmt

Der Eurovision Song Contest ist längst in der Welt der sozialen Netzwerke angekommen. Auf der digitalen Tummelwiese kommen Fans und Gegner auf ihre Kosten – und haben oft mehr zu lachen als vor dem Fernseher.

Mann und Frau mit Smartphone (Foto: dpa)

Spätestens als kurz nach Mitternacht ein Twitter-User vorschlug "man sollte sich mit der korrekten deutschen Schreibweise von Assabeidschjahn vertraut machen", wurde immer mehr Benutzern des Mikroblog-Dienstes klar, dass die Sensation perfekt war: Das kleine Nachbarland der Türkei am Kaspischen Meer hatte den Eurovision Song Contest in Düsseldorf für sich entschieden.

"Kosmische Symmetrie"

Vorher hatten noch wilde Spekulationen die Tweets bestimmt: "Wenn Spanien heute gewinnt, gewinnen wir nächstes Jahr die EM. Kosmische Symmetrie. Denkt mal drüber nach!" Spätestens aber als die ersten Punkte beim "Voting" auf der gigantischen Videowand in der Düsseldorfer Arena aufleuchteten, meldeten sich die Anhänger altbekannter Verschwörungstheorien zu Wort: "Ok, dieses Jahr läufts also wie sonst immer ab. Nachbarländer beschmeißen sich gegenseitig egal wie scheiße sie waren. Schade." Oder "immer wieder der gleiche Mist: Punkteschieberei bei den Ostblockstaaten..." – gefolgt von "Wer verstehen will, warum die EU nicht funktioniert, sollte sich das Voting zum ESC genauer anschauen."

Als immer klarer wurde, dass Lenas "Operation Titelverteidigung" scheitern würde, überschlugen sich die Nachrichten auf Twitter: Wortmeldungen wie "Ohh, Lena gewinnt ja doch nicht" oder "Lena ist schon im Hotel Koffer packen" waren dabei die eher harmlosen. Jedesmal, wenn nur wenige oder gar keine Punkte beim "Voting" an Lena gingen, geisterten Sätze wie "Notiz an mich selbst: nächsten Frankreich Urlaub stornieren!"und "Dafür dass die halbe Türkei in Deutschland lebt sind 3 Punkte aber arm…" durchs Netz. Andere fragten resigniert "Wieso kriegen Irland und Deutschland so wenig Punkte?!"

Langeweile auf Facebook

Während auf Twitter die Emotionen hoch kochten, herrschte auf den Facebook-Seiten gähnende Langeweile. Besonders auf den offiziellen Seiten der Veranstalter tat sich kaum etwas. Als vor Millionen Bildschirmen und über Mobiltelefone darüber gerätselt wurde, warum Ell & Nikki aus Aserbaidschan so mit Punkten überschüttet wurden, trauerte eine Reihe von Facebook-Usern noch dem Ausscheiden der Türkei und Norwegens im Halbfinale nach. Ein anderer Facebooker fragte sich: "Warum mag eigentlich jeder die Schweiz. Die waren furchtbar. Wer die mag, der muss taub sein." Letztendlich landeten die Eidgenossen auf dem letzten Platz. Dabei waren Wortmeldungen wie diese noch die spannendsten beim größten Sozialen Netzwerk der Welt.

Tweets am Abend des European Song Contest

Tweets am Abend des European Song Contest

Witziger und spontaner ging es bei Twitter zu: Die Sängerin aus Österreich wurde mit dem Kommentar "ein Mix aus Whitney Housten, Celine Dion und Lenas Kleiderschrank" der Lächerlichkeit preisgegeben. Die vorher hoch gehandelten Iren mit absurd auftoupierten Haaren kamen nicht besser weg: "Das Sprichwort muss neu geschrieben werden: Iren sind peinlich. Teletubbies auf Ecstacy." In den Tweets meldete sich ein User zu Wort mit dem Spruch: "Mit dem georgischen Beitrag schrecke ich morgen früh meine Frühstückseier ab."

Besonders viel Hohn und Spott hatten die Twitter-User für Griechenland übrig: "Wenn die Griechen gewinnen, findet der nächste ESC unter dem Rettungsschirm statt." und "Griechenland hätte wohl lieber sparen sollen - gute Sänger sind teuer." Auch der vor dem "Voting" auftretende Rapper Jan Delay wurde durch den Kakao gezogen: "Na toll, jetzt singt auch noch der Logopäde von Herbert Grönemeyer."

Virtuelle Reise ans Ende der Welt

Am Ende dominierten unter den deutschen Twitter-Fans die sarkastischen Kommentare: "ESC in Aserbaidschan ist wie WM in Katar. Realität". Und in Anspielung auf den deutschen Trainer der aserbaidschanischen Fußballnationalmannschaft: "Bertis Rache. Finally" und "den ESC 2012 in Aserbaidschan wird übrigens Berti Vogts moderieren."

Andere machten sich über die Zeitverschiebung zur so weit entfernten aserbaidschanischen Hauptstadt Baku ihre Gedanken - oder zerbrachen sich den Kopf darüber, ob es dort überhaupt eine Halle geben wird, die "groß genug für den ESC ist. Ich wette, in Baku werden gerade schon ganz hektisch die Planierraupen ausgeparkt." Oder es wurde spöttisch gefragt: "Wird die Eurovision nächstes Jahr in Farbe oder schwarz weiß ausgestrahlt?"

Die Enttäuschten versuchten sich und andere zu rösten: "Aber als Gastgeber waren wir super... Hatte ich schon die LED Wand erwähnt?" – "Egal! Danke Lena, dass du den ESC nach Deutschland gebracht hast." – "Ich kann mir nicht helfen, aber Lenas Song war für mich eindeutig der am wenigsten schlimme."

Autor: Thomas Kohlmann
Redaktion: Christian Walz

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