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Fokus Osteuropa

Turkmenistan: Bleibt alles, wie es ist?

Eine unrühmliche Ära ist zu Ende: Der turkmenische Staatspräsident Saparmurat Nijasow ist tot. Er hat das Land über 20 Jahre mit harter Hand regiert. Aufatmen wird das Land trotzdem nicht, sagt Cornelia Rabitz.

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Der Tod kam unerwartet: Niemand, so scheint es, war in Turkmenistan darauf vorbereitet, dass Präsident Nijasow - der sich selbst zum „Turkmenbaschi“, zum „Vater aller Turkmenen“ hatte ausrufen lassen - sterblich sein würde. Der exzentrische Despot hatte schon zu Lebzeiten für eine Aura der Unsterblichkeit gesorgt. Auf Bildern, Plakaten, in Büchern und den Medien war er omnipräsent. In der Hauptstadt Aschgabad steht eine überdimensionale goldene Statue. Städte und Flughäfen, sogar Meteoriten, Melonen und Monate wurden nach ihm benannt. Sein pseudo-philosophisches Buch „Ruchnama“ ist Pflichtlektüre. Und seit 1999 war Nijasow Präsident auf Lebenszeit.

Keiner weiß, wie es weitergeht

Das Volk, in Geiselhaft gehalten von einem stalinistischen Regime, geknebelt, politisch isoliert und indoktriniert, hat nicht spüren dürfen, dass Nijasow bereits schwer krank gewesen ist - mithin, dass es ein Leben ohne den Turkmenbaschi überhaupt geben könnte. Jetzt wird man zu kollektiven Trauerbekundungen rufen. Ein Mausoleum ist bereits gebaut, ein Übergangspräsident bereits benannt. Dennoch breitet sich Ungewissheit aus, was aus Turkmenistan wohl werden wird. Eine Nachfolgeregelung hat der Despot selbstverständlich nicht getroffen. Sein Sohn lebt im Ausland und hat noch keine politischen Ambitionen erkennen lassen. Andere Politiker waren lediglich Marionetten im Schatten des großen Präsidenten. Die Opposition wiederum wurde vertrieben oder inhaftiert. In jedem Fall ist sie an den Rand gedrängt und schwach.

Revolution eher unwahrscheinlich

Wo also könnten die Chancen des isolierten Landes liegen? Ist der unerwartete Tod Nijasows ein Signal zum Aufbruch in die Freiheit? Oder drohen Diadochenkämpfe, die Turkmenistan in politische Turbulenzen stürzen? Ein Staat, in dem ausländische Musik und Filme verboten sind, die Reisefreiheit eingeschränkt ist, in dem die Medien vollständig gleichgeschaltet und alle Bürgerrechte außer Kraft gesetzt sind, kann Hoffnung auf demokratische Veränderungen nicht gedeihen. Die Chancen, dass es zu einer Revolution „von unten“ kommen wird, sind von daher gering. Auch ein Bürgerkrieg ist wenig wahrscheinlich. Eine geräuschlose Kontinuität der herrschenden Verhältnisse ist die denkbarste - und denkbar schrecklichste - Perspektive.

Begehrlichkeiten

Manch einer wird freilich aufmerksam nach Aschgabad blicken – und damit sind nicht nur die Autokraten in den übrigen zentralasiatischen Staaten gemeint, die nichts so sehr fürchten wie das Überschwappen demokratischen Gedankenguts in ihre Länder. Die USA und Russland werden versuchen, ihren Einfluss zu behalten oder auszubauen. Turkmenistan verfügt über große Gas- und Ölvorkommen. Jede Instabilität berührt das Geschäft mit den Ressourcen. Denn das stalinistische Regime Nijasow hat immer eines garantiert: die zuverlässige Lieferung der begehrten Rohstoffe.

Turkmenistan wird nun unfreiwillig ein „Modell der Machtübergabe“ im postsowjetischen Raum vorführen. Einer wird besonders interessiert nach Aschgabad blicken: Russlands Präsident Putin. Er muss in eineinhalb Jahren seine Macht abgeben. Noch ist offen, an wen, wie und was die Folgen sein werden.

Cornelia Rabitz

DW-RADIO/Russisch, 21.12.2006, Fokus Ost-Südost

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