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Fokus Osteuropa

Turkmenistan: Präsident verbietet Kinderarbeit

Bei der Baumwollernte sollen keine Schüler mehr eingesetzt werden. Menschenrechtler hatten die Kinderarbeit seit Jahren kritisiert. Es ist aber nicht sicher, dass mit dieser Tradition nun tatsächlich gebrochen wird.

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Kinder ernten das "weiße Gold" Zentralasiens

Während einer erweiterten Sitzung des turkmenischen Ministerkabinetts hat Präsident Gurbanguly Berdymuhammedow erklärt, es müssten all diejenigen bestraft werden, die zur jetzt beginnenden Baumwollernte Kinder als Arbeitskräfte einsetzten oder dieses Verhalten billigten. "Dieser Gewohnheit muss ein Ende gesetzt werden. Es ist unsere Aufgabe, keinen einzigen Fall von Kinderarbeit zuzulassen", betonte Berdymuhammedow.

Der Präsident kündigte ferner an, dass Schulleiter sich zukünftig vor dem Gesetz verantworten müssten, wenn Schüler ihrer Schule wegen der Baumwollernte vom Unterricht befreit würden. Das Staatsoberhaupt beauftragte Generalstaatsanwältin Tschary Hodschamuradowa sowie Bildungsministerin Muhammedgeldy Annaamanowa damit, die Angelegenheit zu kontrollieren.

Kinderarbeit hat lange Tradition

Auch der frühere turkmenische Präsident Saparmurat Nijasow ("Turkmenbaschi") hatte sich alljährlich gegen den Einsatz von Kinderarbeit ausgesprochen. Trotzdem wurden immer wieder Schüler bei der Baumwollernte eingesetzt. Sie wurden zwei bis drei Monate vom Unterrichte befreit und arbeiteten gemeinsam mit Erwachsenen auf den Feldern, ohne einen Lohn zu erhalten. Viele Kinder wurden dabei krank. Es gab sogar Todesfälle.

Schon in der Sowjetzeit wurde Kinderarbeit bei der Baumwollernte genutzt, obwohl das Gesetz die Beschäftigung von Kindern unter 15 Jahren untersagte. Zehntausende von Schülern verbrachten die Herbstmonate auf den Feldern, anstatt zur Schule zu gehen. Die meisten Schulen wurden bis Dezember geschlossen.

1994 trat Turkmenistan der UN- Konvention über die Rechte des Kindes bei, die Kinderarbeit ausdrücklich verbietet. Und im Jahr 2005 wurde in Turkmenistan ein Gesetz angenommen, das ebenfalls Kinderarbeit untersagt. Menschenrechtsorganisationen kritisierten regelmäßig die Führung des Landes, weil sie dennoch Kinderarbeit duldete.

Hohe Erträge mit Nebenwirkungen

Der Einsatz von Kindern als kostenlose Arbeitskräfte ermöglichte es Turkmenistan, maximale Gewinne beim Baumwollverkauf zu erzielen. Die Handarbeit bei der Ernte garantierte höchste Qualität. Baumwolle wird auf mehr als der Hälfte der bewässerten Flächen Turkmenistans angebaut und ist einer der wichtigsten Posten des Exports. Die Baumwolle nennen die Turkmenen auch "weißes Gold".

Der frühere Präsident Nijasow verlangte jedes Jahr Erntezuwächse. Um das geforderte Ziel zu erreichen, wurde der Einsatz giftiger chemischer Stoffe immer weiter verstärkt. Die Situation hat sich bis heute nicht geändert. Die Anbauweise bringt zwar große Erträge, schadet aber zugleich der Umwelt und der Gesundheit der Menschen erheblich, die bei der Ernte eingesetzt werden.

Ajscha Berdyjewa

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