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Aktuell Europa

TV-Duell als letzte Chance für Präsident Sarkozy

Kurz vor der Stichwahl um das Präsidentenamt ging es beim Schlagabtausch vor den Kameras für Amtsinhaber Sarkozy um "alles oder nichts". Er konnte seinen Herausforderer Hollande aber nicht entscheidend bloßstellen.

sarkozy beim tv-duell (foto:rtr)

sarkozy tv-duell

Beide mühten sich staatsmännisch zu wirken, wurden dann aber doch ausfällig und verstiegen sich vor Millionen Zuschauern auch in aggressive Polemik. Nur ein einziges direktes Duell im Fernsehen, da hoffte das Lager um den konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy auf eine entscheidende Wende, denn die Umfrageergebnisse sind weiterhin schlecht.

Video ansehen 01:24

TV-Duell zwischen Sarkozy und Hollande

Francois Hollande, der Kandidat der Sozialisten, ging gewohnt bedächtig in das Rededuell. "Ich werde ein Präsident der Gerechtigkeit sein", er wolle das Land zusammenführen begann er. Zudem werde er den Franzosen eine neue Vision geben. Sarkozy gab sich angriffslustig und fuhr dazwischen: "Das sagt man bei jeder Debatte". An diesem Abend gehe es aber um die Wahrheit, Frankreich könne "sich keine Fehler erlauben". "Sie haben immer das Wort Lüge im Mund - ist das ihr persönliches Problem?", fragte Hollande den Staatschef. Dieser warf Hollande hingegen vor, das Land "in Gefahr zu bringen, weil kein Land der Welt ihre Politik teilt".

Pro und kontra Deutschland

Die dreistündige Debatte konnte streckenweise aber auch die programmatischen Differenzen zwischen den beiden Kandidaten aufzeigen: Hollande glaubt an den vorsorgenden, regulierenden Staat. Sarkozy verspricht hingegen mit Wirtschaftsliberalismus neues Wachstum. Dabei spielte auch der Vergleich mit Deutschland wieder eine wichtige Rolle.

Francois Hollande im TV-Duell

Sozialist Hollande wollte Sarkozy mit der Bilanz der vergangenen Jahre konfrontieren

Sarkozy warf Hollande vor: "Deutschland macht das Gegenteil von dem, was sie vorschlagen". Dessen Kurs laufe dem "erfolgreichen Nachbarland" zuwider. Deutschland gebe den Arbeitgebern viel mehr Freiheiten und das sei ein gutes Modell. Auch die Franzosen müssten die Arbeitskosten senken, um auf dem Markt attraktiver zu werden. Hollande verwies auf eine magere Regierungsbilanz Sarkozys. Deutschland sei "in allen Bereichen besser als wir". Der Sozialist hob die starke Rolle der deutschen Gewerkschaften hervor, an der er sich ein Beispiel nehmen wolle.

Streitpunkte Fiskalpakt und Wachstum

Auch die europäische Krisenpolitik wurde noch einmal heftig debattiert. Hollande präzisierte seine Position zum umstrittenen Fiskalpakt und begrüßte, dass sich die Länder "auf Regeln geeinigt" hätten. Auch Frankreich werde seit zehn Jahren schlecht regiert und hat Regeln nötig, so Hollande. Aber darüber sei das so fundamentale Wachstum vergessen worden. Er wolle den Kurs Europas ändern. Sarkozy sagte indes, es gebe nur einen großen Unterschied in der Europapolitik zwischen den beiden Kontrahenten: Die Eurobonds, die Hollande einfordert, seien gefährlich für Frankreich. "Wir wollen nicht für die Schulden anderer zahlen", so der Präsident.

Das Ende von "Merkozy"?

Sarkozy gilt in der europäischem Krisenpolitik als wichtigster Verbündeter von Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Merkozy" war zum Schlagwort und Markenzeichen für die enge deutsch-französische Abstimmung geworden. Die Kritik Hollandes am Fiskalpakt, sein Beharren auf einer eigenständigen und selbstbewußten Position Frankreichs sowie seine Forderung nach Wachstumsimpulsen waren in Berlin zunächst mit Skepsis und Zurückweisung aufgenommen worden.

SC/gmf (dapd,afp)

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