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Wirtschaft

Twitter für Labertaschen

Nach monatelangen Gerüchten bestätigt Firmengründer Jack Dorsey: Der Kurznachrichtendienst Twitter will tatsächlich längere Texte einführen, allerdings sollen auch die kurzen Tweets erhalten bleiben.

"Beyond 140" nennt der Kurznachrichtendienst mit Sitz in San Francisco sein aktuelles Experiment: Das Social-Media-Portal testet dabei verschiedene Ansichten von längeren Tweets mit bis zu 10.000 Zeichen. Gerüchte dazu tauchten schon im September auf und sorgten für so viel Aufregung, dass sich das Unternehmen nun endlich selbst dazu geäußert hat.

Firmengründer Jack Dorsey nutzt einen

Screenshot auf Twitter

, um die Pläne in einem langen Text zu erklären. Er beschwichtigt, ein Großteil der Tweets werde weiterhin kurz und prägnant bleiben. Man habe aber beobachtet, dass viele User längere Texte in Screenshots packen und diese als Fotos hochladen würden. Fotos sind jedoch nicht als Text durchsuchbar. Das will Twitter ändern und testet deshalb andere Varianten. So könnte ein längerer Tweet mit Klick darauf ausgeklappt werden.

"Zeitverschwender"

Ansonsten aber bleibe es dabei: Twitter sei ein Live-Medium, schnell und auf Dialoge ausgerichtet, schreibt Dorsey. Daran werde sich auch in Zukunft nichts ändern. Indes: Die Antworten in den sozialen Netzwerken, namentlich auf Twitter selbst, kamen prompt - und waren nicht immer freundlich. So schreibt ein Jeff Mayes sinngemäß: "Macht weiter so, dann verwandelt ihr Twitter von einem nützlichen Tool zu einem noch größeren Zeitverschwender als Facebook." Und Twitter-Nutzer Stefan Müller-Veeh vermutet scherzhaft, dass Twitter wohl den Frauenanteil erhöhen wolle. In der deutschen Ausgabe von Twitter rangiert der Hashtag #twitter10k übrigens direkt nach #koelnhbf auf dem zweiten Platz.

Hintergrund dieser Kehrtwende in der Firmenpolitik des Kurznachrichtendienstes sind offenbar die stagnierenden Nutzerzahlen. Der Dienst schaffte es in den vergangenen Jahren nicht, neue Nutzer zu begeistern. Er steht außerdem wegen ausbleibender Profite unter dem Druck der Investoren und hat auch sonst mit heftigen Problemen zu kämpfen. In den vergangenen zwölf Monaten wechselte die Firma fast das komplette Management aus und erlebte einen Abzug von Talenten, der auf dem heiß umkämpften Arbeitsmarkt des Silicon Valleys nur schwer verkraftbar ist.

Verzweiflung?

Viele Beobachter interpretieren deshalb den neuen Coup von Jack Dorsey als einen Akt der Verzweiflung. Das Unternehmen hat bereits diverse Änderungen eingeführt. So ist es beispielsweise bereits seit geraumer Zeit möglich, sich private Nachrichten jenseits der 10.000 Zeichen zuzusenden. Doch keine der vermeintlich innovativen Neuerungen hat einen nennenswerten Wachstumsschub bei den Usern gebracht.

Zudem hat Firmengründer und Milliardär Jack Dorsey noch ein zweites Problem - er ist auch Gründer und Chef des mobilen Bezahldienstes Square, das im November an die Börse ging und seitdem rund 16 Prozent an Börsenwert verloren hat. Die einst beim Börsengang mit sechs Milliarden Dollar bewertete Firma konzentriert sich darauf, zum Komplettservice für kleine Ladeninhaber zu werden. Dorsey wollte mit einem mobilen Kreditkartenleser ursprünglich den Handel revolutionieren - jetzt backt er auch hier kleinere Brötchen. Dass sich der ambitionierte Dorsey mit der Führung von Twitter und Square beide Aufgaben zutraut, ist kein Geheimnis - immerhin hatte sein Vorbild Steve Jobs mit Pixar und Apple ebenfalls zeitweise zwei Firmen gleichzeitig geführt.

Dieser Text hat übrigens 3451 Zeichen.

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