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Kultur

TV-Kult im Comic-Format

24 Jahre lang kämpfte Inspektor Stephan Derrick im Fernsehen gegen das Verbrechen in München. Jetzt ermittelt er im Kino - als Comicfigur. Tappert, Trenchcoat und Tränensäcke sind wieder im Einsatz.

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Derrick in Aktion

Vor sechs Jahren verabschiedete sich Oberinspektor Stephan Derrick vom deutschen Fernsehzuschauer. Nach 281 Folgen bei der Münchner Kriminalpolizei wollte er sich neuen Aufgaben widmen und auch mal seinem ewigen Assistenten Harry Klein eine Karrierechance geben. Aber nun kehrt das Ermittlerduo zurück, diesmal sogar auf die große Leinwand. Ab 1. April 2004 läuft der Zeichentrickfilm "Derrick - die Pflicht ruft!" in den deutschen Kinos. Und die Produzenten sind zuversichtlich, dass auch bald die Zuschauer im Ausland über die alten Dialoge lachen - schließlich ist bereits die ZDF-Fernsehserie ein weltweiter Exportschlager.

Erfolg der Tugend

In 102 Länder wurde die Serie "Derrick" verkauft. Ob in China, auf den Fidschi-Inseln oder in Kenia, jeder kennt den pflichtbewußten deutschen Inspektor mit dem Trenchcoat und den Tränensäcken sowie seinen Assistenten, der sowieso nichts zu sagen hat. Derrick ist Kult! Aber warum? Viel Abwechslung bieten die einzelnen Folgen nicht. "Ein Mord geschieht, wir fahren durch die Stadt und erscheinen am Tatort. Derrick denkt angestrengt nach und Harry gibt ab und zu einen Kommentar ab", so beschreibt Harry-Darsteller Fritz Wepper das immer gleiche Handlungsmuster.

Doch genau das macht den internationalen Erfolg des Münchner Polizisten-Duos aus. Denn "Derrick" verspricht eine bessere Welt: Stets ermittelte er mit Bedacht und Köpfchen, wohl erzogen und gut gekleidet. Dank seiner bestechenden Logik konnte der Oberinspektor nahezu alle Mordfälle lösen. Ein beruhigender Anblick für die Zuschauer aus den Metropolen der Welt angesichts der Kriminalität vor ihrer eigenen Haustür.

Action auf die alten Tage

Auf große Knalleffekte wurde also meist verzichtet. Die liefert nun der Comic-Film unter der Regie von Zeichentrick-Spezialist Michael Schaack, der auch die Kinoerfolge "Werner" und "Das kleine Arschloch" inszenierte. Den Produzenten erschien das Konzept der Serie doch ein wenig dürftig für einen Kinofilm. Jetzt gehen Häuser in die Luft, während Stephan und Harry als gezeichnete Figuren spektakuläre Stunts, Verfolgungsjagden und Fallschirmsprünge erleben dürfen.

In "Derrick - die Pflicht ruft" lernt der Oberinspektor auf seine alten Tage auch ein ganz neues Milieu kennen. Fernab der Münchner Vorstadtvillen muss er in der schillernden Welt des deutschen Showgeschäfts ermitteln. Dabei war Derrick schon auf dem Weg nach Lappland, um den dortigen Kollegen bei der Verbrechersuche unter die Arme greifen. Dann geschieht in München aber ein schrecklicher Mord und der gewissenhafte Polizist eilt schnellstens an seinen Arbeitsplatz zurück: Die Favoriten des Vorentscheids zum "Eurovision Song Contest" wurden umgebracht. Und alle weiteren Kandidaten stehen unter Verdacht. Dubios erscheint vor allem der abgehalfterte Schlagerstar Arno Hello.

Kritik und Vorfreude

Dem bösen Buben Arno leiht der singende "König von Mallorca" Jürgen Drews seine Synchronstimme. Und die Dialoge zwischen Stephan Derrick und Harry Klein sprechen natürlich Horst Tappert und Fritz Wepper, die auch gemeinsam in der Fernsehserie ermittelten. Sie äußerten sich begeistert über den Film, auch wenn ihre Figuren im Comic übers Maß parodiert werden.

Im Gegensatz dazu erntete die Handlung vorab zum Teil vernichtende Kritik. "Die Parodie ist eine gute Idee, vor allem die Figur Derrick ist gelungen, aber die Geschichte ist doch sehr an den Haaren herbeigezogen", meint auch Patrick Heisch vom deutschen Derrick-Fanclub. Trotzdem wird wohl kaum ein Fan auf das Wiedersehen mit ihrem Oberinspektor verzichten.

Die Produzenten wollen nun die Resonanz in Deutschland abwarten, bevor sie "Derrick - die Pflicht ruft!" auch dem Ausland anbieten. Um den Erfolg zu sichern, wird rund um den Film viel geboten: Sammlerstücke wie Derrick-Wackelpuppen und Derrick-Kaffeebecher sollen den Kultstatus erhöhen. Nur vor einer Sache haben die Macher noch Respekt - vor der Fernsehserie. Der Film soll deshalb kein Startschuss zu einer Comic-Serie sein, sondern eine einmalige Rückkehr des Inspektors Derrick. Denn wie sagte der doch so schön: "Jeder Mord ist das Ende einer Geschichte. Er schließt ein Kapitel ab."

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