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Wirtschaft

Twitter rockt nicht mehr

Die Aktie im Keller, die Nutzer-Zahlen stagnieren, die Konkurrenz mit Instagram und WhatsApp im Nacken: Beim Kurznachrichtendienst Twitter ist Feuer unterm Dach. Jetzt gehen vier Spitzenkräfte auf einmal.

Jack Dorsey, Twitter-Gründer und Milliardär, hat ein großes Vorbild. Es ist der verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs. Der hat nicht nur die einst schlingernde Firma Apple wieder saniert und zur Kultfirma hochgejazzt, sondern auch noch mit dem Animationsfilm-Spezialisten Pixar-Studios erfolgreich eine zweite Firma aufgebaut und für gutes Geld, nämlich 7,4 Milliarden US-Dollar, an Disney verkauft.

Zwei Firmen wachsen und gedeihen lassen - genau das traut sich der Twitter-Gründer auch zu. Morgens sitzt er im Büro von Twitter in der Market Street in San Francisco, nachmittags sitzt er ein paar Blocks weiter, ebenfalls in der Market Street und leitet sein zweites Kind, den Bezahldienst für mobile Anwendungen namens Square, der im Dezember an die Börse gegangen ist.

Nutzerzahlen stagnieren

Beide Kinder an der Börse - was will man mehr, könnte man meinen. Doch ausgerechnet beim erstgeborenen Kind läuft es nicht mehr rund. Twitter schaffte es in den vergangenen Jahren nicht, neue Nutzer zu begeistern. Der Kurznachrichtendienst steht außerdem wegen ausbleibender Profite unter dem Druck der Investoren und hat auch sonst mit heftigen Problemen zu kämpfen. In den vergangenen zwölf Monaten wechselte die Firma fast das komplette Management aus und erlebte einen Abzug von Talenten, der auf dem heiß umkämpften Arbeitsmarkt des Silicon Valleys nur schwer verkraftbar ist.

Jetzt hat der Konzern auch noch vier weitere Spitzenkräfte auf einmal verloren. Darunter ist Produktchef Kevin Weil, der in der Technologie-Szene oft als das Gesicht des Unternehmens auftrat. Jack Dorsey erklärte in einem Tweet, die Führungskräfte seien auf eigenen Wunsch gegangen. Dorsey war im Juli an die Konzernspitze zurückgekehrt, um in der Wachstumsflaute das Ruder herumzureißen. Seitdem haben mehrere Führungskräfte die Segel gestrichen, eine Abgangswelle wie jetzt gab es aber noch nicht.

Mutige Kurswechsel...

Dorsey selbst bestätigte in seinem Tweet den Bericht eines Technologie-Blogs über den Abgang der vier Manager. Dazu gehört auch Medien-Direktorin Katie Jacobs Stanton, die vor ihrem Twitter-Job auch für den in Alphabet umbenannten Internet-Riesen Google gearbeitet hat. Auch die Leiter der Technik- und der Personalabteilung, Alex Roetter und Brian Schipper, gehen.

Vor rund zehn Tagen erst hatte Dorsey potenzielle Neuerungen beim Twitter-Dienst angekündigt - wie dem Wegfall der Begrenzung von Nachrichten auf 140 Zeichen. So gebe es Überlegungen, den Usern auch Tweets mit bis zu 10.000 Zeichen zu erlauben - was innerhalb der Twitter-Gemeinde unter den Hashtag #twitter10k heftige Diskussionen ausgelöst hatte.

….aber in welche Richtung?

Dorsey hatte schon im Herbst erklärt, das Unternehmen aus San Francisco werde "mutige Kurswechsel" vollziehen. Einen detaillierten Plan, wie er die 2006 gegründete Firma zum Erfolg zurückführen will, blieb er bisher aber schuldig. Der Milliardär plant Insidern zufolge diese Woche Beratungen mit seinem obersten Führungsteam. Mitglieder des Vorstands sollen laut Dorsey vorerst auch die Aufgaben ihrer neuen Ex-Kollegen übernehmen. Möglicherweise müssen auch die Aufgaben von Jason Toff neu verteilt werden, der den Video-Dienst Vine leitet und twitterte, er werde zu Google wechseln. Dorsey erwähnte Toff in seiner Personalmeldung aber nicht.

Twitter setzt vor allem die Konkurrenz von Facebook zu, das mehr als 1,5 Milliarden Nutzer hat. Nicht nur mit dem kostenlosen Foto- und Videoaustauschdienst Instagram, sondern auch mit dem Messaging-Dienst WhatsApp hat sich das soziale Netzwerk breit aufgestellt. Seit Dorseys Rückkehr an die Twitter-Spitze brachte zwar auch der Kurznachrichtendienst neue Angebote, die Nutzerzahl stieg dadurch aber nicht entscheidend. Vielmehr wuchs sie 2015 so langsam wie noch nie und ist mit rund 300 Millionen hinter Instagram mit 400 Millionen zurückgefallen.