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Fokus Osteuropa

Turkmenistan: Existenz umfangreicher Gasvorkommen bestätigt

Die bisher ausstehende Bestätigung der gewaltigen turkmenischen Gasvorkommen durch eine im Westen anerkannte Firma ist erfolgt. Roland Götz von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik bewertet die Auswirkungen.

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Energieversorgung gesichert?

DW-Russisch: Turkmenischen Medienberichten zufolge hat die britische Beratergesellschaft Gaffney, Cline & Associates (GCA) die Vorkommen in Südjolotan-Osman erforscht. Sie hat nun bestätigt, dass dort gewaltige Erdgasmengen lagern. Wie beurteilen Sie die Situation?

Roland Götz: Südjolotan und Osman sind schon seit mehreren Jahren bekannt. Chinesische Firmen haben sie schon vermessen. Es fehlte bisher aber noch eine Bestätigung durch eine im Westen anerkannte Firma - und die ist jetzt erfolgt. Die Größenordnung dieser Funde entspricht etwa den Erwartungen, also fünf bis sieben Billionen Kubikmeter Erdgas. Das bedeutet, dass die Vorräte Turkmenistans in einer Größenordnung von etwa zehn Billionen Kubikmetern liegen, das ist mehr als bisher in den offiziellen Statistiken des Westens verzeichnet war, aber gleichzeitig viel weniger, als von turkmenischer Seite noch vor Jahren angegeben wurde.

Was wird sich nach dieser neuen Einschätzung der turkmenischen Vorkommen auf dem Erdgasmarkt ändern?

Zunächst wird sich überhaupt nichts ändern. Diese neuen Felder müssen erst erschlossen werden. Die Förderung wird schrittweise erhöht. In etwa zehn Jahren wird das dazu führen, dass die Gasförderung Turkmenistans bei etwa 150 Milliarden Kubikmetern liegen wird. Im Augenblick liegt sie bei 60-70 Milliarden Kubikmeter. Das heißt, dass dann in etwa zehn Jahren Turkmenistan die Exporte tätigen kann, von denen es schon seit längerer Zeit spricht, nämlich große Exporte nach Russland, große Exporte nach China und etwas kleine Exporte nach Iran und in die Türkei.

Das Nabucco-Projekt sieht den Bau einer Gaspipeline von der Türkei bis nach Österreich vor. Sie soll die EU mit den kaspischen Gasvorkommen verbinden. Sind die Chancen für die Umsetzung des Projekts nun gestiegen? Wird die Pipeline auch turkmenisches Gas transportieren?

Die Nabucco-Pipeline soll aus mehreren Richtungen, von mehreren Ländern aus gefüllt werden. Da ist einmal Aserbaidschan, das die Nabucco-Pipeline am schnellsten beliefern könnte. Da gibt es sogar schon eine Gaspipeline Aserbaidschan-Türkei, die man nutzen könnte. Dann gibt es natürlich auch die russische Gasprom, die Nabucco beliefern könnte. Und es gibt die Bluestream-Pipeline. Es gibt noch keine Pipelines aus Zentralasien, also aus Turkmenistan, und noch keine Pipeline aus dem Iran. Das größte Problem ist: Wann könnten solche Pipelines gebaut werden? Bei Turkmenistan könnte es in einigen Jahren der Fall sein. Da hängt es wieder davon ab, wie viel Mengen Turkmenistan wirklich liefern kann. Beim Iran ist es noch eine viel kompliziertere Frage. Ob Iran jemals Gas nach Europa liefern kann, ist im Augenblick vollkommen ungewiss. Im Ergebnis kann man sagen: Die Nabucco-Pipeline könnte eine Realisierungschance haben, aber sie wird wahrscheinlich von mehreren Ländern beliefert werden müssen, also von Aserbaidschan, von Turkmenistan, man spricht sogar vom Irak und von anderen Ländern, und auch eines Tages vom Iran.

Wohin wird denn Turkmenistan sein Gas liefern? Wird die EU in Zukunft von den steigenden Gasexporten aus Turkmenistan profitieren können?

Turkmenistan braucht mehr Gas als es bisher hat, um überhaupt seine Verträge gegenüber Russland erfüllen zu können. Das heißt, einen Teil dieses Gases wird man brauchen, um diesen langfristigen Liefervertrag über 90 Milliarden Kubikmeter zwischen Turkmenistan und Russland überhaupt ausführen zu können. Dann kommen die Verträge mit China und erst dann, an dritter Stelle, kommen die von anderen Ländern. Ich rechne damit, dass ab etwa 2015 bedeutsamere Mengen Richtung Westen, das heißt zunächst Richtung Türkei, geliefert werden können. Das ganze wird sich frühestens zwischen 2015 und 2020 abspielen. Es wird keineswegs die Erdgasversorgung Europas entscheidend ändern, denn dazu sind die Mengen nach wie vor zu gering. Europa importiert in einigen Jahren etwa 500 Milliarden Kubikmeter Erdgas vor allem aus Russland und Nordafrika, der kaspische Raum kommt deutlich dahinter an dritter Stelle.

Das Gespräch führte Daria Bryantseva

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