1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Turkmenischer Präsident Nijasow gestorben

Der turkmenische Präsident Saparmurat Nijasow ist im Alter von 66 Jahren gestorben. Als selbsternannter "Vater aller Turkmenen" regierte er über zwei Jahrzehnte die zentralasiatische Republik.

Der turkmenische Präsident Saparmurat Nijasow, Quelle: AP

Der verstorbene Präsident Saparmurat Nijasow

Nijasow starb am frühen Donnerstagmorgen um 1.10 Uhr Ortszeit (Mittwoch, 21.10 Uhr MEZ) an Herzversagen. Das berichtete das Staatsfernsehen von Turkmenistan nach Angaben der Agentur Interfax. Bereits wenige Stunden nach dem Tod des turkmenischen Präsidenten hat der Sicherheitsrat die Nachfolge geregelt. Er bestimmte den Vize-Ministerpräsidenten Gurbanguly Berdymuchammedow zum Übergangspräsidenten.

Gurbanguly Berdymuchammedow, Quelle: AP

Interims-Präsident Gurbanguly Berdymuchammedow

Berdymuchammedow erklärte, dass der Termin für die Wahl eines neuen turkmenischen Präsidenten am Dienstag (26.12.) festgelegt werden wird. Die Entscheidung werde der Volksrat treffen, das höchste gesetzgebende Organ des Landes. Die 2.000 Mitglieder des Volksrates hatte der verstorbene Präsident Nijasow noch persönlich ausgewählt.

"Vater aller Turkmenen"

Deutsche Ärzte behandelten Nijasow, der bereits seit längerem an Herzproblemen litt. 1997 war ihm in einer Münchner Spezialklinik ein Bypass gelegt worden. Zuletzt hatten im Oktober russische Medien berichtet, der Gesundheitszustand des Autokraten habe sich rapide verschlechtert.

Eine goldene Büste des turkmenischen Staatpräsidenten Nijasow, Quelle: AP

Goldene Büste des "Turkmenbaschi": Selbsternanntes "Haupt aller Turkmenen"

Der zum Staatsführer auf Lebenszeit und "Vater aller Turkmenen" ernannte Nijasow stand über zwei Jahrzehnte an der Spitze der zentralasiatischen Republik, die bis 1991 zur Sowjetunion gehörte. Unter seiner autoritären Herrschaft war die an Öl- und Gasvorkommen reiche Ex-Sowjetrepublik nach außen weitgehend abgeschottet. Er regierte das Land mit harter Hand und umgab sich mit einem bizarren Personenkult. So ließ er im April 2005 alle öffentlichen Bibliotheken schließen. Bücher sind seit dieser Zeit nur noch in Universitäten zugänglich. Kino, Oper, Ballett und Zirkus hatte er zuvor verbieten lassen.

Turkmenistan trauert

Das turkmenische Fernsehen zeigte ein schwarz umrandetes Porträt Nijasows vor dem Hintergrund der Staatsflagge. In der Hauptstadt Aschchabat wurden die Flaggen auf Halbmast gesetzt; die 23 Regierungszeitungen erschienen nicht. Zudem ordnete die Regierung das Aussetzen der öffentlichen Neujahrsfeiern an.

Obwohl Turkmenistan über fünf Prozent der weltweiten Erdgasreserven verfügen soll, ist es eines der ärmsten Länder der ehemaligen Sowjetunion. Das Land steht wegen massiver Verstöße gegen Menschen- und Bürgerrechte seit langem in der Kritik. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hatte bei einem Besuch in Turkmenistan Anfang November besonders die Demokratiedefizite im Land bemängelt. Trotz aller Kritik sucht der Westen die Annäherung an Turkmenistan: Das Land ist wegen seiner strategischen Lage an der Grenze zu Iran und Afghanistan unter anderem im gemeinsamen Anti-Terror-Kampf von Bedeutung. (maj)

Die Redaktion empfiehlt