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Aktuell Europa

Tusk warnt vor britischem EU-Austritt

EU-Ratspräsident Tusk ist in großer Sorge. Sollten die Briten aus der EU austreten, sei die "gesamte politische Zivilisation des Westens" bedroht, warnte der frühere polnische Ministerpräsident.

Gegenüber der "Bild"-Zeitung begründete Donald Tusk seine drastische Warnung so: Ein Austritt der Briten würde allen radikalen Anti-Europäern in den EU-Staaten politisch Auftrieb geben. Und mehr noch: "Am Tag des Austritts der Briten würden unsere äußeren Feinde Champagner trinken", so der Ratspräsident. "Wir sollten alles daran setzen, ihnen diese Party zu verderben."

Scheidungen sind traumatisch

Zugleich widersprach Tusk dem Eindruck, für die Briten würde sich nach einem Austritt wenig ändern: "Jede Familie weiß: Eine Scheidung ist für alle traumatisch." Wirtschaftlich hätte bei einem Brexit jeder in der EU Nachteile, aber vor allem die Briten selbst. Auch geopolitisch wäre es ein "Rückschlag für Großbritannien". Ein Brexit wäre "gefährlich", weil "niemand die langfristigen Folgen vorhersehen" könne.

Tusk wies auch darauf hin, dass im Falle eines britischen EU-Austritts viele Jahre notwendig seien, um die Beziehungen zur Europäischen Union neu zu ordnen. Nach seiner Einschätzung würde das etwa sieben Jahe dauern, sagte der EU-Ratspräsident. Alleine eine Auflösung aller vertraglichen Verbindungen würde zwei Jahre in Anspruch nehmen.

Jahrelange Neuverhandlungen - ohne Garantie auf Erfolg

Jedes einzelne der dann 27 EU-Mitgliedsländer sowie das Europäische Parlament müssten dann im Anschluss einer ausgehandelten Neuordnung zustimmen. "Das wird mindestens fünf Jahre in Anspruch nehmen, und ich fürchte, ohne jede Erfolgsgarantie", sagte Tusk.

Die Briten stimmen am 23. Juni in einem Referendum darüber ab, ob ihr Land in der EU bleiben soll oder nicht. In jüngsten Umfragen lagen die Brexit-Befürworter mehrfach vorn, allerdings knapp. In einer Umfrage der aktuellen "Sunday Times" entschieden sich 43 Prozent für den Brexit und 42 Prozent dagegen. Elf Prozent der Befragten zeigten sich unentschieden, weitere vier Prozent gaben an, sich nicht an der Abstimmung beteiligen zu wollen.

haz/wl (dpa, afp)