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Fokus Osteuropa

Turkmenistan will Tourismus ausbauen

Am Kaspischen Meer soll nach einem ehrgeizigen Plan des turkmenischen Präsidenten eine Tourismus-Zone entstehen. Kritiker sehen in der nahe gelegenen Industrie, den Umweltschäden und Visa-Regelungen Hindernisse.

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Der Westen Turkmenistans gilt als strategisch wichtige Region des Landes. Dort befinden sich mehrere Erdölraffinerien. Und dort, an der Küste des Kaspischen Meeres, soll in den kommenden Jahren das Urlaubsgebiet "Awasa" entstehen, in das die turkmenische Regierung mehrere hundert Millionen Euro investieren will. Präsident Gurbanguly Berdymuhamedow hat auch ausländische Unternehmen eingeladen, sich an dem Projekt zu beteiligen.

Berdymuhamedow erklärte, "in naher Zukunft wird Awasa für jeden, der Turkmenistan besucht, zum beliebtesten Ort werden". Dem Präsidenten zufolge handelt es sich um die erste "freie Wirtschaftszone, die auf die Entwicklung von Tourismus im Lande abzielt". Denjenigen in- und ausländischen Unternehmen, die in den Bau von Hotels und Erholungsanlagen investieren, verspricht der turkmenische Präsident erhebliche Steuer- und Zollvergünstigungen. Bislang werden aber alle Projekte noch von der turkmenischen Regierung finanziert.

Urlaubs- oder Erdölregion?

Die Gesamtfläche, die für den die touristische Zone zur Verfügung gestellt wurde, beträgt 5000 Hektar, mit einer Küstenlänge von 26 Kilometern. Die Bebauung des Gebiets wird zehn Jahre in Anspruch nehmen, aber ein Teil ist bereits erschlossen. Schon heute können etwa 2000 Touristen in Awasa aufgenommen werden, denn sechs Luxushotels haben vor kurzem ihren Betrieb aufgenommen. Drei weitere Hotels sollen bald folgen.

Aufgrund der Erdöl- und Erdgas-Förderung und anderer Industrieproduktion gibt es in Awasa allerdings gravierende Umweltprobleme. So sind viele Tierarten vor Ort vom Aussterben bedroht. Darüber hinaus beeinflussen schlechte Umweltbedingungen die Gesundheit der Anwohner. Auf die Frage, ob ausländische Touristen überhaupt in der Nähe von Erdölraffinerien Urlaub machen wollten, haben Experten vor Ort noch keine Antwort gegeben. Ferner ist unklar, welchen Wettbewerbsvorteil das turkmenische Awas gegenüber anderen bekannten Urlaubsorten haben soll.

Turkmenen bleiben zu Hause

Awas ist Teil von Berdymuhamedows Programm, mit dem die Regionen des Landes "zum Wohle der Menschen" erneuert werden sollen. Dennoch werden die meisten Turkmenen in den neuen Hotels wohl kaum Urlaub machen können. Eine Übernachtung kostet ab 35 Euro aufwärts, was einem halben durchschnittlichen Monatsgehalt in Turkmenistan entspricht.

Die Möglichkeiten für turkmenische Staatsbürger, ihren Urlaub im Ausland zu verbringen, tendieren gegen Null. Gewöhnlich verbringen die Menschen die heißen Sommer zu Hause. Sogar Ausflüge an das Kaspische Meer sind heute für viele Turkmenen unerschwinglich. Viele private Ferienhäuser, die zu angemessen Preisen zu mieten waren, sind inzwischen abgerissen. Eine Alternative für das gleiche Geld gibt es nicht.

Neben den finanziellen Hürden gibt es noch die Visa-Regelungen. So sind Reisen nach Russland oder in andere GUS-Staaten mit einer ganzen Reihe von Problemen verbunden. Turkmenistan ist das einzige Land im post-sowjetischen Raum, das mit allen GUS-Ländern die Visa-Pflicht nach wie vor aufrechterhält.

Autor: Ajscha Berdyjewa / Markian Ostaptschuk
Redaktion: Bernd Johann

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