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Aktuell Europa

Twitter-Account von Russlands Ministerpräsidenten Medwedew gehackt

Zweieinhalb Millionen Menschen folgen Dmitri Medwedew auf Twitter. Viele werden sich gewundert haben: Was schreibt der russische Regierungschef da? Der Ministerpräsident wurde Opfer einer Hackerattacke.

Im Gegensatz zu Kremlchef Wladimir Putin gilt der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedew als leidenschaftlicher Nutzer des Internets. Er kommuniziert viel über soziale Netzwerke - auch über Twitter. Und dort stand plötzlich Überraschendes: "Ich trete zurück", hieß es kurzzeitig. "Ich schäme mich für die Handlungen der Regierung. Verzeihung."

Es läuft eine Suche nach den Hackern

Die Regierung in Moskau reagierte schnell: Es handele sich um einen Hackerangriff, teilte der Kreml mit. Die Nachrichten stammten nicht von dem Ministerpräsidenten und seien unzutreffend. Die kremlkritischen Inhalte wurden schnell entfernt. Dem früheren russischen Präsidenten Medwedew folgen bei Twitter zweieinhalb Millionen Menschen. Unklar war zunächst, wer hinter dem Angriff stand. Es laufe eine Suche nach den Hackern, teilte Medwedews Pressestelle mit. Im Keim ersticken konnte der Kreml das PR-Desaster freilich nicht: Medwedews vermeintlicher Rachefeldzug gehörte am Donnerstag zu den meistdiskutierten Twitter-Themen in Moskau.

Putin-Sprecher Dmitri Peskow sagte, der Fall zeige, dass die Informationssicherheit gewährleistet werden müsse. Kommentatoren befürchten, dass solch ein Hacker-Angriff auch genutzt werden könnte, um die Freiheit im Internet in Russland weiter einzuschränken. Im größten Land der Erde sind mehrere regierungskritische Webseiten gesperrt.

Stecken Kremlgegner hinter dem Angriff?

Verantwortlich sein könnten für den Hacker-Angriff die Gründer des seit Ende Juli gesperrten Portals Shaltay Boltay, wie der Radiosender Echo Moskwy berichtete. Die anonymen Regierungskritiker hatten auf der Enthüllungsplattform kompromittierendes Material über Staatsfunktionäre veröffentlicht. Medien berichteten auch, dass ebenso russische Geheimdienste den Account geknackt haben könnten, um Medwedew bloßzustellen. In der Vergangenheit hatte es wiederholt Spekulationen um einen möglichen Rücktritt des Regierungschefs gegeben. Ultrakonservative werfen Medwedew eine zu liberale Haltung vor.

"Die Krim gehört uns gar nicht"

Zu lesen war in Medwedews Twitter-Blog auf Russisch kurzzeitig unter anderem: "Ich wollte schon immer sagen. Wowa! Du hast nicht Recht!" Wowa ist die Kurzform des russischen Vornamens Wladimir. Oft wird Kremlchef Wladimir Putin im Volksmund Wowa genannt. "Die Krim gehört uns gar nicht", konstatierte der falsche Regierungschef - und empfahl seinen Lesern auch gleich, diese Erkenntnis doch bitte weiterzuverbreiten. Der Zeitpunkt für seine Krim-Botschaft war offenbar bewusst gewählt, schließlich trafen Medwedew und Putin am selben Tag Abgeordnete der Duma auf der Schwarzmeerhalbinsel. Die Hacker schrieben zudem: "Die russischen Bürger sollten nicht leiden müssen, nur weil die Führung des Landes Probleme mit dem gesunden Menschenverstand hat." In anderen Einträgen stand, dass Medwedew "freier Fotograf" werden wolle und ein Anhänger des Kremlkritikers Alexej Nawalny sei.

cr/kle (dpa, afp)