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Hintergrund

@twitter: Happy b'day!

Gezwitschert wird inzwischen pausenlos. Mehr als 200 Millionen Menschen nutzen den Kurznachrichtendienst Twitter. Jeden Tag werden 140 Millionen "Tweets" abgeschickt. Doch ein belastbares Geschäftsmodell fehlt.

Der blaue Vogel und der twitter Firmenschriftzug. (Foto: twitter.com)

Der blaue Vogel ist das Symbol von Twitter

"Richte soeben mein Twitter ein", so lautete die erste Mitteilung des Kaliforniers Jack Dorsey am 21. März 2006 vor fünf Jahren. Was damals mit einem leisen Pieps anfing, ist inzwischen zum konstanten Hintergrundrauschen des modernen Lebens angeschwollen. Die Twitterer geben Kneipentipps weiter, prangern Menschenrechtsverletzungen an, reden übers Wetter oder organisieren gar Revolutionen.

Der Geburtsort von Twitter ist ein Spielplatz in Kalifornien. Ein paar Technikfreaks der Firma Odeo, die von San Francisco aus einen Podcasting-Dienst entwickeln wollte, saßen auf einer Kinderrutsche im Park. Der Entwickler Jack Dorsey schlug vor, kurze Statusmeldungen an alle Teammitglieder per SMS zu senden, damit jeder weiß, woran die anderen arbeiten. Zunächst war der Kurznachrichtenticker nur ein Abfallprodukt ohne Ambitionen und Geschäftsmodell, erfreute sich aber schnell steigender Beliebtheit.

Ein Profil eines Twitterers. (Foto: twitter.com)

140 Zeichen - Ein Profil eines Twitterers

"Daraus kann sich etwas Wichtiges entwickeln"

Dorsey entwickelte die Idee mit seinen Kollegen Biz Stone und Evan Williams weiter. Die drei Tüftler hatten früh das Gefühl, mit Twitter den Nerv der Zeit zu treffen. "Bei all dem Spaß, den wir hatten, war im Hinterkopf doch immer die Vorstellung, dass sich daraus etwas Wichtiges entwickeln könnte", sagte Twitter-Mitbegründer Stone im Interview mit der Nachrichtenagentur AFP. "Das haben wir damals allerdings nicht laut gesagt."

Die gegenwärtige Entwicklung bestätigt den anfänglichen Optimismus. Im vergangenen Jahr schickten Twitter-Nutzer 25 Milliarden Kurzbotschaften, sogenannte "Tweets", hinaus in die Welt. Täglich melden sich derzeit 460.000 neue Nutzer an. Twitter beschäftigt inzwischen 400 Menschen, fast jede Woche kommen neue Mitarbeiter hinzu.

Twitters Vorteil: Einfache Bedienbarkeit

Der Dienst an sich ist simpel: Nutzer veröffentlichen Nachrichten von maximal 140 Zeichen Länge - weniger, als in eine SMS passt. Dank Hyperlinks können sie aber auf längere Texte, Bilder oder Videos verweisen. Wen das interessiert, der kann als "Follower" die "Tweets" abonnieren und über den PC oder ein internetfähiges Handy abrufen. Anders als zu Beginn spielen SMS heute nur noch eine untergeordnete Rolle.

Die Plattform gewann mit der Zeit enorm an politischer und gesellschaftlicher Relevanz. Was anfangs als Netzwerk zum Austausch von Belanglosigkeiten belächelt wurde, ist zum machtvollen Instrument sozialen Wandels geworden. Die Demonstranten in der arabischen Welt etwa umgehen mit Twitter die staatliche Repression.

Proteste in Ägypten (Foto: ap)

Twitter half bei der Kommunikation der Proteste in Ägypten

Hilfsmittel bei Protesten

Als die Menschen im Iran 2009 gegen das Mullah-Regime auf die Straße gingen, half Twitter gemeinsam mit dem Videoportal YouTube, Bilder vom brutalen Vorgehen der Machthaber zu verbreiten. Und als nach dem verheerenden Erdbeben in Japan die Telefonleitungen ausfielen, erreichte mancher Technikfreund seine Familie mit einem Tweet. Twitters Vorteil - es ist einfach und schnell.

Neben der politischen Dimension besteht Twitter aber zum Großteil aus privatem Geschwätz. Es hat Twitter den Beinamen "Quasselbude" eingebracht. Für viele User hat das aber auch einen Reiz. Twitter verschafft ihnen Zugang zu Menschen, an die sie sonst nicht herankommen würden. Nutzer können zum Beispiel die Tweets ihrer Idole abonnieren und in Echtzeit verfolgen. Die meisten registrierten Abonnenten hat Popstar Lady Gaga - es sind fast neun Millionen. Teenie-Idol Justin Bieber kommt auf 8,1 Millionen Follower, US-Präsident Barack Obama liegt mit knapp sieben Millionen auf Platz vier.

Der Account bei Twitter von Königin Rania von Jordanien.

Auch Königin Rania von Jordanien twittert

Twitter ist erfolgreich, und doch gibt es eine wunde Stelle: Die Beliebtheit schlägt sich noch nicht in Einnahmen nieder, in finanzieller Hinsicht ist Twitter nicht profitabel. "Wir sind erst in der Anfangsphase der Einnahmesteigerung", sagt Stone. Umsatz bringen bislang vor allem Kooperationen mit den Suchmaschinen Google und Bing. Werbung bringt dagegen noch nicht das erhoffte Geld - und wird von manchen Anwendern auch kritisch gesehen. Ein Börsengang ist nicht geplant.

Mitbegründer Stone vergleicht den Entwicklungsstand von Twitter mit dem eines Kindes, das gerade erst in den Kindergarten kommt. "Wir stehen hier gerade erst am Anfang eines Lebens voller Potenzial und Abenteuer", sagt Stone. "In den vergangenen Jahren haben wir eigentlich erst Laufen gelernt." Trotzdem steht die Finanzierbarkeit für das Team jetzt verstärkt im Fokus - damit es finanziell nicht bergab geht.

Autor: Arne Lichtenberg (afp, dpa)
Redaktion: Dеnnis Stutе

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