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Fokus Osteuropa

Turkmenbaschi verbietet Kinderarbeit

Offiziell wird in Turkmenistan Kinderarbeit seit langem bekämpft. Trotzdem müssen ganze Schulklassen auf Baumwollfeldern arbeiten, und das angeblich mit Billigung der obersten Staatsführung.

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Meint es Präsident Saparmurat Nijasow (Turkmenbaschi) diesmal ernst?


Der turkmenische Präsident, Saparmurat Nijasow, hat ein Gesetz beschlossen, das Kinderarbeit verbietet. Damit soll die Gesetzgebung Turkmenistans mit der UN-Konvention über die Rechte des Kindes in Einklang gebracht werden. Vor den Abgeordneten sagte Nijasow, es sei wichtig, sich um die Erziehung der heranwachsenden Generation zu kümmern. Die Kultur, Bildung und Erziehung seien die lebensspendenden Quellen, die dazu da seien, die junge Generation der Turkmenen zu formieren. Besondere Aufmerksamkeit müsse man den Schülern widmen, denen man Patriotismus und Staatsbewusstsein beibringen müsse.

Turkmenische Helsinki-Stiftung berichtet

Die Leiterin der Menschenrechtsorganisation Turkmenische Helsinki-Stiftung, Tadschigul Begmedowa, sagte der Deutschen Welle, Kinderarbeit sei in Turkmenistan weit verbreitet. Kinder würden in verschiedenen Bereichen zur Arbeit herangezogen, in erster Linie von ihren Familien in der Landwirtschaft.

Sie sagte: „Obwohl Nijasow immer wieder erklärt, es sei verboten, Kinderarbeit auszunutzen, müssen jedes Jahr im September Schüler in Handarbeit Baumwolle ernten.“ Kinder im Alter zwischen 12 und 15 Jahren müssten dann nach der ersten Unterrichtsstunde jeden Tag unter Aufsicht ihrer Lehrer auf Baumwollfelder fahren und dort mehrere Monate lang den ganzen Tag arbeiten. Dies sei in allen Gebieten des Landes üblich, außer in der Hauptstadt, so Begmedowa.

„Aber auch auf Märkten und in Geschäften müssen Kinder arbeiten. Dort findet man vor allem Kinder im Alter zwischen neun und 16 Jahren, die als Träger und Laufburschen eingesetzt werden“, sagte Begmedowa. Darüber hinaus würden Kinder auch häufig zur Autowäsche herangezogen, wo sie in Kälte und Hitze tagelang arbeiten müssten.

Nichts werde schriftlich festgehalten und Sicherheitsbestimmungen würden auch nicht eingehalten. Bei der Arbeit passieren Begmedowa zufolge häufig Unfälle, in die Kinder verwickelt sind. Der Hauptgrund für Kinderarbeit sei, dass Minderjährige eine billige Arbeitkraft seien. Außerdem würden sie keine Arbeitsverträge oder die Einhaltung von Sicherheitsbestimmungen einfordern, sagte die Menschenrechtlerin.

Bevölkerung skeptisch

Gibt es Hoffnung, dass das neue Gesetz auch umgesetzt wird? Die Leiterin der Menschenrechtsorganisation Turkmenische Helsinki-Stiftung sagte dazu: „Viele Einwohner des Landes meinen rückblickend auf ähnliche Gesetze, die in Vergangenheit verabschiedet wurden: Wenn ein Gesetz beschlossen wird, bedeutet dies, dass sich die Lage noch verschlechtern wird.“ Begmedowa hofft aber, dass die jetzigen positiven Schritte nicht nur auf dem Papier bleiben.

Kinder werden massiv eingesetzt

Eine Quelle im Umfeld des turkmenischen Präsidenten, die ungenannt bleiben möchte, teilte dem Korrespondenten der Deutschen Welle, Oras Saryjew, mit, Nijasow habe noch als Vorsitzender des Ministerrates der Turkmenischen Sowjetrepublik 1985 die lokalen Behörden wegen Kinderarbeit, vor allem bei der Bauwollernte, scharf kritisiert. Auch in seinem Programm für den ersten Präsidentschaftswahlkampf nahm die Absicht, Kinderarbeit zu verbieten, großen Raum ein.

Quellen vor Ort berichten aber, dass es einen solch massiven Einsatz von Kindern bei der Baumwollernte in der Sowjetzeit nicht gegeben habe. Bei der Baumwollernte leben die Kinder unter unhygienischen Bedingungen. Hepatitis und Ruhr sind zu alltäglichen Erkrankungen geworden. Mitarbeiter lokaler Behörden behaupten, sie würden die Anweisungen, Kinder zur Arbeit zu schicken, von „ganz oben“ nur mit Zustimmung des Präsidenten des Landes erhalten.

Vitali Volkov

DW-RADIO/Russisch, 2.2.2005, Fokus Ost-Südost