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Meinungsforschung

TV-Duell: Deutsche sehen Angela Merkel vor Martin Schulz

Kurz vor dem Fernsehduell sehen Wähler Kanzlerin Merkel als Favoritin vor Herausforderer Martin Schulz, zeigt der Deutschlandtrend. Spannender ist der Blick auf die kleinen Parteien und die Koalitionsoptionen.

Der Wahlkampf in Deutschland kommt nun in seine ganz heiße Phase. Denn am Sonntag findet das TV-Rededuell zwischen Angela Merkel und Martin Schulz statt. Die Kanzlerin von der CDU und ihr Herausforderer von der SPD werden sich zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr im Hauptabendprogramm der vier größten Fernsehprogramme 90 Minuten lang streiten. Jeder Zweite wolle sich das Duell anschauen, hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa ermittelt. In vielen deutschen Medien wird das TV-Großereignis als letzte Chance für Schulz bewertet, das Ruder zu seinen Gunsten herumzureißen.

Doch die Chance ist sehr klein, hat nun das Meinungsforschungsinstitut Infratest-Dimap für den ARD-Deutschlandtrend bei rund 1000 repräsentativen Telefoninterviews mit Wählern herausgefunden. Fast zwei Drittel sehen schon jetzt Merkel als Gewinnerin. Nur 17 Prozent trauen Schulz zu, besser abzuschneiden. Selbst unter SPD-Anhängern hat Merkel die Nase vorn. Auch bei den anderen Parteien - CDU/CSU, Linke, Grüne, FDP und AfD - glaubt die große Mehrheit an die Kanzlerin. Für Schulz bedeutet dieser Umfrage zufolge das TV-Duell also eine echte sportliche Herausforderung.

Die Werte ähneln übrigens den Umfragewerten vor dem vorletzten TV-Duell 2009, damals gegen Frank-Walter Steinmeier. Im Jahr 2013 hatte Merkel dann eine schlechtere Ausgangsposition.

Auch Merkel büßt ein 

Auch bei einer zweiten zentralen Frage, dem direkten Vergleich zwischen Merkel und Schulz, behält die Kanzlerin ihren großen Vorsprung: Könnten die deutschen ihren Regierungschef direkt wählen, würde jeder Zweite Merkel die Stimme geben. Bei Schulz ist es nur jeder Vierte. Bei dieser Frage ergibt sich allerdings ein anderes Bild beim Blick auf die jeweiligen Parteianhänger. Dreiviertel der SPD-Anhänger würden Schulz wählen. Auch bei den Linken ist Schulz beliebter als Merkel - aber nicht bei den Grünen.

Allerdings müssen beide Federn lassen. Schulz sinkt auf den niedrigsten Wert überhaupt. Merkel hat acht Prozentpunkte eingebüßt und liegt wieder deutlich unter ihrem Bestwert von 57 Prozent vom Juli.

Merkel und die Liberalen - Schwarz-Gelb holt auf

Und mit wem soll Merkel dann regieren, sollte sie wieder Kanzlerin werden, was sich anscheinend so viele Wähler wünschen? Hier hat Infratest-Dimap gegenüber dem Frühjahr eine deutliche Verschiebung gemessen. Eine sogenannte schwarz-gelbe Koalition aus CDU/CSU und der FDP wünschen sich sieben Prozentpunkte mehr als noch im April. Die Beliebtheit ist auch bei den Parteianhängern groß: 77 Prozent bei CDU/CSU und sogar 89 Prozent bei den Liberalen.

Um eben solche sieben Prozent dagegen ist die Beliebtheit einer Große Koalition aus CDU/CSU und SPD geschrumpft - obwohl diese Koalition insgesamt noch vorn liegt. Auch für Schwarz-Grün, also CDU/CSU mit Grünen, geht es um fünf Prozentpunkte nach unten. Die derzeit im politischen Berlin am meisten diskutierte Koalition aus CDU/CSU mit Grünen und FDP - Jamaika-Koalition genannt - kommt auf eine positive Bewertung bei 27 Prozent der Wähler. Genauso viele würden aber auch SPD, Linke und Grüne gut finden - nur dafür müsste erst einmal die SPD mit Martin Schulz gewinnen, wonach es derzeit wie schon seit vielen Wochen nicht aussieht.

AfD nun drittstärkste Kraft

Bei der Sonntagsfrage, welche Partei gewählt würde, haben CDU/CSU und FDP jeweils einen Punkt eingebüßt. Für Schwarz-Gelb reicht das aktuell nicht. Die SPD konnte leicht zulegen. Bemerkenswert allerdings ist, dass die AfD nun mit 11 Prozent drittstärkste Kraft im Parlament wäre. Sollte es eine Wiederauflage der Großen Koalition geben, dann wären die Rechtspopulisten nach derzeitigem Stand stärkste Oppositionsfraktion im Bundestag. Unter manchen Parteistrategen konnte dieses Szenario zur Überlegung führen, eine Koalition ohne die SPD zu machen. Nur damit die Sozialdemokraten und nicht die AfD dann Oppositionsführer wären. Obwohl es diesen Begriff offiziell im Bundestag so gar nicht gibt. Wohl aber gibt es bestimmte Vorzüge bei Rednerlisten und der Besetzung von Ausschüssen zum Beispiel.

Wie ist der Wert der AfD zu erklären? Zum einen führt die Partei einen massiven Werbefeldzug in den Sozialen Medien. Zudem hat Alice Weidel, AfD-Spitzenkandidatin, in den vergangenen Wochen medial kaum Fehler gemacht und das Provozieren Alexander Gauland überlassen. So konnte der parteiinterne Streit zwischen Gauland und Parteisprecherin Frauke Petry überdeckt werden. Zudem hat die AfD die jüngsten Terroranschläge in Manchester, London und Barcelona exzessiv für ihre Anti-Merkel-Kampagne genutzt. Auch bei der Wahlkampftour der Kanzlerin spielt die AfD mit und mobilisiert an vielen Orten eine massive laute Protesttruppe.

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